Deutsche Tageszeitung - Großbritannien nach Mord an Abgeordneten unter Schock

Großbritannien nach Mord an Abgeordneten unter Schock


Großbritannien nach Mord an Abgeordneten unter Schock
Großbritannien nach Mord an Abgeordneten unter Schock / Foto: ©

Großbritannien steht nach dem tödlichen Angriff auf den Abgeordneten David Amess unter Schock. Premierminister Boris Johnson und andere führende Politiker legten am Samstag Kränze am Tatort in der Kleinstadt Leigh-on-Sea östlich von London nieder. Die britische Polizei ging von einem islamistischen Hintergrund der Tat aus. Die Bluttat löste auch eine Debatte um die Sicherheitsvorkehrungen für Politiker bei öffentlichen Veranstaltungen aus.

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Neben Premier Johnson nahmen an der Trauerzeremonie unter anderen Oppositionsführer Keir Starmer von der Labour-Partei, Innenministerin Priti Patel und der Parlamentsvorsitzende Lindsay Hoyle teil. Auch andere Menschen legten Kränze und Blumen vor dem Tatort, einer Methodisten-Kirche, ab. Auf einem Blumenstrauß war zu lesen: "RIP Sir David. Das haben Sie nicht verdient".

"Erste Ermittlungen haben ein mögliches Motiv im Zusammenhang mit islamistischem Extremismus ergeben", hatten die Behörden am Vortag erklärt. Mehrere britische Medien berichteten unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, dass es sich bei einem unter Tatverdacht festgenommenen 25-Jährigen um einen britischen Staatsbürger mit somalischen Wurzeln handeln soll. Die Polizei machte zunächst keine näheren Angaben, die Ermittlungen befänden sich noch in einem "sehr frühen Stadium".

Der Abgeordnete Amess von der konservativen Tory-Partei war während einer Bürgersprechstunde in der Kirche in seinem Wahlkreis erstochen worden. Die örtliche Polizei erklärte, sie sei gegen Mittag wegen des Angriffs alarmiert worden und habe vor Ort den Verdächtigen festgenommen. Der 69-jährige Abgeordnete wurde demnach von Notärzten versorgt, erlag aber seinen Verletzungen.

Der Brexit-Befürworter und Tierschützer Amess hatte seit 1983 im britischen Unterhaus gesessen. Nach der Tat wurden die Fahnen vor dem britischen Parlament in London auf Halbmast gesetzt. Am Freitagabend nahmen rund hundert Menschen in einer Kirche in Leigh-on-Sea an einer Gedenkfeier für den fünffachen Vater teil.

Es handelte sich bereits um den zweiten Mord an einem britischen Politiker binnen fünf Jahren. 2016 war die Labour-Abgeordnete Jo Cox im Vorfeld des Brexit-Referendums von einem Rechtsextremen getötet worden. Cox’ Witwer bezeichnete den Angriff auf Amess als "so feige wie es nur geht".

Mehrere Abgeordnete forderten eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen bei öffentlichen Veranstaltungen sowie Maßnahmen gegen die zunehmende Gewalt gegen Politiker.

Der Labour-Abgeordnete Chris Bryant sagte der Zeitung "Guardian", dass "vernünftige Maßnahmen" nicht nur im Parlament, das in der Regel bewacht wird, sondern auch in den Wahlkreisen notwendig seien. Dort hielten sich Abgeordnete häufig an öffentlichen Orten wie Gemeindehäusern oder auf der Straße auf. "Wir wollen nicht in Festungen leben. Aber ich möchte nicht noch einen Kollegen durch einen gewaltsamen Tod verlieren."

Innenministerin Patel ordnete eine Prüfung der Sicherheitsvorkehrungen für alle 650 Abgeordneten durch die Polizei an. Sie betonte jedoch, dass der Anschlag die Abgeordneten nicht davon abhalten werde, persönliche Treffen mit den Bewohnern ihrer Wahlkreise abzuhalten. "Wir lassen uns von niemandem einschüchtern", sagte Patel nach der Kranzniederlegung dem Sender Sky News. Auch Parlamentspräsident Hoyle sagte: "Wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, wenn es nötig ist".

(U.Stolizkaya--DTZ)

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