Deutsche Tageszeitung - Äthiopische Luftwaffe fliegt erneut Angriffe in Krisenregion Tigray

Äthiopische Luftwaffe fliegt erneut Angriffe in Krisenregion Tigray


Äthiopische Luftwaffe fliegt erneut Angriffe in Krisenregion Tigray
Äthiopische Luftwaffe fliegt erneut Angriffe in Krisenregion Tigray / Foto: ©

Zum zweiten Mal in dieser Woche hat Äthiopiens Luftwaffe Angriffe in der Krisenregion Tigray geflogen. Wie die Regierung in Addis Abeba mitteilte, wurden am Mittwoch Ziele in der Regionalhauptstadt Mekele und in Agbe bombardiert. Dabei wurden nach Angaben der Rebellenorganisation TPLF und von Ärzten auch Zivilisten verletzt. Die USA kritisierten die "Gewalteskalation" scharf. Besorgt äußerte sich auch ein Sprecher von UN-Generalsekretär António Guterres.

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Laut der Regierung in Addis Abeba griff die Luftwaffe in Mekele Waffenlager der Rebellenorganisation TPLF an. Nach Angaben eines Bewohners der Stadt wurde eine Industrieanlage zerstört. Ein örtliches Krankenhaus meldete acht Verletzte, darunter eine schwangere Frau.

Erst am Montag hatte die äthiopische Luftwaffe laut Staatsmedien zwei Mal Ziele der Rebellenorganisation in Mekele angegriffen. Nach UN-Angaben wurden dabei mindestens drei Kinder getötet.

Der Sprecher von UN-Generalsekretär Guterres, Farhan Haq, sagte vor Journalisten, es gebe vorläufige Informationen über verletzte Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. Alles, was Zivilisten oder zivilie Infrastruktur in Mitleidenschaft ziehen könne, müsse vermieden werden, betonte Haq.

TPLF-Sprecher Getachew Reda gab an, bei den Luftangriffen auf Mekele sei eine Wohngegend getroffen worden. "Abiys Reaktion auf seine Verluste in den andauernden Kämpfen ist, Zivilisten hunderte Kilometer vom Kampffeld entfernt anzugreifen", schrieb Reda auf Twitter. Später erklärte er, die TPLF habe mindestens zwei Orte in der an Tigray angrenzeden Region Amhara unter ihre Kontrolle gebracht. Ihre Kämpfer befänden sich nun "in Artilleriereichweite" der Städte Kombolcha und Dessie.

Die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed, der vor knapp zwei Wochen eine weitere Amtszeit angetreten hatte, scheint eine neue Offensive gegen die TPLF vorzubereiten. Äthiopische Regierungstruppen hatten im November 2020 die in der Provinz Tigray regierende TPLF angegriffen, nach Regierungsangaben als Reaktion auf Attacken der TPLF auf Armeestellungen.

Fast zwei Millionen Menschen wurden seitdem aus der Krisenregion vertrieben. Es gibt zahlreiche Berichte über Gräueltaten, darunter Massaker und Massenvergewaltigungen.

Die USA verurteilten am Mittwoch die andauernde "Eskalation der Gewalt". Während eines Aufenthalts von Außenminister Antony Blinken in Kolumbien twitterte dessen Sprecher Ned Price: "Wir haben glaubwürdige Berichte über Angriffe in und um Mekele erhalten." Price äußerte sich besorgt um das Wohlergehen von Zivilisten. "Die Regierung Äthiopiens und die TPLF müssen die Feindseligkeiten beenden und sofort mit Gesprächen beginnen."

Nach monatelangen Gefechten mit tausenden Toten hat sich die Gewalt auch auf die Nachbarregionen Afar im Osten und Amhara im Süden ausgedehnt. Im weitgehend abgeschotteten Tigray gibt es infolge des Konflikts zudem eine schwere humanitäre Krise.

Abiy war 2018 mit dem Versprechen einer Demokratisierung ins Amt gekommen. Er löste damals nach jahrelangen Massenprotesten die bis dahin regierende Koalition unter Führung der TPLF ab. Seitdem hat die Partei des Friedensnobelpreisträgers Abiy in mehreren Wahlen große Siege gefeiert. Wahlbeobachter beklagten allerdings wiederholt, dass internationale Standards für faire Wahlen dabei weit unterschritten worden seien.

(W.Novokshonov--DTZ)

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