Deutsche Tageszeitung - Parlamentsbericht wirft Johnson große Fehler in der Corona-Pandemie vor

Parlamentsbericht wirft Johnson große Fehler in der Corona-Pandemie vor


Parlamentsbericht wirft Johnson große Fehler in der Corona-Pandemie vor
Parlamentsbericht wirft Johnson große Fehler in der Corona-Pandemie vor / Foto: ©

Ein Parlamentsbericht hat dem britischen Premierminister Boris Johnson ein schlechtes Zeugnis für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie ausgestellt. Das Hinauszögern eines Lockdowns zu Beginn der Pandemie vergangenes Jahr war demnach "eines der größten Versäumnisse im Bereich der öffentlichen Gesundheit" in der Geschichte des Landes, hieß es in dem am Dienstag veröffentlichten Untersuchungsbericht. Der "falsche" Ansatz der Regierung habe Menschenleben gekostet. Ein Regierungsvertreter wies die Vorwürfe zurück.

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Die Abgeordneten kritisierten nicht nur, dass die Regierung zu spät Ausgangssperren für die eigene Bevölkerung erlassen habe - sie wiesen auch darauf hin, dass Großbritannien seine Grenzkontrollen erst sehr spät verschärft habe. Demnach hatte die Regierung das Coronavirus anfangs unterschätzt und mit falschen Modellen gearbeitet. Der Regierungskurs "hätte von allen stärker in Frage gestellt werden müssen", heißt es in dem Bericht.

Die an der Untersuchung beteiligten Abgeordneten hatten für ihren 151-seitigen Bericht zahlreiche Zeugen vernommen. Darunter war auch Johnsons umstrittenen Ex-Berater Dominic Cummings, der wegen der Missachtung von Quarantäne-Regeln nach seiner Covid-Erkrankung selbst in der Kritik gestanden hatte. Eine unabhängige öffentliche Untersuchung der Corona-Politik der Regierung soll erst nächstes Jahr folgen.

Cummings sagte dem Sender Sky News zu dem Bericht, er habe nach der ersten Corona-Welle in Großbritannien an einem Plan gearbeitet, wie die Regierung auf eine erneute Welle reagieren könne. "Leider hat der Premierminister, lächerlich wie er ist, diese Arbeit nicht vorangetrieben", kritisierte er.

Der für das britische Kabinettsamt zuständige Minister Steve Barclay weigerte sich indessen, sich im Namen der Regierung zu entschuldigen. Die Regierung habe "die wissenschaftlichen Ratschläge befolgt" und "Entscheidungen getroffen, um schnell zu handeln", sagte Barclay im Interview mit Sky News.

Beim Verhängen von Corona-Maßnahmen wie einem Lockdown habe die Befürchtung bestanden, dass sich die Bevölkerung dagegen auflehne werde. Barclay fügte jedoch hinzu, dass die Regierung bereit sei, "Lehren zu ziehen, wenn es welche gibt".

Die Sprecherin der Hinterbliebenen-Gruppe Covid-19 Bereaved Families for Justice, Hannah Brady, kritisierte indessen, dass Angehörige bei den Untersuchungen übergangen worden seien. "Dies ist ein Versuch, die Hinterbliebenen zu ignorieren", sagte sie. Für Familien, deren Angehörige an einer Corona-Infektion verstorben sind, sei das ein "Schlag ins Gesicht".

Großbritannien ist mit fast 138.000 Corona-Todesfällen eines der am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Länder Europas. Während zahlreiche europäische Regierungen Anfang 2020 bereits ihre Grenzen abgeriegelt und Lockdowns erlassen hatten, konnte sich Johnson erst Ende März dazu durchringen. Kurz darauf landete Johnson selbst mit einer Corona-Infektion auf der Intensivstation, zahlreiche seiner Kabinettskollegen und Berater infizierten sich. Unter seinen Beratern hatten damals lange Pläne zur kontrollierten "Durchseuchung" der Bevölkerung zirkuliert.

(V.Sørensen--DTZ)

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