Deutsche Tageszeitung - Bundesverfassungsgericht beginnt mit Verhandlung über Parteienfinanzierung

Bundesverfassungsgericht beginnt mit Verhandlung über Parteienfinanzierung


Bundesverfassungsgericht beginnt mit Verhandlung über Parteienfinanzierung
Bundesverfassungsgericht beginnt mit Verhandlung über Parteienfinanzierung / Foto: ©

Das Bundesverfassungsgericht hat am Dienstag in der Messe Karlsruhe mit einer zweitägigen Verhandlung über die Finanzierung der politischen Parteien begonnen. Verhandelt werden zwei Anträge: ein gemeinsamer von den Bundestagsfraktionen von FDP, Linkspartei und Grünen und einer der AfD-Fraktion. Sie wollen die Aufstockung der staatlichen Parteienfinanzierung und das Zustandekommen des Gesetzes prüfen lassen. (Az. 2 BvE 5/18 und 2 BvF 2/18)

Textgröße ändern:

2018 hatte der Bundestag mit den Stimmen von Union und SPD beschlossen, die Obergrenze für die staatlichen Zuschüsse für alle Parteien von 165 auf 190 Millionen Euro anzuheben. Diese bilden einen wichtiger Teil der Parteienfinanzierung: Die Parteien bekommen Steuergelder, deren Höhe sich nach ihren Stimmenanteilen bei Wahlen, den Mitgliedsbeiträgen und Mandatserträgen sowie Spenden richtet. Die Zuschüsse machen etwa ein Drittel ihrer Einnahmen aus.

Dabei gibt es zwei Grenzen: eine relative Obergrenze, die vorsieht, dass die Parteien nicht mehr vom Staat bekommen dürfen, als sie selbst erwirtschaften. Und eine absolute Obergrenze, um die es in den Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht geht. Sie wird an die Preisentwicklung angepasst, soll aber ansonsten nur erhöht werden, wenn sich die Verhältnisse "einschneidend geändert" haben. Die beiden Grenzen hatte das Gericht bereits 1992 gezogen.

Die große Koalition hatte den Mehrbedarf 2018 vor allem mit den gestiegenen Anforderungen durch die Digitalisierung begründet. FDP, Linke und Grüne kritisieren, dass dies als Begründung nicht ausreiche. Zudem sehen sie in der Anhebung der Obergrenze einen Verstoß gegen den Grundsatz der Staatsfreiheit von Parteien und weisen darauf hin, dass die Interessen von Abgeordneten und Parteien eng verflochten sei.

Die AfD-Fraktion wiederum argumentiert, dass sie durch den Ablauf des Gesetzgebungsverfahrens, das "unüblich verkürzt" gewesen sei, in ihren Rechten verletzt worden sei. Sie habe sich nicht ausreichend vorbereiten können. Einige AfD-Abgeordnete wollten sich nachträglich dem Antrag der anderen Fraktionen anschließen, was das Gericht aber im vergangenen Jahr verbot.

Wegen der Pandemie war die Verhandlung zweimal verschoben und außerdem in eine Halle der Messe Karlsruhe verlegt worden. In dieser "Außenstelle des Bundesverfassungsgerichts", wie Vizepräsidentin Doris König zur Begrüßung sagte, ist mehr Platz als im eigentlichen Gerichtsgebäude. Die Verhandlung ist für Dienstag und Mittwoch angesetzt.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Lizenz zum Zurückschlagen: Kabinett beschließt umstrittene Geheimdienst-Reform

Nicht mehr nur beobachten, sondern notfalls gegen Angreifer zurückschlagen: Vor dem Hintergrund der verschärften Bedrohungslage hat das Bundeskabinett eine umfassende Reform der deutschen Nachrichtendienste beschlossen. Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einer "neuen Zeitrechnung" für Bundesnachrichtendienst (BND) und Verfassungsschutz, die nun wie Geheimdienste anderer Länder erstmals "operative Befugnisse" erhielten. Teile der Opposition warnten vor einer "Geheimpolizei" und zweifelten an der Verfassungsmäßigkeit der Pläne.

AfD-Landrat verliert Rechtsstreit um Äußerung von Gesundheitsminister Linnemann

Der Sonneberger Landrat Robert Sesselmann (AfD) hat einen Rechtsstreit mit Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) verloren. Das Thüringer Oberverwaltungsgericht in Weimar entschied nach Angaben vom Mittwoch, dass Sesselmann eine bestimmte Behauptung nicht wiederholen darf. Der Streit entzündete sich an einer Pressekonferenz vom Oktober.

Greenpeace wirft Ölkonzernen immer höhere "Übergewinne" vor - Branche widerspricht

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace wirft den Mineralölunternehmen vor, fünf Monate nach Beginn des Iran-Kriegs immer höhere "Übergewinne" einzufahren. Allein im Juli seien "die zusätzlichen Profite auf die neue Höchstmarke von 976 Millionen Euro" geklettert, erklärte Greenpeace am Mittwoch. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) kritisierte hingegen, dass die Berechnungen auf "stark vereinfachenden Annahmen" beruhten - diese führten zu Ergebnissen, "die der Realität nicht entsprechen".

Früherer chinesischer Premier Zhu im Alter von 97 Jahren gestorben

Der für seine wegweisenden Marktreformen bekannt gewordene frühere chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji ist tot. Zhu starb am Mittwochvormittag in Peking im Alter von 97 Jahren infolge einer Krankheit, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf einen Nachruf der höchsten politischen Gremien des Landes meldete. Zhu hatte China von 1998 bis 2003 regiert, das Land weiter für den Weltmarkt geöffnet und einen Wirschaftsaufschwung befördert.

Textgröße ändern: