Deutsche Tageszeitung - Prozess gegen mutmaßliche Mörder einer jüdischen alten Dame beginnt

Prozess gegen mutmaßliche Mörder einer jüdischen alten Dame beginnt


Prozess gegen mutmaßliche Mörder einer jüdischen alten Dame beginnt
Prozess gegen mutmaßliche Mörder einer jüdischen alten Dame beginnt / Foto: ©

Über drei Jahre nach einem mutmaßlich antisemitisch motivierten Mord an einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden müssen sich in Paris seit Dienstag zwei Verdächtige vor Gericht verantworten. Der 31 Jahre alte Yacine M. und der 25 Jahre alte Alex C. bezichtigen sich gegenseitig, die alte Dame in ihrer Wohnung getötet zu haben. Der Anwalt des Sohns von Opfer Mireille Knoll, Gilles-William Goldnadel, sprach vor Prozessbeginn von "schändlichem Antisemitismus".

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Feuerwehrleute hatten die Leiche der 85-Jährigen entdeckt, als sie zum Löschen eines Brandes in ihre Wohnung kamen. Die alte Dame, die unter der Parkinson-Krankheit litt und sich nicht selbst fortbewegen konnte, war zuvor mit mehreren Messerstichen am Hals und in den Rücken getötet worden. Die Ermittler fanden bald heraus, dass die beiden Männer zum Tatzeitpunkt in ihrer Wohnung gewesen waren. Ihre Aussagen widersprechen sich jedoch.

Die beiden Männer hatten sich bei einem Gefängnisaufenthalt kennengelernt. Beide sind mehrfach vorbestraft wegen Diebstahls und Gewalttaten. Yacine M. war der Sohn der Nachbarin von Mireille Knoll und kannte sie schon lange. Laut Alex C. hatte Yacine M. vorgeschlagen, die alte Dame zu bestehlen und behauptet, dass Juden viel Geld hätten. Yacine M. habe Mireille Knoll getötet und dabei "Allahu Akbar" gerufen. Yacine M. weist dies zurück und beschuldigt seinerseits Alex C., Mireille Knoll bestohlen und erstochen zu haben.

"Das Motiv des Antisemitismus besteht nur, weil (Alex C.) sich ein Motiv ausgedacht hat", sagte der Anwalt von Yacine M., Charles Consigny. Die Untersuchungsrichter hätten "unter dem Druck der öffentlichen Meinung nicht den Mut gehabt, diese Anklage fallenzulassen", fügte er hinzu.

Auch die Mutter von Yacine M. muss sich vor Gericht verantworten. Ihr wird vorgeworfen, Blutspuren an dem Messer beseitigt zu haben, mit dem die 85-Jährige ermordet worden sein soll.

Der Mord hatte in der Öffentlichkeit große Empörung ausgelöst. Präsident Emmanuel Macron hatte erklärt, Mireille Knoll sei getötet worden, "weil sie Jüdin war", und hatte an ihrem Begräbnis teilgenommen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Tausende demonstrierten gegen Antisemitismus.

Der Prozess soll bis zum 10. November dauern.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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