Deutsche Tageszeitung - Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt weiter

Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt weiter


Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt weiter
Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigt weiter / Foto: ©

Die Corona-Neuinfektionen in Deutschland steigen weiter an und haben erneut eine Diskussion über zusätzliche Parameter abseits von Inzidenzen und Fallzahlen ausgelöst. Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstag 1919 neue Fälle und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 13,6 - nach 13,2 am Vortag. Allerdings forderten etwa die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sowie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), vor allem die Lage in den Kliniken zusätzlich zur Inzidenz mit in den Blick zu nehmen.

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Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verschärfung oder Lockerung von Corona-Auflagen. Sie gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an. Die Zahl der Neuinfektionen ist am Wochenende sowie am Montag in der Regel niedriger als im Wochendurchschnitt, weil weniger getestet wird und weniger Testergebnisse übermittelt werden.

"Wir schauen natürlich auch mit Sorge auf die steigenden Infektionszahlen", sagte Dreyer der "Rheinischen Post" vom Samstag. Dennoch sage die Inzidenz heute "viel weniger über die Gefahr einer Erkrankung und die mögliche Belastung des Gesundheitssystems aus als noch vor einem halben Jahr, weil immer mehr Menschen geimpft werden".

Die Inzidenz bleibe wichtig, müsse aber mit der Lage in den Krankenhäusern verknüpft werden, sagte Dreyer. "Die Bundesländer müssen mit der Bundesregierung zu einem neuen Warnwert kommen. Wir sollten uns rasch auf eine bundeseinheitliche Regelung verständigen." Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) habe ein "sehr kluges Ampelsystem vorgestellt", sagte Dreyer. "Genau so eine Orientierung brauchen wir bundesweit."

Auch KBV-Vorstandschef Andreas Gassen sagte, nötig seien nun zusätzliche Parameter zur reinen Fallzahl. "Es braucht einen Plan, wie genau die Länder und der Bund bei steigenden Infektionszahlen unter zusätzlicher Berücksichtigung weiterer Parameter reagieren, um überhastetes und unvorbereitetes Vorgehen nach altem holzschnittartigem Muster zu verhindern", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Samstag.

Entscheidend sei nun vor allem die Situation an den Schulen, fügte Gassen hinzu. "Es ist niemandem mehr zu vermitteln, dass wir eineinhalb Jahre nach Corona die Schulen immer noch nicht fit haben für das neue Schuljahr."

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, forderte ebenfalls, die Sommerferien dafür zu nutzen, die Infektionsschutzmaßnahmen "für den flächendeckenden Einsatz" vorzubereiten. Nötig seien auch tägliche Tests, sagte er der "Rheinischen Post". Erneute Schulschließungen müssten unbedingt vermieden werden.

"Schon jetzt ist ersichtlich, wie gravierend die Folgen der bisherigen Schulschließungen für die junge Generation sind", sagte Reinhardt. "Dazu zählen vermehrt auftretende Angststörungen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Depressionen, Suizidgedanken sowie eine verzögerte Sprachentwicklung und eine Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten."

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) rief vor diesem Hintergrund Erwachsene dazu auf, sich aus "Solidarität gegenüber Kindern und Jugendlichen" impfen zu lassen. "Je weniger das Virus unter den Erwachsenen zirkuliert, desto weniger kann es auch für die Jüngeren zu einer Gefahr werden", sagte sie den Funke-Zeitungen.

(U.Beriyev--DTZ)

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