Deutsche Tageszeitung - Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika steigt auf 45

Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika steigt auf 45


Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika steigt auf 45
Zahl der Toten bei Unruhen in Südafrika steigt auf 45 / Foto: ©

Bei den tagelangen Ausschreitungen in Südafrika infolge der Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma sind bisher mindestens 45 Menschen ums Leben gekommen. Allein zehn Leichen seien nach einem Gedränge in einem geplünderten Einkaufszentrum im Johannesburger Vorort Soweto in der Provinz Gauteng gefunden worden, sagte der Chef der Provinzregierung, David Makhura, am Dienstag. Dort hatte es laut Polizei am Montag eine Massenpanik gegeben. Die Ausschreitungen und Plünderungen dauerten den fünften Tag in Folge an, obwohl die Regierung Soldaten in die betroffenen Regionen entsandt hat.

Textgröße ändern:

Aus Zumas Heimatprovinz KwaZulu-Natal meldete der dortige Regierungschef Sihle Zikalala am Dienstag 26 Tote. Die Provinz war am Freitag der Ausgangspunkt der Unruhen gewesen, sie breiteten sich jedoch auch auf andere Teile des Landes aus. In der Provinz Gauteng gab es laut Makhura seit Freitag insgesamt 19 Tote.

Präsident Cyril Ramaphosa hatte am Montagabend in einer Fernsehansprache die Entsendung von Soldaten zur Unterstützung der Polizei in die beiden Provinzen angekündigt. "In den vergangenen Tagen und Nächten hat es Akte der Gewalt von einer Art gegeben, die wir in der Geschichte unserer Demokratie selten erlebt haben", sagte Ramaphosa.

Der langjährige Präsident Zuma war Ende Juni vom Verfassungsgericht wegen Missachtung der Justiz zu einer 15-monatigen Haftstrafe verurteilt worden, die er vergangene Woche antrat. Während viele Südafrikaner die Inhaftierung des Ex-Staatschefs als Erfolg für die Rechtsstaatlichkeit des Landes feierten, gingen Unterstützer Zumas auf die Straße.

Die Proteste schlugen vielerorts in Gewalt um. Bisher wurden 757 Menschen festgenommen, der Großteil von ihnen in Johannesburg, wie Polizeiminister Bheki Cele mitteilte. Die Polizei werde dafür sorgen, dass sich die Situation "nicht weiter verschlechtert", kündigte er an.

Allerdings hielten die Plünderungen insbesondere im Johannesburger Vorort Soweto und in Pietermaritzburg, der Hauptstadt der Provinz KwaZulu-Natal, auch am Dienstag an. In Soweto patrouillierten Soldaten auf den Straßen, wie AFP-Reporter berichteten.

Fernsehsender zeigten, wie die Plünderer teilweise riesige TV-Sets, Kinderfahrräder, Bürostühle, Windeln und Konserven aus den Geschäften trugen. Bei den ersten Randalierern hatte es sich meist um junge Männer gehandelt, später kamen weitere Anwohner auf der Suche nach Lebensmitteln und Waren, die sie veräußern können, hinzu - darunter sogar Kinder.

Auch im heruntergekommenen Stadtteil Jeppe nahe dem Zentrum von Johannesburg lieferten sich in der Nacht zu Dienstag Polizisten und private Sicherheitsleute Auseinandersetzungen mit Randalierern.

Südafrika ist das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land auf dem afrikanischen Kontinent. Die Pandemie hat das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gestürzt und die Arbeitslosenzahlen nach oben schnellen lassen.

Vor allem bei ärmeren Südafrikanern ist der 79-jährige Zuma auch nach zahlreichen Korruptionsaffären immer noch beliebt. Der frühere Kämpfer gegen die Apartheid war 2009 als Hoffnungsträger der Armen an die Macht gekommen. Bei vielen Südafrikanern verspielte er durch seine zahllosen Korruptionsaffären aber jede Glaubwürdigkeit. Anfang 2018 kam der skandalumwitterte Präsident mit seinem Rücktritt einer Absetzung zuvor.

Da Zuma gegen seine Verurteilung zu 15 Monaten Haft nicht in Berufung gehen kann, haben seine Anwälte die Annullierung des Urteils beantragt. Das Verfassungsgericht entschied daraufhin, das Urteil noch einmal zu überprüfen. Wann die Entscheidung des Gerichts fällt, ist unklar.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Macron spricht mit Papst Leo XIV. über Nahost und Missbrauchsfälle

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist am Freitag erstmals von Papst Leo XIV. in einer Privataudienz empfangen worden. Der Staatschef kam gemeinsam mit seiner Frau Brigitte, die wie bei Papstbesuchen üblich ganz in Schwarz gekleidet war. In dem Gespräch zwischen dem Papst und dem Präsidenten dürfte die Lage im Nahen Osten und insbesondere im Libanon eine wichtige Rolle gespielt haben. Auch die langsame Aufarbeitung zahlreicher Missbrauchsfälle in katholischen Institutionen in Frankreich war vermutlich ein Thema.

Rotes Kreuz warnt vor humanitärer Katastrophe im Libanon

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt angesichts der anhaltenden Angriffe Israels auf den Libanon vor einer humanitären Katastrophe in dem Land. "Zahlreiche Krankenhäuser sind aufgrund der vielen Verwundeten überfüllt und es droht ein Engpass von bestimmten Arzneimitteln und Materialien, insbesondere wenn die Angriffe anhalten sollten", sagte DRK-Präsident Hermann Gröhe der "Rheinischen Post" (Samstagsausgabe). Die humanitäre Lage im Libanon habe sich nochmals deutlich verschlimmert.

Ministerin Reiche kritisiert SPD-Vorschläge für Entlastung der Bürger scharf

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat die Vorschläge des Koalitionspartners SPD zur Entlastung von Verbrauchern und Unternehmen in der Spritpreiskrise in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. "Der Koalitionspartner ist in den letzten Wochen damit aufgefallen, Vorschläge zu unterbreiten, die teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig sind", sagte sie am Freitag in Berlin. "Das führt zu Verwirrung und hilft den Verbrauchern nicht."

US-Bundesrichter kippt neue Restriktionen für Journalisten im Pentagon

Die abermalige Verschärfung der Zugangsbeschränkungen für Journalisten im US-Verteidigungsministerium ist von einem Bundesrichter gekippt worden. Richter Paul Friedman schrieb in einem Gerichtsbeschluss vom Donnerstag (Ortszeit), die vom Pentagon erlassenen neuen Beschränkungen seien "keine Sicherheitsmaßnahmen oder Bemühungen, vorherigen Verpflichtungen nachzukommen". Es handele sich vielmehr um "durchsichtige Versuche, die Auswirkungen des vorigen Gerichtsbeschlusses zu leugnen". Das Ministerium müsse Journalisten Zugang gewähren.

Textgröße ändern: