Deutsche Tageszeitung - Fahrplan für Bidens Großreformen stößt auf parteiinternen Widerstand

Fahrplan für Bidens Großreformen stößt auf parteiinternen Widerstand


Fahrplan für Bidens Großreformen stößt auf parteiinternen Widerstand
Fahrplan für Bidens Großreformen stößt auf parteiinternen Widerstand / Foto: ©

Die billionenschweren Pläne von US-Präsident Joe Biden für die Modernisierung von Sozialsystem und Infrastruktur seines Landes werden durch Streitigkeiten in seiner eigenen Partei gefährdet. Neun Abgeordnete der Demokraten protestierten am Freitag in einem Brief an die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, gegen den vorgesehenen Fahrplan für die Verabschiedung dieser Gesetzespakete.

Textgröße ändern:

Diese zum moderaten Parteiflügel gehörenden Parlamentarier fordern, dass in Umkehrung der bislang von ihrer Parteikollegin Pelosi vorgesehenen Reihenfolge ihre Kongresskammer zuerst über das Infrastrukturprogramm und erst dann über den allgemeinen Haushaltsplan abstimmt. Die Sozialreformen sollen in das Haushaltsgesetz eingebaut werden.

Die neun Demokraten drohten, dem Haushalt ihre Zustimmung zu verweigern, sollte zuvor nicht das Infrastruktur-Gesetz verabschiedet sein. Wegen der knappen Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus würde das Haushaltsgesetz ohne die Zustimmung dieser Abgeordneten scheitern.

Biden wollte ursprünglich die beiden großen Reformprojekte in direktem Zusammenhang vom Kongress verabschieden lassen. Doch bereits seit Monaten gibt es Streit zwischen dem linken und moderaten Parteiflügel um Inhalt und Fahrplan der Vorhaben. Pelosi kam den Linken entgegen, indem sie den Haushalt in der Reihenfolge der Abstimmungen nach vorn stellte.

Die Linken in der Demokratischen Partei befürchten, dass die Zustimmung des Abgeordnetenhauses zu den Sozialreformen durch mangelnde Unterstützung aus dem moderaten Flügel gefährdet sein könnte, wenn zuvor bereits das Infrastrukturprogramm beschlossen worden ist. Bei den Moderaten gibt es Vorbehalte gegen das gigantische Volumen des Haushalts, der Gesamtausgaben von 3,5 Billionen Dollar (knapp drei Billionen Euro) vorsieht.

Die neun Parlamentarier verlangen deshalb, dem Infrastrukturprogramm wegen dessen Bedeutung für das Wirtschaftswachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze die Priorität zu geben.

Sie heben hervor, dass bei der bisher vorgesehenen Abstimmungs-Reihenfolge wegen drohenden zähen Streits um den Haushalt auch die Verabschiedung des Infrastrukturplans lange verzögert werden könnte. "Da der Lebensunterhalt hart arbeitender amerikanischer Familien auf dem Spiel steht, können wir uns monatelange unnötige Verzögerungen einfach nicht leisten", schrieben sie.

Das Infrastrukturpaket im Volumen von 1,2 Billionen Dollar war am Dienstag vom Senat - der anderen Kongresskammer - verabschiedet worden. Das Gesetz sieht gewaltige Investitionen in die Modernisierung von Straßen, Brücken und Wasserwegen vor. Außerdem soll jeder US-Bürger Zugang zum Internet bekommen. Ferner enthält das Gesetz Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels. Diese gehen dem linken Flügel der Demokraten allerdings nicht weit genug.

Der Senat billigte zudem am Mittwoch mit nur sehr knapper Mehrheit eine Resolution zum Haushalt, mit dem der Rahmen für das Budget abgesteckt wird. Die demnach vorgesehenen Sozialreformen bestehen unter anderem in Elternzeiten, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Ausweitung des Kita-Angebots, Wegfall der Studiengebühren an bestimmten öffentlichen Hochschulen und einer Ausweitung der staatlichen Krankenversicherung Medicare.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

UN-Bericht: Mehr als die Hälfte der Böden weltweit befindet sich in schlechtem Zustand

Mehr als die Hälfte der Böden weltweit befindet sich nach UN-Angaben in einem schlechten Zustand. In rund einem Drittel der Fälle ist die Bodenqualität mäßig, nur in 14 Prozent ist sie gut oder sehr gut, wie es in einem Donnerstag veröffentlichten Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) heißt. Damit seien die weltweite Nahrungsmittelversorgung und die Artenvielfalt gefährdet.

Warken schließt Kanzlertausch nach Ost-Wahlen aus

Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) hat einen Kanzlertausch nach den Landtagswahlen in Ostdeutschland ausgeschlossen. "Friedrich Merz wird danach Kanzler bleiben", sagte Warken am Donnerstag den Sendern RTL und ntv. Die Bundesregierung werde damit fortfahren, die gemeinsam vereinbarten Reformprojekte jetzt umsetzen. Hier gehe es um die "großen Projekte Rente, Pflege, Bürokratieabbau".

Kolumbiens Präsident will zwei Ex-Guerrillaanführer an die USA ausliefern

Der rechtsgerichtete kolumbianische Präsident Abelardo de la Espriella hat die Auslieferung zweier ehemaliger Guerrillaanführer an die USA angekündigt. Zudem würden drei weitere Menschen an die Vereinigten Staaten überstellt, sagte De la Espriella, ein Verbündeter von US-Präsident Donald Trump, am Mittwoch (Ortszeit).

SPD-Fraktionschef Miersch vor Wahl in Sachsen-Anhalt: "Da ist noch Spiel"

Anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht der Chef der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, noch "unheimlich viel Bewegung". Im ARD-"Morgenmagazin" sagte er am Donnerstag mit Blick auf jüngste Umfragen: "Da ist noch Spiel". Er fügte hinzu: "Ich gehe davon aus, dass es ein gutes Ergebnis für die demokratischen Parteien gibt". Die Politik auf Bundesebene sei dazu aufgerufen, "an den großen Themen unabhängig davon weiterzuarbeiten".

Textgröße ändern: