Deutsche Tageszeitung - EU-Parlament stellt Kommission im Rechtsstaats-Streit mit Polen Ultimatum

EU-Parlament stellt Kommission im Rechtsstaats-Streit mit Polen Ultimatum


EU-Parlament stellt Kommission im Rechtsstaats-Streit mit Polen Ultimatum
EU-Parlament stellt Kommission im Rechtsstaats-Streit mit Polen Ultimatum / Foto: ©

Das EU-Parlament hat der Europäischen Kommission im Streit um die Anwendung des neuen Rechtsstaatsmechanismus ein Ultimatum gesetzt. Das Parlament werde die Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagen, sollte diese den Rechtsstaatsmechanismus nicht bis zum 2. November aktivieren, heißt es in einem Brief von Parlamentschef David Sassoli vom Mittwoch.

Textgröße ändern:

Der Rechtsstaatsmechanismus war im Januar in Kraft getreten, ist aber bislang nicht zur Anwendung gekommen. Der Mechanismus erlaubt es der EU-Kommission, milliardenschwere EU-Zahlungen an Mitgliedstaaten zu kürzen, wenn diese gegen Rechtsstaatsprinzipien verstoßen.

Als erste Mitgliedstaaten von dem Rechtsstaatsmechanismus betroffen sein könnten Polen und Ungarn, die wegen Verstößen gegen die Rechtsstaatlichkeit in der EU am Pranger stehen - in Sassolis Brief aber nicht explizit erwähnt werden. Beide Länder haben vor dem EuGH gegen den Mechanismus geklagt. Die EU-Mitgliedstaaten hatten sich bereit erklärt, vor einer Aktivierung des Mechanismus die für 2022 erwartete Entscheidung der Richter abzuwarten.

Mit dem Ultimatum des EU-Parlaments steigt nun aber der Druck auf die Kommission, den Mechanismus noch in diesem Jahr anzuwenden. Einer sogenannten Untätigkeitsklage habe eine Mehrheit der Fraktionsvorsitzenden im Parlament zugestimmt, heißt es in Sassolis Schreiben. Er habe die juristischen Dienste des Parlaments daher gebeten, eine entsprechende Klage vorzubereiten. Sollte die Kommission die "erforderlichen Maßnahmen" ergreifen, also den Mechanismus aktivieren, würden die juristischen Schritte "zurückgenommen".

Zuletzt hatten sich die Fronten zwischen Warschau und Brüssel im Rechtsstaatlichkeits-Streit erheblich verhärtet. Am Dienstag hatte Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki der EU "Erpressung" vorgeworfen, während EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen dem Land mit Sanktionen drohte. Der Streit dürfte auch den am Donnerstag beginnenden EU-Gipfel beschäftigen.

(W.Novokshonov--DTZ)

Empfohlen

Trump spricht nach Ballsaal-Urteil von "nationaler Schande"

US-Präsident Donald Trump hat empört auf die Entscheidung eines Bundesberufungsgerichtes reagiert, wonach die Arbeiten an seinem umstrittenen Ballsaal-Projekt vorerst nicht weitergehen dürfen. Die Justizentscheidung sei eine "nationale Schande", erklärte er am Freitag. Außerdem werde dadurch die nationale Sicherheit bedroht, setzte er offensichtlich mit Blick auf einen unterirdischen Militärbunker sowie weitere Sicherheitsvorkehrungen im geplanten Erweiterungsbau des Weißen Hauses hinzu. Zuvor hatte der Präsident bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.

Frei: Über Beteiligung an AfD-Regierung entscheidet nicht CDU in Sachsen-Anhalt

Die Entscheidung über die mögliche Beteiligung an einer AfD-Regierung nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) zufolge nicht bei der CDU vor Ort. "Das Kooperationsverbot mit der AfD ist ein Grundsatzbeschluss in der CDU", sagte Frei den Funke-Zeitungen vom Samstag. "Es kann nicht je nach Bundesland anders beantwortet werden."

US-Senat stimmt für umfassendes Sanktionspaket gegen Russland

Der US-Senat hat am Freitag mit großer Mehrheit für verschärfte Sanktionen gegen Russland gestimmt. Das Paket enthält Strafmaßnahmen gegen Präsident Wladimir Putin sowie eine Reihe russischer Beamter, Oligarchen und Banken. Außerdem wird von Washington erstmals die sogenannte Schattenflotte ins Visier genommen, mit deren Schiffen Moskau bereits bestehende internationale Sanktionen umgeht.

Selenskyj erstmals seit Beginn von Ukraine-Krieg in Serbien - Treffen mit Vucic

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat bei seinem ersten Besuch seit Beginn des Ukraine-Kriegs in Serbien seinen Amtskollegen Aleksandar Vucic getroffen. Nach seiner Ankunft in Belgrad am Freitagabend traf Selenskyj den serbischen Staatschef zu einem Abendessen. Vucic erklärte anschließend, er sei überzeugt, der Besuch werde zur Entwicklung der Beziehungen und zur stärkeren Zusammenarbeit beider Länder beitragen. Serbien ist traditionell eng mit Russland verbunden.

Textgröße ändern: