Deutsche Tageszeitung - Nizza erinnert an 86 Tote des Lkw-Anschlags vor fünf Jahren

Nizza erinnert an 86 Tote des Lkw-Anschlags vor fünf Jahren


Nizza erinnert an 86 Tote des Lkw-Anschlags vor fünf Jahren
Nizza erinnert an 86 Tote des Lkw-Anschlags vor fünf Jahren / Foto: ©

Fünf Jahre nach dem Lkw-Anschlag in Nizza ist an die 86 Toten und mehr als 200 Verletzten erinnert worden. "Ganz Frankreich wurde in Nizza getroffen", sagte Regierungschef Jean Castex am Mittwoch in der südfranzösischen Küstenstadt. Der "islamistische Terrorist" Mohamed Lahouaiej-Bouhlel habe "das Leben hunderter Menschen erschüttert". Im Anschluss an Castex’ Rede wurden die Namen der Opfer im Alter von zwei bis 92 Jahren verlesen.

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Der tunesische Täter war am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli 2016 mit einem Lastwagen in die feiernde Menge auf der Uferpromenade von Nizza gerast. Erst nach einer minutenlangen Todesfahrt wurde er von der Polizei erschossen. Unter den Opfern des Anschlags waren auch Besucher aus vielen Ländern. Aus Deutschland wurden eine Lehrerin und zwei Schülerinnen der Oberstufe der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Berlin-Charlottenburg getötet. Eine weitere Schülerin wurde verletzt.

"Unser Nationalfeiertag ist ein Tag voller Schmerzen geworden", sagte der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi. Er nannte den Anschlag "eine der barbarischsten Taten" in Frankreich in den vergangenen Jahren. Sie habe Menschen "verschiedenster Nationen und Religionen" getroffen. Nur bei den Pariser Anschlägen vom November 2015 wurden mehr Opfer gezählt. Damals töteten islamistische Terrorkommandos 130 Menschen.

Den Anschlag von Nizza mit insgesamt 86 Toten und 206 Verletzten reklamierte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat für sich, die Ermittlungen ergaben jedoch keine direkte Verbindung zwischen dem Täter und der IS-Miliz. Der Tunesier soll sich zuletzt jedoch islamistische Propaganda mit extremer Gewalt angeschaut haben. Auch eine psychische Störung gilt nicht als ausgeschlossen.

Die französische Justiz hält drei Männer für Komplizen des Täters, ihnen drohen wegen "Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe" lebenslange Haftstrafen. Der Prozess soll am 5. September 2022 vor einem Pariser Sonderschwurgericht beginnen. Fünf weitere Angeklagte, darunter eine Frau, sollen dem Täter Waffen beschafft haben - unter anderem eine Pistole, mit der er auf die Polizisten schoss. An dem Prozess wollen mehr als 850 Zivilkläger teilnehmen, darunter Hinterbliebene der Opfer.

Zuvor hatte Frankreich unter strengen Corona-Auflagen an den Sturm auf die Bastille vor 232 Jahren erinnert, der als Beginn der Französischen Revolution gilt. Zu der traditionellen Pariser Militärparade am Nationalfeiertag waren nur 10.000 offizielle Gäste geladen, weniger als halb so viele wie vor der Pandemie. Besucher mussten einen Mund-Nasen-Schutz tragen, zudem war wegen deutlich gestiegener Infektionszahlen erstmals ein negativer Corona-Test für alle nicht Immunisierten Pflicht.

Präsident Emmanuel Macron nahm mit seiner Frau Brigitte auf einer Tribüne auf dem Boulevard Champs-Elysées an der Militärparade teil. An dem Militäraufmarsch waren auch Soldaten der europäischen Sahel-Truppe Takuba beteiligt, die gegen Islamisten in der afrikanischen Krisenregion kämpft.

Macron hatte zuvor das Ende des französischen Kampfeinsatzes Barkhane für Anfang des kommenden Jahres angekündigt. Bisher hat Frankreich 5100 Soldaten in Mali und anderen Ländern stationiert, ihre Zahl soll nahezu halbiert werden. Der Einsatz ist wegen ausbleibender Erfolge und mehr als 50 getöteter Franzosen umstritten.

Im vergangenen Jahr war die Militärparade zum Nationalfeiertag wegen des Coronavirus ausgefallen. Ersatzweise gab es eine stark verkleinerte Zeremonie ohne Zuschauer auf dem Pariser Concorde-Platz.

(V.Sørensen--DTZ)

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