Deutsche Tageszeitung - Richter ordnet Ermittlungen gegen Bolsonaro wegen "Wahlbetrugs"-Behauptung an

Richter ordnet Ermittlungen gegen Bolsonaro wegen "Wahlbetrugs"-Behauptung an


Richter ordnet Ermittlungen gegen Bolsonaro wegen "Wahlbetrugs"-Behauptung an
Richter ordnet Ermittlungen gegen Bolsonaro wegen "Wahlbetrugs"-Behauptung an / Foto: ©

Nach wiederholten Behauptungen über angebliche Mängel beim elektronischen Wahlsystem hat in Brasilien ein Verfassungsrichter Ermittlungen gegen Staatschef Jair Bolsonaro wegen Verbreitung von Falschinformationen angeordnet. Im Raum stehe der Verdacht der üblen Nachrede und des Aufrufs zu Straftaten, erklärte Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Gerichtshof am Mittwoch. Bolsonaro nannte die Ermittlungen "juristisch unbegründet".

Textgröße ändern:

Die Untersuchungen seien gegenstandslos, sagte der rechtsradikale Staatschef in einem Radiointerview. "Wenn nicht innerhalb der Regeln der Verfassung gespielt wird, muss die Antwort auch von außerhalb der Verfassung kommen", drohte er darin. Bolsonaro kündigte an, sich "nicht einschüchtern" zu lassen. Die elektronische Wahl sei nicht ausreichend sicher, beharrte er auf seinen Behauptungen: "Wir wollen saubere Wahlen und eine öffentliche Neuauszählung der Stimmen."

Bolsonaro hatte immer wieder öffentlich Zweifel am 1996 in Brasilien eingeführten elektronischen Wahlsystem geäußert und behauptet, dieses sei betrugsanfällig. Der Staatschef beharrt darauf, die für das nächste Jahr geplante Wahl könne nur stattfinden, wenn das Wahlsystem geändert werde.

Das Oberste Wahlgericht ermittelt bereits wegen des Verdachts, dass Bolsonaro seine "wirtschaftliche und politische Macht" missbraucht, um die Legitimität der bevorstehenden Präsidentschaftswahl infrage zu stellen. Es hatte das Oberste Gericht aufgefordert, sich ebenfalls mit der Thematik zu befassen.

Bolsonaro hatte das Wahlsystem in der Vergangenheit mehrfach als Quelle für Manipulation bezeichnet, ohne Beweise vorzulegen. Das Oberste Wahlgericht sieht darin die Gefahr der Untergrabung der Wahl im kommenden Jahr. Im Raum stehen demnach auch Vorwürfe gegen Bolsonaro wegen Korruption, Betrugs, Missbrauchs der Medien und "Propaganda".

Bei seiner Kritik am elektronischen Wahlsystem fordert Bolsonaro keine Rückkehr zur Verwendung von gedruckten Stimmzetteln. Stattdessen soll nach seinem Willen bei jeder Stimmabgabe eine Bestätigung ausgedruckt werden, damit die Stimmen auch analog ausgezählt werden können.

Experten zufolge deuten Bolsonaros Angriffe auf das Wahlsystem darauf hin, dass er sich angesichts schlechter Umfragewerte auf eine Niederlage bei der Wahl im kommenden Jahr vorbereiten und auf eine mögliche Schlappe mit Betrugsvorwürfen reagieren könnte - nach dem Vorbild des abgewählten früheren US-Präsidenten Donald Trump.

(P.Tomczyk--DTZ)

Empfohlen

Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD baut Vorsprung in Umfrage weiter aus

Eineinhalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die AfD ihren Vorsprung auf die CDU in einer Umfrage auf 20 Prozentpunkte vergrößert. In der am Mittwoch in Köln veröffentlichten Erhebung des Instituts Infratest dimap für die ARD kommt die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD auf 42 Prozent - ein Prozentpunkt mehr als bei einer vorangegangen Befragung von Ende Juli. Die CDU verliert dagegen zwei Punkte und wird aktuell bei 22 Prozent gesehen.

BSW in Thüringen stellt klar: Fraktion stimmt gegen Misstrauensvotum von AfD

Die AfD im Thüringer Landtag kann bei ihrem für Freitag angesetzten konstruktiven Misstrauensvotum gegen Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) nicht auf Stimmen des BSW zählen. Das stellte die Landtagsfraktion des BSW in Erfurt am Mittwoch nochmals klar. "Die BSW-Fraktion wird am Freitag geschlossen mit Nein stimmen", erklärte sie. Der AfD gehe es nicht um die Menschen in Thüringen, sondern um "reine Selbstinszenierung".

Selenskyj besucht ukrainische Soldaten an der Front

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben Soldaten an der Front im Südosten des Landes besucht. Er sei gemeinsam mit Armeechef Mychailo Drapaty an der Front im Sektor Oleksandriwskyj, erklärte Selenskyj am Mittwoch in Onlinediensten und veröffentlichte dazu ein Video, das die beiden im Gespräch mit Soldaten und bei dem Überreichen von Auszeichnungen zeigt. Die ukrainische Armee hatte eigenen Angaben zufolge in der Region zuletzt Gelände von den russischen Truppen zurückgewinnen können.

Menschenverachtende Posts: Universitätsklinikum Rostock stellt Oberarzt frei

Wegen mutmaßlicher menschenverachtender und rassistischer Beiträge in sozialen Medien hat das Universitätsklinikum Rostock einen Oberarzt freigestellt. Das teilte eine Sprecherin der Universitätsmedizin in Stadt am Dienstag nach einem entsprechenden Vorstandsbeschluss mit. Eine auf die Bekämpfung von Hass und Rechtsextremismus im digitalen Raum spezialisierte Initiative hatte den Fall zuvor publik gemacht und Bilder der mutmaßlichen Posts des Mediziners veröffentlicht.

Textgröße ändern: