Deutsche Tageszeitung - Nord- und Südkorea nehmen direkte Kommunikation wieder auf

Nord- und Südkorea nehmen direkte Kommunikation wieder auf


Nord- und Südkorea nehmen direkte Kommunikation wieder auf
Nord- und Südkorea nehmen direkte Kommunikation wieder auf / Foto: ©

Nach mehr als einjähriger Unterbrechung haben Nord- und Südkorea ihre offizielle Kommunikation wieder aufgenommen. Wie beide Seiten am Dienstag mitteilten, vereinbarten Südkoreas Präsident Moon Jae-in und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un die Öffnung aller innerkoreanischen Gesprächskanäle. Pjöngjang hatte im vergangenen Jahr sämtliche offizielle Kommunikationskanäle zu Südkorea gekappt und damit die Spannungen im Atomkonflikt noch verschärft.

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Wie das südkoreanische Präsidialamt mitteilte, korrespondierten Moon und Kim bereits seit April in persönlichen Briefen wieder miteinander. Ziel sei eine Verbesserung der Beziehungen, die Wiedereinrichtung der Kommunikationsverbindungen nun der erste Schritt dorthin. Beide Staatschefs hätten zudem die "Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens zwischen den beiden Koreas" vereinbart.

Bereits am Dienstag telefonierten Moon und Kim miteinander, teilte das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium mit. Das Verteidigungsministerium teilte mit, dass auch die militärischen Hotlines zwischen beiden Seiten wieder vollständig in Betrieb seien.

Die amtliche koreanische Nachrichtenagentur KCNA bestätigte die Wiederaufnahme der Kontakte. Seit Dienstag um 10.00 Uhr (Ortszeit; 03.00 Uhr MESZ) seien alle offiziellen Verbindungen zwischen Seoul und Pjöngjang wieder in Betrieb.

Pjöngjang hatte im Juni des vergangenen Jahres die vollständige Unterbrechung aller offiziellen Kommunikationskanäle mit Südkorea verkündet. Hintergrund war ein Streit um eine Aktion südkoreanischer Aktivisten, die Flugblätter mit kritischen Botschaften über die Politik Pjöngjangs über die Grenze geschickt hatten. Ebenfalls im Juni des vergangenen Jahres ließ Nordkorea ein innerkoreanisches Verbindungsbüro in der Grenzstadt Kaesong in die Luft sprengen.

Allerdings hatte es bereits zu diesem Zeitpunkt kaum noch direkte Kontakte zwischen Pjöngjang und Seoul gegeben. Seit dem Scheitern eines zweiten Gipfeltreffens zwischen Kim und dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump in Hanoi im Februar 2019 hatte Nordkorea Gespräche mit der südkoreanischen Regierung abgelehnt.

Experten deuten die unerwartete Wiederannäherung auch als Signal Pjöngjangs an die neue US-Regierung von Präsident Joe Biden. Sowohl Nordkorea als auch die US-Regierung hatten sich seit Bidens Amtsantritt mit Blick auf den gegenseitigen Umgang abwartend verhalten. Im Juni hatte Kim erklärt, Nordkorea müsse sich mit Blick auf die von Biden geführten USA sowohl auf "Dialog als auch auf Konfrontation" einstellen.

Das Weiße Haus erklärte derweil, einen "pragmatischen Ansatz" in der Nordkorea-Politik verfolgen zu wollen, um eine atomare Abrüstung des isolierten Landes zu erreichen. Der US-Sonderbeauftragte für Nordkorea, Sung Kim, sagte im Juni, Washington sei "jederzeit" und "ohne Vorbedingungen" bereit zu einem Treffen mit der Führung Pjöngjangs - ein Angebot, das Kims einflussreiche Schwester Kim Yo Jong umgehend zurückwies.

Der Nordkorea-Experte Yang Moo Jin bewertete die jüngste Annäherung zwischen Seoul und Pjöngjang als Zeichen dafür, dass Nordkoreas Machthaber die Wiederaufnahme der Kontakte mit Seoul "innen- und außenpolitisch für vorteilhaft" halte. Der südkoreanische Präsident Moon habe trotz des Stillstands in den Verhandlungen mit Nordkorea stets auf die Erholung der innerkoreanischen Beziehungen gepocht. Die Bereitschaft zur Wiederaufnahme des Kontakts zu Südkorea "sollte als erste Antwort von Kim Jong Un auf Seoul und Washington verstanden werden", sagte Yang.

(U.Beriyev--DTZ)

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