Deutsche Tageszeitung - Israel macht Iran für tödlichen Angriff auf Öl-Tanker verantwortlich

Israel macht Iran für tödlichen Angriff auf Öl-Tanker verantwortlich


Israel macht Iran für tödlichen Angriff auf Öl-Tanker verantwortlich
Israel macht Iran für tödlichen Angriff auf Öl-Tanker verantwortlich / Foto: ©

Israel hat den Iran beschuldigt, für einen tödlichen Angriff auf einen Öltanker im Indischen Ozean verantwortlich zu sein. Darauf müsse es eine scharfe internationale Reaktion geben, erklärte Außenminister Jair Lapid. Er habe israelische Diplomaten angewiesen, sich für eine UN-Reaktion auf das "terroristische" Vorgehen Teherans einzusetzen. Bei dem mutmaßlichen Drohnenangriff auf den von der Firma eines israelischen Unternehmers betriebenen Tanker waren am Donnerstag zwei Besatzungsmitglieder getötet worden.

Textgröße ändern:

"Der Iran ist nicht nur ein Problem Israels, sondern ein Exporteur von Terrorismus, Zerstörung und Instabilität, die uns allen schadet", schrieb Lapid am Freitagabend auf Twitter. "Wir dürfen angesichts des iranischen Terrorismus, der auch die Freiheit der Schifffahrt beeinträchtigt, niemals schweigen."

Bei dem Angriff auf den Tanker "MT Mercer Street", der einen japanischen Eigner hat und von der Firma Zodiac Maritime des israelischen Unternehmers Ejal Ofer betrieben wird, waren ein Rumäne und ein Brite getötet worden. Lapid erklärte, er habe auch mit Großbritanniens Außenminister Dominic Raab über die "Notwendigkeit einer ernsten Reaktion auf den Angriff auf das Schiff" gesprochen.

Nach Betreiber-Angaben befand sich der Tanker zum Zeitpunkt des Angriffs vor der Küste des Oman. Das Schiff war demnach ohne Fracht auf dem Weg vom tansanischen Daressalam nach Fudschaira in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Nach Angaben der US-Armee reagierten US-Marinesoldaten auf einen Notruf der Besatzung des Schiffs und unterstützten die Besatzung nach dem Angriff an Bord. Es gebe "klare" Hinweise auf einen Drohnenangriff auf das Schiff, erklärte das US-Militär. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf namentlich nicht genannte israelische Regierungsvertreter, dass der Anschlag mit mehreren Drohnen ausgeführt worden sei.

Ein offizielles Bekenntnis zu dem Angriff auf die "MT Mercer Street" gab es zunächst nicht. Der iranische Staatssender Al-Alam berichtete jedoch unter Berufung auf "informierte regionale Kreise", der Angriff sei eine "Antwort auf einen kürzlich erfolgten israelischen Angriff" auf einen syrischen Flughafen gewesen. Der Iran gehört zu den wichtigsten Unterstützern des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und dessen Truppen. Gegen den wachsenden Einfluss des Iran in Syrien geht Israel regelmäßig mit Luftangriffen vor.

In der Golfregion gibt es immer wieder Angriffe auf Schiffe, die Experten als Teil eines Schattenkrieges zwischen Israel und dem Iran werten. Analysten von der auf maritime Sicherheit spezialisierten Beratungsfirma Dryad Global erklärten, der Angriff auf die "MT Mercer Street" sei seit Februar die "fünfte Attacke auf ein Schiff, das in Verbindung mit Israel steht". Im selben Zeitraum habe es zwei Angriffe auf Schiffe mit Verbindungen zum Iran gegeben.

Der frühere israelische Brigadegeneral und Sicherheitsexperte Schlomo Brom sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Angriff auf die "MT Mercer Street" weise ähnliche Eigenschaften auf wie ein mutmaßlicher Drohnenangriff auf eine iranische Zentrifugenfabrik im Juni, für die Israel verantwortlich gemacht wurde.

"Die Iraner imitieren uns und wenden dieselben Techniken an", sagte Brom. An einer "größeren Eskalation" seien aber weder der Iran noch Israel interessiert.

Die Attacke auf den unter liberischer Flagge fahrenden Öl-Tanker ereignete sich vor dem Hintergrund der schwierigen Gespräche über eine Wiederbelebung des internationalen Atomabkommens mit dem Iran in Wien. Die Verhandlungen, an denen indirekt auch die USA teilnehmen, waren zuletzt ausgesetzt worden und sollen erst nach der Amtseinführung des neuen iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Spitzenduell zwischen CDU und AfD

Rund anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt treffen am Mittwochabend (20.15 Uhr) die Spitzenkandidaten der Parteien erneut aufeinander. In der Sendung "Fakt ist!" des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) stellen sich in Magdeburg zunächst Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze sowie AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in einem Duell den Fragen der Moderatoren. Anschließend wird die Runde um die Kandidaten und Kandidatinnen von Linkspartei, SPD, Grünen, FDP und BSW erweitert.

Kurdenführer Abdi verkündet Auflösung der Demokratischen Kräfte Syriens

Mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung haben die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) ihre Auflösung verkündet, um fortan Teil der regulären Armee des Landes zu sein. Der syrische Kurdenführer Maslum Abdi gab am Dienstagabend "das Ende des Einsatzes" der SDF bekannt und erklärte deren Auflösung "als unabhängige Streitmacht". Dies erfolge nach dem "Abschluss des Prozesses der Eingliederung unserer Streitkräfte in die Brigaden der syrischen Armee", sagte Abdi im Präsidentenpalast in Damaskus in einer im Fernsehen übertragenen Rede, die er zuerst auf Arabisch und dann auf Kurdisch hielt.

Israel beginnt mit Räumung von UNRWA-Ausbildungszentrum in Ost-Jerusalem

In seinem Vorgehen gegen das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA hat die israelische Regierung am Dienstag damit begonnen, ein Berufsbildungszentrum der Organisation in Ost-Jerusalem räumen zu lassen. "In Übereinstimmung mit meiner Anweisung und dem von uns verabschiedeten Gesetz hat heute die Räumung des UNRWA-Geländes in Kafr Akab in Jerusalem begonnen", erklärte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu. Das Kalandia-Ausbildungszentrum war 1952 gegründet worden und bot laut UNRWA jedes Jahr etwa 340 Palästinensern aus dem besetzten Westjordanland eine Berufsausbildung.

USA wollen tausenden Ausländern ihre Visa entziehen

Die USA wollen tausenden Ausländern ihre Visa entziehen. Das Außenministerium erklärte am Dienstag in Washington, die Regierung von Präsident Donald Trump wolle damit gegen "Betrug" vorgehen. Betroffen sind Menschen, die mit einem Touristen- oder Geschäftsvisum in die USA eingereist sind und dann vor Ort Asyl beantragt haben. Medien berichteten über bis zu 200.000 Fälle.

Textgröße ändern: