Deutsche Tageszeitung - Moskau sieht in Achtung von Menschenrechten Vorbedingung für Taliban-Anerkennung

Moskau sieht in Achtung von Menschenrechten Vorbedingung für Taliban-Anerkennung


Moskau sieht in Achtung von Menschenrechten Vorbedingung für Taliban-Anerkennung
Moskau sieht in Achtung von Menschenrechten Vorbedingung für Taliban-Anerkennung / Foto: ©

Bei einer von Moskau organisierten internationalen Konferenz zur Lage in Afghanistan hat Russland die Bemühungen der radikalislamischen Taliban zur Stabilisierung des Landes hervorgehoben. Der Afghanistan-Beauftragte des Kreml, Samir Kabulow, rief die neuen Machthaber in Kabul am Mittwoch zugleich zur Achtung der Menschenrechte auf. Nur dann hätten die Taliban eine Chance auf internationale Anerkennung ihrer Regierung, betonte Kabulow in Moskau.

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Die Taliban hätten versichert, "dass sie an der Verbesserung der Regierungsführung und der Menschenrechte arbeiten", fügte Kabulow hinzu. Die internationale Gemeinschaft rief er auf, ihre "Voreingenommenheit" aufzugeben und dem afghanischen Volk mit vereinten Kräften zu helfen. "Nicht jeder mag die neue Regierung in Afghanistan, aber wenn wir die Regierung bestrafen, bestrafen wir das ganze Volk", sagte er.

Laut Kabulow wollten alle zehn teilnehmenden Länder zum Abschluss der Gespräche die Vereinten Nationen in einer gemeinsamen Erklärung auffordern, eine Geberkonferenz einzuberufen, um Gelder für Afghanistan zu sammeln.

Der Delegationsleiter der Taliban, Vize-Regierungschef Abdul Salam Hanafi, erklärte, seine Regierung sei bereit, "sämtliche Bedenken der internationalen Gemeinschaft mit aller Klarheit, Transparenz und Offenheit" zu diskutieren. Eine internationale Isolation Afghanistans sei "in niemandes Interesse". Dies habe auch die Vergangenheit gezeigt.

An die internationale Gemeinschaft appellierte Hanafi, Gelder für den Wiederaufbau des Landes zur Verfügung zu stellen. "Wir brauchen keine ausländische Militärhilfe, wir brauchen Unterstützung für den Frieden in Afghanistan, wir brauchen Wiederaufbau und Wiederansiedlung", sagte er.

Zu der Konferenz in Moskau hatte Russland neben den Vertretern der Taliban auch Diplomaten aus mehreren Ländern eingeladen, unter ihnen Afghanistans Nachbarstaaten China, Pakistan und Iran. Die US-Regierung hatte eine Teilnahme kurzfristig abgesagt - was Russlands Außenminister Sergej Lawrow während der Konferenz kritisierte.

Den Taliban attestierte Lawrow Bemühungen "um eine Stabilisierung der politisch-militärischen Situation" in Afghanistan. Allerdings verwies er auch auf die "reale Gefahr", dass "die terroristischen Aktivitäten und der Drogenhandel auf die Nachbarstaaten übergreifen".

Bereits in der vergangenen Woche hatte Kreml-Chef Wladimir Putin vor einer Stärkung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan und den Folgen für die angrenzenden Ex-Sowjetrepubliken gewarnt. Laut Putin befinden sich im Norden von Afghanistan etwa 2000 Kämpfer, die dem IS nahestehen und die als Flüchtlinge getarnt in die zentralasiatischen Nachbarländer gelangen könnten. Nach der Machtübernahme der Taliban hatte Russland gemeinsame Militärmanöver mit Tadschikistan und Usbekistan an der afghanischen Grenze vorgenommen.

In Russland sind die Taliban als "Terrororganisation" eingestuft. Dennoch hatte Moskau in den vergangenen Jahren mehrfach Vertreter der Islamisten empfangen. Bislang hat aber auch Russland stets deutlich gemacht, dass es kurzfristig keine offizielle Anerkennung der Taliban-Regierung plant.

Die Taliban bemühen sich seit ihrer Machtübernahme am Hindukusch Mitte August um die internationale Anerkennung ihrer Regierung sowie humanitäre Hilfe für die notleidende Bevölkerung.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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