Deutsche Tageszeitung - Kommunen erwarten für 2021 Defizit von sieben Milliarden Euro

Kommunen erwarten für 2021 Defizit von sieben Milliarden Euro


Kommunen erwarten für 2021 Defizit von sieben Milliarden Euro
Kommunen erwarten für 2021 Defizit von sieben Milliarden Euro / Foto: ©

Die Städte, Landkreise und Gemeinden warnen vor einer kommunalen Haushaltskrise: Sie rechnen mit sinkenden kommunalen Investitionen und steigenden Defiziten. Die kommunalen Spitzenverbände erwarten bereits in diesem Jahr ein Defizit von sieben Milliarden Euro, wie aus den am Freitag veröffentlichten Prognosedaten zur kommunalen Finanzlage hervorgeht. Die jährlichen Investitionen gehen demnach voraussichtlich bis zum Jahr 2024 um mehr als fünf Milliarden Euro zurück.

Textgröße ändern:

Der Corona-bedingte Steuereinbruch des vergangenen Jahres habe das Niveau der kommunalen Steuereinnahmen um rund neun Milliarden Euro reduziert; das wirke in den Folgejahren in gleicher Größenordnung fort, hieß es.

Zwar hätten die Bundesländer Maßnahmen ergriffen, um den jeweiligen kommunalen Finanzausgleich zu stabilisieren. Um die Steuereinnahmen der Städte und Gemeinden und die Grundlagen für die Kreisumlage zu stützen, wäre aber eine weitere Stärkung der Einnahmen durch Bund und Länder geboten, erklärten die Präsidenten der kommunalen Spitzenverbände, Burkhard Jung (Deutscher Städtetag), Reinhard Sager (Deutscher Landkreistag) und Ralph Spiegler (Deutscher Städte- und Gemeindebund).

"Wir sind dankbar, dass Bund und Länder im vergangenen Jahr große Anstrengungen unternommen haben, den Kommunen zum Höhepunkt der Corona-Pandemie zu helfen", betonten die Präsidenten. Die wirtschaftlichen Folgen dauerten in den Kommunalhaushalten allerdings an. "Daher benötigen wir auch in diesem und den kommenden Jahren Stabilisierungshilfen."

Mit Blick auf die anstehenden Koalitionsverhandlungen äußerten sie die Erwartung, dass die Sicherung der kommunalen Handlungsfähigkeit auch in den Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle spielen werde. "Sonst sind kommunale Defizite und einbrechende kommunale Investitionen unvermeidbar", mahnten Jung, Sager und Spiegler.

Den Prognosedaten zufolge sind die kommunalen Haushalte angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in diesem Jahr und in folgenden Jahren vor allem durch den Steuereinbruch von massiven Einnahmeverlusten betroffen, während die Ausgaben weiterhin steigen. "Nach einem leichten Überschuss im Jahr 2020 folgen somit tiefrote Zahlen." Auch für die Folgejahre seien weiterhin kommunale Finanzierungsdefizite von sechs bis sieben Milliarden Euro zu befürchten.

Unvermeidbare Steigerungen bei den Sozialausgaben und Personalausgaben der Kommunen müssten weitgehend durch Rückgänge bei den Investitionen kompensiert werden. "Nach derzeitigem Stand verursacht die zu erwartende Finanzierungslücke einen Rückgang der jährlichen Investitionen von 34,8 Milliarden Euro im Jahr 2020 auf nur noch 29,3 Milliarden Euro im Jahr 2024", teilten die Präsidenten der kommunalen Spitzenverbände weiter mit. "Wenn die Kassen leer sind, können auch keine Investitionen geplant werden."

Zusätzliche Belastungen wie beispielsweise der beschlossene Ausbau der Ganztagsbetreuung in Grundschulen seien ohnehin nach derzeitiger Lage finanziell nicht zu stemmen. Für die Kommunen bedeute dieser von Bund und Ländern beschlossene Rechtsanspruch "eine dauerhafte Mehrbelastung". Hier stünden die Länder in der Pflicht, diese Mehrbelastungen zu übernehmen.

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Demokraten gewinnen in Texas Senatssitz und Gouverneursamt

Die blaue Welle, die in der vergangenen Wahlnacht bei den Midterms durch die Vereinigten Staaten zog, hat ebenfalls in Texas nicht haltgemacht. Mit James Talarico haben die Demokraten zum ersten Mal seit 1988 wieder eine Senatswahl in dem christlich-konservativen Bundesstaat gewonnen.

Mattella zur Nationalen Einheit: Appell an gemeinsame europäische Verteidigung

Im Rahmen des Tages der Nationalen Einheit und der Streitkräfte hat der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella in einem Grußwort an das Verteidigungsministerium die Bedeutung historischer Einheit und demokratischer Freiheit betont. Zugleich warnte er vor neuen Sicherheitsrisiken und forderte eine stärkere europäische Verteidigungskompetenz.

Demokraten erobern bei US-Zwischenwahlen beide Kongresskammern

Die US-Amerikaner*innen haben Präsident Donald Trump und der von ihm dominierten Republikanischen Partei in den Zwischenwahlen eine derartige Klatsche verpasst, dass selbst die sonst so wortgewaltigen US-TV-Kommentatoren kaum Worte dafür fanden. Die Demokraten haben den Republikanern weitaus mehr Sitze im Repräsentantenhaus und im Senat abgenommen, als nötig gewesen wäre, um die Kontrolle über beide Kongresskammern zu übernehmen.

Abdul El-Sayed gewinnt Senatssitz in Michigan und schreibt Geschichte

Der Demokrat Abdul El-Sayed hat die Senatswahl in Michigan gegen den Republikaner Mike Rogers gewonnen. Der Epidemiologe wird damit der erste Muslim im US-Senat.

Textgröße ändern: