Deutsche Tageszeitung - Bolsonaro fordert Amtsenthebung von Verfassungsrichter

Bolsonaro fordert Amtsenthebung von Verfassungsrichter


Bolsonaro fordert Amtsenthebung von Verfassungsrichter
Bolsonaro fordert Amtsenthebung von Verfassungsrichter / Foto: ©

Brasiliens rechtsradikaler Staatschef Jair Bolsonaro will offenbar einen unliebsamen Verfassungsrichter loswerden: Am Freitag forderte der Präsident den Senat dazu auf, ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Richter Alexandre de Moraes einzuleiten. Dieser hatte zuvor Ermittlungen gegen Bolsonaro wegen der Verbreitung von Falschinformationen angeordnet. Hintergrund sind wiederholte Behauptungen Bolsonaros über angebliche Mängel beim elektronischen Wahlsystem in Brasilien.

Textgröße ändern:

Senatspräsident Rodrigo Pacheco bestätigte, dass bei ihm ein Amtsenthebungsantrag gegen de Moraes eingegangen sei. Der Antrag werde "geprüft", sagte Pacheco, der zugleich hinzufügte, dass ein solcher Mechanismus "nicht verharmlost oder missbraucht werden" dürfe.

Bolsonaro wirft de Moraes Parteilichkeit vor. Der Verfassungsrichter sei "gleichzeitig Ermittler, Ankläger und Richter" sowie ein "Zensor der Meinungsfreiheit", heißt es in der Beschwerde des Präsidenten an den Senat.

De Moraes hatte Anfang August ein Ermittlungsverfahren gegen Bolsonaro wegen dessen steten Angriffen auf das brasilianische Wahlsystem angeordnet. Bolsonaro hatte immer wieder öffentlich und ohne Anführung von Belegen Zweifel am 1996 in Brasilien eingeführten elektronischen Wahlsystem geäußert und behauptet, dieses sei betrugsanfällig. Der Staatschef beharrt darauf, die für das nächste Jahr geplante Wahl könne nur stattfinden, wenn das Wahlsystem geändert werde.

Das Oberste Wahlgericht ermittelt bereits wegen des Verdachts, dass Bolsonaro seine "wirtschaftliche und politische Macht" missbraucht, um die Legitimität der bevorstehenden Präsidentschaftswahl infrage zu stellen. Es hatte das Oberste Gericht aufgefordert, sich ebenfalls mit der Thematik zu befassen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Von Trump unterstützte Darline Graham gewinnt Stichwahl um Senatssitz ihres verstorbenen Bruders

Die von US-Präsident Donald Trump unterstützte Darline Graham hat die Stichwahl der Republikaner im Bundesstaat South Carolina um den Senatssitz ihres verstorbenen Bruders Lindsey Graham gewonnen. Die 62-Jährige, die bislang politisch weitgehend unbekannt ist, setzte sich am Dienstag gegen den konservativen Abgeordneten Ralph Norman durch, wie mehrere US-Sender prognostizierten. Sie wird sich damit bei den Zwischenwahlen im November um einen Senatssitz in Washington bemühen.

Vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Spitzenduell zwischen CDU und AfD

Rund anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt treffen am Mittwochabend (20.15 Uhr) die Spitzenkandidaten der Parteien erneut aufeinander. In der Sendung "Fakt ist!" des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) stellen sich in Magdeburg zunächst Ministerpräsident und CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze sowie AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in einem Duell den Fragen der Moderatoren. Anschließend wird die Runde um die Kandidaten und Kandidatinnen von Linkspartei, SPD, Grünen, FDP und BSW erweitert.

Kurdenführer Abdi verkündet Auflösung der Demokratischen Kräfte Syriens

Mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Gründung haben die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) ihre Auflösung verkündet, um fortan Teil der regulären Armee des Landes zu sein. Der syrische Kurdenführer Maslum Abdi gab am Dienstagabend "das Ende des Einsatzes" der SDF bekannt und erklärte deren Auflösung "als unabhängige Streitmacht". Dies erfolge nach dem "Abschluss des Prozesses der Eingliederung unserer Streitkräfte in die Brigaden der syrischen Armee", sagte Abdi im Präsidentenpalast in Damaskus in einer im Fernsehen übertragenen Rede, die er zuerst auf Arabisch und dann auf Kurdisch hielt.

Israel beginnt mit Räumung von UNRWA-Ausbildungszentrum in Ost-Jerusalem

In seinem Vorgehen gegen das UN-Palästinenserhilfswerk UNRWA hat die israelische Regierung am Dienstag damit begonnen, ein Berufsbildungszentrum der Organisation in Ost-Jerusalem räumen zu lassen. "In Übereinstimmung mit meiner Anweisung und dem von uns verabschiedeten Gesetz hat heute die Räumung des UNRWA-Geländes in Kafr Akab in Jerusalem begonnen", erklärte das Büro von Regierungschef Benjamin Netanjahu. Das Kalandia-Ausbildungszentrum war 1952 gegründet worden und bot laut UNRWA jedes Jahr etwa 340 Palästinensern aus dem besetzten Westjordanland eine Berufsausbildung.

Textgröße ändern: