Deutsche Tageszeitung - Kämpfe um Grenzübergang Spin Boldak in Afghanistan erneut entflammt

Kämpfe um Grenzübergang Spin Boldak in Afghanistan erneut entflammt


Kämpfe um Grenzübergang Spin Boldak in Afghanistan erneut entflammt
Kämpfe um Grenzübergang Spin Boldak in Afghanistan erneut entflammt / Foto: ©

Wenige Tage nach der Einnahme des strategisch wichtigen Grenzübergangs Spin Boldak in Afghanistan durch die radikalislamischen Taliban sind erneut Kämpfe um den Grenzposten entflammt. Das afghanische Militär habe eine Offensive zur Rückeroberung gestartet, sagte Dschamal Nasir Baraksai, Polizeisprecher der südlichen Provinz Kandahar, der Nachrichtenagentur AFP am Freitag. Derweil meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass einer ihrer Fotografen bei den Kämpfen getötet wurde.

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Die Taliban verschanzten sich nach Angaben der afghanischen Armee in Häusern von Zivilisten in der Grenzstadt. Einwohner von Spin Boldak berichteten von heftigen Gefechten auf dem Hauptbasar der Stadt.

Laut AFP-Reportern wurden dutzende verletzte Taliban-Kämpfer nach nächtlichen Gefechten in einem pakistanischen Krankenhaus nahe der Grenze behandelt. Mullah Mohammed Hassan, der nach eigenen Angaben den Taliban angehört, berichtete von einem getöteten und dutzenden verletzten Kampfgefährten.

Derweil kam es auch zu Spannungen zwischen der afghanischen und der pakistanischen Regierung. Der afghanische Vizepräsident beschuldigte das pakistanische Militär, den Taliban "in bestimmten Gebieten enge Luftunterstützung" zu leisten.

Pakistan wies die Anschuldigungen zurück. Die Regierung habe lediglich "auf seinem Territorium die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um unsere eigenen Truppen und die Bevölkerung zu schützen", erklärte das Außenministerium in Islamabad.

Bei den Kämpfen um Spin Boldak wurde auch ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters getötet. Der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Danish Siddiqui sei bei Gefechten der afghanischen Armee mit den Taliban getötet worden, berichtete die Nachrichtenagentur. Der aus Indien stammende Siddiqui war seit dieser Woche mit den afghanischen Streitkräften unterwegs.

Am Mittwoch hatten die Taliban die Einnahme von Spin Boldak verkündet. Daraufhin schloss die pakistanische Regierung den Übergang. Für die Taliban ist der Grenzübergang wichtig, weil er eine Verbindung zur pakistanischen Provinz Baluchistan ist, die den Aufständischen seit Jahrzehnten als Rückzugsgebiet dient. Eine Straße führt direkt nach Karachi und seinem Hafen. Dieser gilt als Drehscheibe für den milliardenschweren Opiumhandel in Afghanistan - einer wichtigen Einnahmequelle der Taliban.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow machte am Freitag den "überstürzten" Abzug der US- und Nato-Truppen aus Afghanistan für die verschlechterte Lage in dem Land verantwortlich. Unter den gegenwärtigen Umständen bestehe "ein echtes Risiko, dass die Instabilität auf die Nachbarstaaten übergreift", warnte Lawrow.

Parallel zum rasch fortschreitenden Abzug der US- und anderer Nato-Truppen aus Afghanistan haben die Taliban in den vergangenen Monaten große Teile des Landes erobert. Nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen konzentriert sich die Armee des Landes mittlerweile darauf, die größeren Städte, wichtige Straßen sowie Grenzposten gegen den Vormarsch der Islamisten abzusichern.

Die Sorge wächst, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der Nato-Streitkräfte aus Afghanistan wieder die Macht am Hindukusch übernehmen könnten.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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