Deutsche Tageszeitung - Ranghohes Farc-Mitglied nach Festnahme in Mexiko wieder in Kolumbien

Ranghohes Farc-Mitglied nach Festnahme in Mexiko wieder in Kolumbien


Ranghohes Farc-Mitglied nach Festnahme in Mexiko wieder in Kolumbien
Ranghohes Farc-Mitglied nach Festnahme in Mexiko wieder in Kolumbien / Foto: ©

Ein in Mexiko festgenommenes ranghohes Mitglied der früheren kolumbianischen Guerillagruppe Farc ist wieder zurück in Kolumbien. Einen Tag nach seiner Festnahme landete der als "Außenminister" der Farc bekannt gewordene Rodrigo Granda am Mittwoch am Flughafen von Bogotá. Er bedankte sich bei Mexiko und der Internationalen Gemeinschaft für die Möglichkeit der Rückkehr in seine Heimat. Grandas Partei beschuldigte die kolumbianische Regierung, einen ruhenden Interpol-Haftbefehl gegen Granda aktiviert zu haben.

Textgröße ändern:

Der ehemalige Farc-Anführer Rodrigo Londoño betonte in einem Interview, dass Granda "freiwillig" nach Bogotá zurückkehre. Die mexikanischen Behörden hätten nur Protokolle befolgt, wonach Granda wegen des Interpol-Haftbefehls festgehalten werden musste.

Granda war als Teil einer Delegation der Farc-Nachfolgepartei Comunes (etwa: Partei der Gemeinschaftlichkeit) nach Mexiko gereist, um an einem Kongress linker Gruppen teilzunehmen. Dort wurde er auf Grundlage eines Ersuchens von Paraguay bei Interpol in Gewahrsam genommen worden.

Vertreter von Comunes kritisierten den Schritt als "klare Verletzung" des 2016 geschlossenen Friedensabkommens zwischen dem kolumbianischen Staat und der ehemaligen Guerillaorganisation. Aufgrund des Abkommens darf sich Granda in Kolumbien frei bewegen. Nach Angaben von Comunes reiste Granda mit der Genehmigung des Sondertribunals für den Frieden, einer durch das Friedensabkommen geschaffenen kolumbianischen Institution, die während des Konflikts begangene Verbrechen untersucht.

Kolumbiens Verteidigungsminister Diego Molano wies die Anschuldigungen von Comunes zurück. Er erklärte, nicht Kolumbien, sondern Paraguay habe die Festnahme beantragt. Granda würden Entführung und Mord vorgeworfen.

Der ebenfalls nach Mexiko gereiste Londoño hatte am Dienstagabend "die internationale Gemeinschaft aufgefordert, die Sicherheit von Rodrigo Granda zu gewährleisten". Am Tag danach beschuldigte Londoño die kolumbianische Regierung, den "ruhenden Interpol-Haftbefehl aktiviert" zu haben. Die Regierung tue nichts anderes, "als sich ständig gegen den Friedensprozess zu verschwören", den die ehemaligen Farc-Mitglieder einhalten würden.

Der jahrzehntelange Guerillakrieg zwischen den linksgerichteten Rebellen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) und der kolumbianischen Regierung war Ende 2016 mit einem Friedensabkommen beendet worden. In der Folge wurden in dem südamerikanischen Land rund 7000 Guerillakämpfer entwaffnet.

Die Bewegung wandelte sich in eine Partei um. Mit der Umbenennung in Comunes wollte sich die Organisation von jenen ihrer Ex-Mitglieder distanzieren, die sich an dem Friedensabkommen von Ende 2016 nicht beteiligen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Pistorius würdigt in Ungarn "Neustart" in den bilateralen Beziehungen

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat bei einem Besuch in Ungarn den "Neustart" in den Beziehungen zwischen Berlin und Budapest gewürdigt. "Die Zusammenarbeit wird täglich enger", sagte Pistorius am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem ungarischen Kollegen Romulusz Ruszin-Szendi in Budapest. "Berlin und Budapest wachsen politisch wieder enger zusammen."

Scharfe Kritik an Stopp von Stolpersteinen in sächsischem Heidenau

Der Stopp von Stolpersteinen im sächsischen Heidenau stößt auf Kritik und entsetzte Reaktionen. Israels Botschafter Ron Prosor erklärte am Freitag: "Ich bin beschämt". Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sprach von einem "Skandal".

Friedensorganisation: Bundesregierung konterkariert Ziel einer atomwaffenfreien Welt

Die Bundesregierung untergräbt laut der Friedensorganisation Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) das Ziel einer atomwaffenfreien Welt. "Statt auf eine Eindämmung des Vernichtungsrisikos zu setzen, beteiligt sich die Bundesregierung an nuklearer Eskalation durch die Modernisierung ihrer Atombomber und Bestrebungen hin zu einer Teilhabe an der französischen Atombombe", erklärte der IPPNW-Vorsitzende Lars Pohlmeier am Freitag anlässlich des internationalen Tags für die Abschaffung der Atomwaffen am Samstag.

Mehr als hunderttausend Studierende warten auf Wohnheimplätze in Deutschland

Mehr als hunderttausend Studierende warten derzeit in Deutschland auf Wohnheimplätze. Wie das Deutsche Studierendenwerk (DSW) am Freitag in Berlin mitteilte, waren Mitte September allein in München und Aachen noch jeweils mehr als zehntausend Wartende zu verzeichnen. Grund für die extrem langen Wartelisten für die Wohnheimplätze der Studierendenwerke sei der hohe Kostendruck bei den Mieten, erklärte der DSW-Vorstandsvorsitzende Matthias Anbuhl.

Textgröße ändern: