Deutsche Tageszeitung - UNO setzt ihre Flüge nach Tigray wegen neuer Luftangriffe vorerst aus

UNO setzt ihre Flüge nach Tigray wegen neuer Luftangriffe vorerst aus


UNO setzt ihre Flüge nach Tigray wegen neuer Luftangriffe vorerst aus
UNO setzt ihre Flüge nach Tigray wegen neuer Luftangriffe vorerst aus / Foto: ©

Beim jüngsten Luftangriff der äthiopischen Armee auf die Krisenregion Tigray im Norden des Landes sind elf Zivilisten verletzt worden. Die UNO setzte wegen des Bombardements ihre zwei Mal pro Woche stattfindenden Flüge für humanitäres Personal vorerst aus, wie UN-Sprecher Stéphane Dujarric am Freitag erklärte. Zuvor war ein UN-Hilfsflug auf dem Weg in die Region wegen der Angriffe zur Umkehr gezwungen worden.

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An Bord des Flugzeugs waren elf humanitäre Mitarbeiter, wie Gemma Connell, Leiterin des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten in Ostafrika, mitteilte. Die äthiopische Regierung sei vor dem Start über den geplanten Flug informiert worden.

Ziel des Luftangriffs vom Freitag war laut einer äthiopischen Regierungssprecherin ein Ausbildungszentrum der Rebellenorganisation TPLF in der Regionalhauptstadt Mekele. Das Zentrum sei auch als Koordinierungsstelle "der Terrororganisation" genutzt worden, sagte die Sprecherin. Bewohner von Mekele sagten der Nachrichtenagentur AFP, durch das Bombardement sei auch ein Feld getroffen worden.

Elf Verletzte wurden am Freitagnachmittag im Ayder-Krankenhaus behandelt. Zwei von ihnen waren laut dem Klinikvertreter Hayelom Kebede mit lebensgefährlichen Verletzungen eingeliefert worden.

Die äthiopischen Regierungstruppen gehen seit rund einer Woche wieder gegen die Kämpfer der TPLF vor. Seit Montag wurden mehrere Luftangriffe auf Ziele unter anderem in Mekele gemeldet.

Die Vereinten Nationen und westliche Regierungen äußerten sich zuletzt beunruhigt über die Lage in Nordäthiopien. Scharfe Kritik an der "anhaltenden Eskalation der Gewalt" übte in dieser Woche das US-Außenministerium.

Derweil gab es in den vergangenen Tagen auch Berichte über schwere Kämpfe in Tigrays Nachbarregion Amhara. Im Juli hatte die TPLF dort eine Offensive gestartet, am Mittwoch eroberte sie nach eigenen Angaben zwei weitere Städte in der Region. Bewohner der Stadt Dessie in Amhara berichteten von einer massiven Militärpräsenz. In der Region leben zehntausende Binnenflüchtlinge aus Tigray.

Der weitgehende Zusammenbruch der Telekommunikation in Nordäthiopien sowie ein eingeschränkter Zugang für Journalisten zu den Krisenregionen erschweren die unabhängige Überprüfung von Informationen zur Lage vor Ort. Sicher ist aber, dass die humanitäre Lage in Tigray verheerend ist.

Die Nachrichtenagentur AFP konnte unter Auswertung interner Unterlagen von in Tigray tätigen Hilfsorganisationen Hungertote in mehreren Gebieten dokumentieren. Die UNO hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass die Zahl der Kleinkinder, die wegen schwerer Mangelernährung ins Krankenhaus eingeliefert worden seien, sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt habe.

Treibstoffengpässe hinderten unterdessen mehrere Hilfsorganisationen daran, gegen die humanitäre Krise vorzugehen. "Aufgrund des gravierenden Treibstoffmangels waren mehrere humanitäre Partner gezwungen, ihre Aktivitäten erheblich einzuschränken oder auszusetzen", hieß es in einem wöchentlichen Lagebericht des Amts der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten. 14 Tanklastwagen steckten demnach trotz Genehmigungen zur Weiterfahrt in der Region Afar auf der einzigen Landroute nach Tigray fest.

Äthiopische Regierungstruppen hatten im November 2020 die in Tigray regierende TPLF angegriffen, nach Regierungsangaben als Reaktion auf Attacken der TPLF auf Armeestellungen. Fast zwei Millionen Menschen wurden seitdem vertrieben. Es gibt zahlreiche Berichte über Gräueltaten, darunter Massaker und Massenvergewaltigungen.

(P.Tomczyk--DTZ)

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