Deutsche Tageszeitung - Katalanischer Ex-Regierungschef Puigdemont stellt sich der Justiz auf Sardinien

Katalanischer Ex-Regierungschef Puigdemont stellt sich der Justiz auf Sardinien


Katalanischer Ex-Regierungschef Puigdemont stellt sich der Justiz auf Sardinien
Katalanischer Ex-Regierungschef Puigdemont stellt sich der Justiz auf Sardinien / Foto: ©

Der frühere katalanische Regierungschef Carles Puigdemont ist am Montag auf Sardinien eingetroffen, um sich einer Entscheidung der italienischen Justiz im Zusammenhang mit einem Auslieferungsbegehren Spaniens gegen ihn zu stellen. Puigdemont gab bei der Ankunft am Gericht in Sassari keine Erklärung ab, mehrere dutzend Anhänger der katalanischen Unabhängigkeit forderten in Sprechchören "Freiheit! Freiheit!"

Textgröße ändern:

Das Gericht in Sassari soll entscheiden, ob Puigdemont frei bleibt oder inhaftiert wird. Dabei geht es darum, ob ein von Spanien erwirkter, europäischer Haftbefehl gegen ihn wegen seiner Rolle in der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung zulässig ist. Sollten die Richter zu seinen Ungunsten entscheiden, könnte Puigdemont in Berufung gehen. "Im Moment wird das Thema Auslieferung nicht behandelt", sagte Puigdemonts italienischer Anwalt Agostinangelo Marras.

Puigdemont, der auch EU-Abgeordneter ist, hatte am Freitag einen Eilantrag beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestellt, ihm die parlamentarische Immunität zurückzugeben. Diese war vom Europäischen Parlament im März aufgehoben worden. Dagegen hatte Puigdemont aber Berufung eingelegt, eine abschließende Entscheidung steht noch aus. Nach der Interpretation seiner Anwälte ist die Entscheidung des Parlaments daher "ausgesetzt".

Puigdemont war der führende Kopf beim umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum Kataloniens im Jahr 2017. Nach seiner Absetzung durch die Zentralregierung in Madrid ging er im Oktober 2017 nach Belgien ins Exil, um der Strafverfolgung in Spanien zu entgehen. Die spanische Justiz will ihm immer noch den Prozess wegen "Aufruhrs" und "Veruntreuung öffentlicher Gelder" machen.

Der 58-Jährige war auf Sardinien auf Grundlage des europäischen Haftbefehls von 2019 zunächst festgenommen worden, tags darauf aber wieder freigelassen worden. Am Montag vergangener Woche kehrte er vorübergehend nach Brüssel zurück, um an einer Ausschusssitzung im EU-Parlament teilzunehmen. Er hatte aber zugesagt, nach Sardinien zurückzukehren und sich der italienischen Justiz zu stellen.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Je drei Tote in Russland und der Ukraine - massive Drohnenangriffe auf Moskau

In Russland und der Ukraine sind bei gegenseitigen Angriffen in der Nacht je drei Menschen getötet worden. Insgesamt wurden dutzende Menschen verletzt, wie am Sonntag aus Angaben der Behörden mehrerer ukrainischer Städte sowie des Gouverneurs der Region Moskau hervorging. Die ukrainische Armee griff Russlands Hauptstadt mit hunderten Drohnen an, mehr als 600 wurden nach Angaben der russischen Luftabwehr abgefangen.

Neue Kanzleramtsministerin Warken will Geheimdienst-Reform schnell voranbringen

Die neue Kanzleramtsministerin Nina Warken (CDU) will die geplante und vom Kabinett beschlossene Reform des Bundesnachrichtendienstes (BND) schnell voranbringen. "Bis Ende des Jahres soll das Gesetzgebungsverfahren abgeschlossen sein", sagte die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag". "Die Dienste werden anschließend zur Sicherheit von uns allen schnell von ihren neuen Befugnissen Gebrauch machen."

Einschüchterungen und Auszählungspause: Wahlbeobachter in Sambia beklagen Unregelmäßigkeiten

Internationale Wahlbeobachter haben Unregelmäßigkeiten bei der Präsidentschaftswahl in Sambia beklagt. Die stundenlange Unterbrechung der Stimmauszählung habe "Unsicherheit und Besorgnis" ausgelöst, erklärte die Beobachtermission der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) am Samstag. Zudem lägen Berichte "über Einschüchterungen, Übergriffe, Entführungen und Sachbeschädigungen in fünf Provinzen" vor. Zeugenaussagen zufolge habe es Todesopfer gegeben. Die Mission habe die Berichte allerdings nicht verifiziert können. Die Polizei teilte mit, sie habe nach der Tötung eines Wahlhelfers neun Verdächtige festgenommen.

Islamistische Taliban feiern fünften Jahrestag ihrer Machtübernahme in Afghanistan

Mit Paraden und Blumen haben die radikalislamischen Taliban den fünften Jahrestag ihrer erneuten Machtübernahme in Afghanistan gefeiert - während Kritiker den zunehmenden Verlust von Freiheiten und Rechten unter der Taliban-Herrschaft beklagen. Hunderte männliche Anhänger versammelten sich am Samstag auf einem Platz neben der ehemaligen US-Botschaft in Kabul und schwenkten die weißen Flaggen der Taliban-Regierung. Militärhubschrauber warfen Blumen über einer Parade männlicher Athleten ab - Frauen dürfen in Afghanistan unter den Taliban keinen Sport treiben.

Textgröße ändern: