Deutsche Tageszeitung - Trauerfeiern für Opfer der schweren Ausschreitungen in Beirut

Trauerfeiern für Opfer der schweren Ausschreitungen in Beirut


Trauerfeiern für Opfer der schweren Ausschreitungen in Beirut
Trauerfeiern für Opfer der schweren Ausschreitungen in Beirut / Foto: ©

Am Tag nach den schweren Gewaltausbrüchen in Beirut haben die schiitischen Gruppierungen Hisbollah und Amal Trauerfeiern für die Todesopfer abgehalten. Hunderte Menschen besuchten am Freitag die Beerdigung von zwei getötete Hisbollah-Mitglieder sowie einer Frau in einem Vorort der libanesischen Hauptstadt teil. Bei den von Amal organisierten Beerdigungen wurden Luftschüsse abgefeuert. Die Bundesregierung rief angesichts der Lage zur Deeskalation auf.

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Bei den schweren Ausschreitungen in der libanesischen Hauptstadt waren am Donnerstag sieben Menschen getötet und dutzende weitere verletzt worden. Auslöser waren Spannungen rund um die Ermittlungen zur Explosionskatastrophe vom August 2020 im Hafen der Stadt.

Unbekannte Scharfschützen feuerten auf die Teilnehmer einer von der Hisbollah und der Amal-Bewegung organisierten Demonstration gegen den mit den Ermittlungen beauftragten Richter. Kämpfer der Bewegungen schossen anschließend mit AK-47-Sturmgewehren und Panzerfäusten zurück.

Die Gewaltausbrüche weckten im Libanon düstere Erinnerungen an den Bürgerkrieg der Jahre 1975 bis 1990. Aus Furcht vor einer weiteren Eskalation war die Armee am Freitag mit einem Großaufgebot in der Hauptstadt im Einsatz.

Die vom Iran unterstützten Gruppen Amal und Hisbollah machten die Libanesischen Kräfte (LF), eine christliche Gruppierung, für die Gewalt verantwortlich. "Dieses Massaker wurde von der LF-Bewegung begangen", sagte der ranghohe Hisbollah-Vertreter Haschem Safieddine am Freitag. Ziel der Bewegung sei ein "Bürgerkrieg". Die Hisbollah wolle nicht "in einen Religionskonflikt hineingezogen" werden, fügte er hinzu. "Aber zugleich können wir es nicht erlauben, dass das Blut unserer Märtyrer verschwendet wird."

Die LF wies jegliche Beteiligung an der Gewalt vom Donnerstag zurück und warf ihrerseits der Hisbollah vor, während der Ausschreitungen in fremde Viertel "eingedrungen" zu sein.

Die Bundesregierung zeigte sich angesichts der Lage im Libanon "sehr besorgt". "Wir rufen alle Beteiligten dringend zur Zurückhaltung und zur Deeskalation auf, auch um die Zivilbevölkerung zu schützen", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Freitag in Berlin. In einer aktualisierten Teilreisewarnung für den Libanon hatte das Auswärtige Amt Deutsche in Beirut zuvor aufgefordert, Demonstrationen zu größere Menschenansammlungen zu meiden.

Die Hisbollah will genau wie die Amal-Bewegung die Entlassung des Richters Tarek Bitar erreichen, der mit der Untersuchung der verheerenden Explosion vom vergangenen Jahr betraut ist. Der Konflikt hat zu einer tiefen Spaltung der Regierung zwischen Befürwortern und Gegnern des Richters geführt.

Am 4. August 2020 waren im Hafen von Beirut hunderte Tonnen falsch gelagertes Ammoniumnitrat detoniert. Die Explosion machte ganze Stadtteile der libanesischen Hauptstadt dem Erdboden gleich, mehr als 200 Menschen wurden getötet.

Die Ermittlungen zu der Explosionskatastrophe finden vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise im Libanon statt, die laut Experten eine der schlimmsten Wirtschaftskrisen weltweit seit 1850 ist. Das Land kämpft unter anderem mit Benzin- und Medikamenten-Engpässen. Das libanesische Pfund hat im Vergleich zum Dollar seit Herbst 2019 mehr als 90 Prozent an Wert verloren.

(A.Nikiforov--DTZ)

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