Deutsche Tageszeitung - Cummings: Johnson war wegen hohen Alters der Corona-Opfer gegen zweiten Lockdown

Cummings: Johnson war wegen hohen Alters der Corona-Opfer gegen zweiten Lockdown


Cummings: Johnson war wegen hohen Alters der Corona-Opfer gegen zweiten Lockdown
Cummings: Johnson war wegen hohen Alters der Corona-Opfer gegen zweiten Lockdown / Foto: ©

Boris Johnsons ehemaliger Chefberater Dominic Cummings hat dem britischen Premierminister erneut schwere Versäumnisse in der Corona-Krise vorgeworfen. In einem Interview mit dem britischen Sender BBC berichtete Cummings, Johnson habe sich unter anderem mit dem Argument gegen einen zweiten Lockdown im vergangenen Herbst gewehrt, dass die meisten Todesopfer über 80 Jahre alt seien. Laut Cummings wollte Johnson zu Beginn der Pandemie zudem an seinen Treffen mit der Queen festhalten - trotz des Risikos für sie.

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In dem Interview, das am Dienstagabend in voller Länge ausgestrahlt werden sollte, warf Cummings seinem ehemaligen Chef vor, "seine eigenen politischen Interessen über das Leben von Menschen" zu stellen. Er beschrieb Johnsons Haltung zu der Zeit als: "Das ist schrecklich, aber die Leute, die sterben, sind im Grunde alle über 80 und wir können die Wirtschaft nicht zerstören, nur weil Leute über 80 sterben."

Laut Cummings hatte Johnson zudem die Auswirkungen der Corona-Krise auf den staatlich finanzierten Gesundheitsdienst NHS heruntergespielt. "Ich glaube dieses ganze Zeug nicht mehr, dass das Gesundheitssystem überlastet ist", zitierte er den Premier.

In dem BBC-Interview behauptete Cummings auch, dass er Johnson zu Beginn der Pandemie im März 2020 überzeugen musste, sich nicht weiterhin wie üblich jede Woche persönlich mit Queen Elizabeth II. zu treffen.

Fünf Tage vor dem ersten Lockdown wollte Johnson demnach die damals fast 94 Jahre alte Monarchin erneut besuchen, obwohl seine Regierung von jedem Kontakt mit älteren Menschen abgeraten habe, berichtete Cummings. Der Premier habe seine Meinung erst geändert, als er ihn davor gewarnt habe, dass er die Queen mit dem Coronavirus infizieren und sie dann sterben könnte.

Cummings zitierte teilweise aus WhatsApp-Nachrichten seines früheren Chefs, teilweise berief er sich auf Äußerungen, die auch andere gehört hätten. Er sagte der BBC, die britischen Abgeordneten sollten auf einer Untersuchung bestehen. "Viele, viele Leute werden unter Eid bei der öffentlichen Untersuchung - sollte diese jemals stattfinden - sagen, was ich heute gesagt habe", bekräftigte er in dem Interview.

Downing Street wies die Vorwürfe zurück. Der Premierminister habe seit Beginn der Pandemie auf der Grundlage der besten wissenschaftlichen Ratschläge die "notwendigen Maßnahmen ergriffen, um Leben und Existenzen zu schützen", erklärte das Büro des Regierungschefs in einer ersten Reaktion. Der Buckingham-Palast lehnte es laut BBC ab, sich zu Cummings’ Angaben zu äußern.

Der 49-Jährige war wegen seiner teilweise skrupellosen Methoden als Chefberater des Premiers umstritten. Ende 2020 hatte er nach einem Machtkampf in Johnsons Spitzenteam seinen Posten räumen müssen. Inzwischen hat er sich zu Johnsons Intimfeind entwickelt und wartet mit immer neuen harschen Vorwürfen gegen den Premier und weitere Regierungsmitglieder auf.

(M.Dylatov--DTZ)

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