Deutsche Tageszeitung - Haitis ermordeter Präsident Moïse bei Staatsbegräbnis beigesetzt

Haitis ermordeter Präsident Moïse bei Staatsbegräbnis beigesetzt


Haitis ermordeter Präsident Moïse bei Staatsbegräbnis beigesetzt
Haitis ermordeter Präsident Moïse bei Staatsbegräbnis beigesetzt / Foto: ©

Unter starken Sicherheitsvorkehrungen hat Haiti Abschied von seinem Präsidenten Jovenel Moïse genommen. Das Staatsbegräbnis für den vor rund zwei Wochen ermordeten 53-Jährigen fand am Freitag in der nördlichen Stadt Cap-Haïtien statt. An der Zeremonie und der anschließenden Beisetzung nahm auch Moïses Witwe teil, die bei dem Attentat auf ihren Mann verletzt und zur Behandlung in den US-Bundesstaat Florida ausgeflogen worden war.

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Zu der Zeremonie im Freien versammelten sich Regierungsmitglieder, Vertreter ausländischer Regierungen und Diplomaten. Der Sarg des Präsidenten war in die rot-weiß-blaue haitianische Flagge gehüllt, darüber lag die Präsidentenschärpe.

In ihrer Trauerrede sagte die Witwe Martine Moïse, dass ihr Mann eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft gehabt habe, bevor er in die Politik gegangen und "brutal ermordet" worden sei. "Welches Verbrechen hast du begangen, um eine solche Bestrafung zu verdienen?" fragte sie.

Die Witwe nannte die haitianische Politik "verrottet und unfair" und sagte, ihr Mann habe versucht, dies zu ändern. "Über Nacht" habe sich "das ganze System" gegen ihn gestellt. Dennoch wolle sie keine "Rache oder Gewalt".

Moïse war in der Nacht zum 7. Juli in seinem Haus in der Hauptstadt Port-au-Prince von einem Mordkommando erschossen worden. Nach Polizeiangaben gehörten "26 Kolumbianer und zwei US-Bürger haitianischer Herkunft" zu dem Kommando. Mehr als 20 Menschen wurden seither festgenommen. Laut Polizei wurde das Attentat von Haitianern mit politischen Ambitionen und Verbindungen ins Ausland geplant.

Der Mord stürzte den ohnehin von Instabilität und großer Armut geprägten Karibikstaat in eine noch tiefere Krise. Moïse hatte Haiti zuletzt per Dekret regiert, nachdem eine für 2018 geplante Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war.

Diese Woche trat der neue Regierungschef Ariel Henry sein Amt an. Bei seiner Amtseinführung am Dienstag versprach der 71-jährige frühere Neurochirurg, sich mit aller Kraft für die Wiederherstellung von Sicherheit und Ordnung einzusetzen. Diese seien Voraussetzung für freie und faire Wahlen.

Moïse hatte als eine seiner letzten Amtshandlungen Henry zum neuen Ministerpräsidenten ernannt. Nach Moïses Tod kam es zu einem Machtkampf zwischen Henry und Interims-Ministerpräsident Claude Joseph, der nach dem Attentat den Ausnahmezustand ausgerufen hatte. Joseph kehrte am Dienstag auf seinen Posten als Außenminister zurück.

Haiti hat kein arbeitsfähiges Parlament und nur eine Handvoll gewählter Senatoren. Auch einen Übergangspräsidenten gibt es noch nicht.

(V.Sørensen--DTZ)

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