Deutsche Tageszeitung - Militär geht weiter gegen Demonstranten und Aktivisten im Sudan vor

Militär geht weiter gegen Demonstranten und Aktivisten im Sudan vor


Militär geht weiter gegen Demonstranten und Aktivisten im Sudan vor
Militär geht weiter gegen Demonstranten und Aktivisten im Sudan vor / Foto: ©

Nach dem Putsch im Sudan haben die Sicherheitskräfte ihr Vorgehen gegen Demonstranten verschärft. Soldaten und Polizisten räumten am Mittwoch Straßenbarrikaden und nahmen Anführer der Demokratiebewegung fest. Unterdessen stieg der internationale Druck auf die Putschisten weiter, wichtige Geldgeber kündigten die Rückhaltung von Hilfszahlungen an. Ein UN-Vertreter traf sich mit dem Anführer der Putschisten, General Abdel Fattah al-Burhan, sowie dem unter Hausarrest stehenden Regierungschef Abdalla Hamdok.

Textgröße ändern:

Nach wochenlangen Spannungen zwischen Befürwortern einer Militärherrschaft und Unterstützern einer Zivilregierung hatten sudanesische Soldaten am Montag die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung festgenommen. Der oberste sudanesische General al-Burhan rief den Ausnahmezustand aus und kündigte die Bildung einer neuen Regierung mit "kompetenten Personen" an.

Hamdok wurde nach dem Putsch am Montag zunächst in al-Burhans Haus festgehalten. Am Dienstag wurden er und seine Frau "unter strenger Bewachung" nach Hause gebracht, wie sein Büro mitteilte. Andere Minister und zivile Führungskräfte standen weiterhin unter Militärarrest.

Am Mittwoch traf der UN-Sondergesandte für den Sudan, Volker Perthes, al-Burhan sowie Hamdok. Laut einem Sprecher "bekräftigte" er bei dem Gespräch mit dem General die Forderungen nach einer "Rückkehr zum Übergangsprozess" im Rahmen der Verfassungserklärung sowie die "sofortige Freilassung aller willkürlich Verhafteten". Hamdok kann sich dem Sprecher zufolge "nicht frei bewegen".

Der Außenbeauftragte der EU, Josep Borrell, telefonierte am Mittwoch ebenfalls mit Hamdok. Dabei habe er seine Unterstützung für eine Rückgabe der Macht in zivile Hände ausgedrückt, erklärte er auf Twitter.

Am Mittwoch gingen den dritten Tag in Folge tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Machtübernahme des Militärs zu demonstrieren. In mehreren Städten des nordostafrikanischen Landes kam es erneut zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgingen. Neben der Hauptstadt Khartum betrafen die Proteste unter anderem Port Sudan im Osten, Wad Madani im Süden und Atbara im Norden.

Ein AFP-Korrespondent sah, wie Sicherheitskräfte Passanten in Khartum zwangen, Barrikaden aus Steinen und Reifen entfernten. Wer sich weigerte, erhielt Peitschenschläge. "Sie verhaften jeden, der sich in der Nähe aufhält", sagte ein Demonstrant der AFP. Vielerorts blieben die Geschäfte geschlossen. Die Demokratiebewegung rief für Samstag zu "Millionenprotesten" auf, um die Übergabe der Macht an eine Zivilregierung einzufordern.

Um den Druck zu erhöhen, haben wichtige Geldgeber Zahlungen an das Entwicklungsland ausgesetzt. Die USA hatten bereits am Montag Hilfen über 700 Millionen Dollar (603 Millionen Euro) eingefroren. Am Mittwoch kündigte die Weltbank die Aussetzung ihrer Hilfszahlungen an.

Auch die EU drohte mit dem Entzug von Finanzhilfen. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) warnte die neuen Machthaber, Deutschland werde seine Unterstützung für den Sudan unter den gegenwärtigen Bedingungen "nicht fortsetzen".

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums halten sich derzeit vier deutsche Polizisten im Rahmen der UN-Mission Unitams im Sudan auf. Berlin habe "sehr regelmäßigen Kontakt zu den Einsatzkräften", sagte ein Sprecher am Mittwoch. Deren Sicherheit sei "gewährleistet", das Ministerium gehe davon aus, dass die Mission "fortgesetzt wird".

Die Afrikanische Union schloss das Land am Mittwoch bis zur Wiederherstellung einer zivilen Regierung aus der Gemeinschaft aus.

Der UN-Sicherheitsrat befasste sich in einer Dringlichkeitssitzung mit dem Putsch. Das Gremium hatte jedoch auch am Mittwoch noch Schwierigkeiten, sich auf eine gemeinsame Erklärung zur Krise im Sudan zu einigen. Diplomaten zufolge verhinderte Russland eine scharfe Verurteilung der Machtübernahme durch das Militär.

Im Sudan hatte nach dem Sturz von Machthaber Omar al-Baschir im Jahr 2019 ein sogenannter Souveräner Rat die Regierungsgeschäfte übernommen, in dem sich Militärs und Zivilisten die Macht teilten. Seitdem befand sich das Land in einer Übergangsphase, die 2023 mit der Einsetzung einer zivilen Regierung enden sollte. Eine hohe Inflation, wirtschaftliche Probleme und tiefe politische Spaltungen verschärften aber die Lage.

(U.Beriyev--DTZ)

Empfohlen

Nach Ausweisung von Journalistin: Russland wirft Frankreich "politische Verfolgung" vor

Nach der Ausweisung der Kreml-treuen Journalistin Xenia Fedorova aus Frankreich hat Moskau Paris eine "politische Verfolgung" von Medienschaffenden vorgeworfen. "Jede abweichende Meinung wird als russische Propaganda bezeichnet, worauf Versuche folgen, Journalisten und ganze Medien zu vertreiben", sagte der stellvertretende Sprecher des russischen Außenministeriums, Alexej Fadejew, am Donnerstag. Es gebe in Frankreich eine "Zensur von Meinungen, die nicht der offiziellen Linie entsprechen".

Iran-Krieg: Berichte über US-Munitionsknappheit - Pakistan will neue Gespräche

Im Krieg gegen den Iran haben die US-Streitkräfte Medienberichten zufolge große Teile ihrer Munitionsvorräte verschossen. Ein Mangel an Raketen habe US-Präsident Donald Trump von weiteren Angriffen abgehalten, schrieb etwa die "Washington Post". Trump wies die Berichte am Donnerstag zurück und drohte den Journalisten mit langen Haftstrafen. Nachdem sich der Iran und Oman auf eine neue Route durch die Straße von Hormus geeinigt hatten, hofft Vermittler Pakistan unterdessen auf neue Verhandlungen zwischen Washington und Teheran.

Fund von Sprengstoffdrohne sorgt für Debatte über Luftsicherheit

Der Fund einer Sprengstoff-Drohne am Leipziger Flughafen hat eine Debatte über Maßnahmen zur Abwehr solcher Bedrohungen ausgelöst. Die Grünen forderten am Donnerstag klarer geregelte Zuständigkeiten der Behörden. Die SPD sieht Deutschland hierbei auf einem guten Weg. Unterdessen wurden brisante Ermittlungs-Details bekannt: Eine der ukrainischen Frachtmaschinen, neben der die Drohne gefunden wurde, war einem Medienbericht zufolge mit Munition beladen.

Medien: Ukrainisches Flugzeug in Leipzig neben Drohne war mit Munition beladen

Eines der ukrainischen Flugzeuge, neben dem in Leipzig die Sprengstoff-Drohne gefunden wurde, war einem Medienbericht zufolge mit militärischer Munition beladen. Diese sei offenbar kurz zuvor aus Frankreich nach Leipzig transportiert worden und für den Weitertransport vorgesehen gewesen, berichteten am Donnerstag NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Die Medien beziehen sich dabei auf einen vertraulichen Bericht der Polizei.

Textgröße ändern: