Deutsche Tageszeitung - Äthiopische Rebellen melden Einnahme von strategisch wichtiger Stadt Dessie

Äthiopische Rebellen melden Einnahme von strategisch wichtiger Stadt Dessie


Äthiopische Rebellen melden Einnahme von strategisch wichtiger Stadt Dessie
Äthiopische Rebellen melden Einnahme von strategisch wichtiger Stadt Dessie / Foto: ©

Äthiopische Rebellen haben im Konflikt mit der Armee die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Dessie in der Region Amhara gemeldet. Die Stadt "befindet sich unter der vollständigen Kontrolle unserer Kämpfer", erklärte ein Sprecher der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF), Kindeya Gebrehiwot, am Samstag auf Twitter. Die äthiopische Regierung dementierte die Angaben.

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"Dessie und seine Umgebung befinden sich immer noch in den Händen unserer Sicherheitskräfte", teilte der Kommunikationsdienst der Regierung auf Facebook mit. Allerdings berichteten auch Einwohner der Stadt, die Armee habe sich aus Dessie zurückgezogen und TPLF-Kämpfer seien in die Stadt eingedrungen. Viele Einwohner versuchten, mit Bussen zu fliehen, berichtete ein Ladenbesitzer der Nachrichtenagentur AFP.

Dem Rückzug der Armee waren demnach heftige Gefechte vorausgegangen. Vielerorts gab es Stromausfälle. Sollte sich der Fall Dessies an die TPLF bestätigen, wäre dies ein schwerer Schlag für die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed. Der Großteil Nordäthiopiens ist für Journalisten nicht zugänglich. Informationen aus der Region sind von unabhängiger Seite daher kaum zu überprüfen.

Anwohner hatten in den vergangenen Tagen bereits von einem massiven Truppenaufmarsch in der Region berichtet. Dessie liegt rund 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Addis Abeba in der an die Unruhe-Region Tigray angrenzenden Region Amhara. In der Stadt leben tausende Binnenflüchtlinge aus Tigray.

Die US-Regierung forderte die Rebellen zum Rückzug aus den Regionen Amhara und Afar auf, wo sich die Kämpfe zuletzt verstärkt hatten. Die TPLF müsse "ihre Vorstöße in und um die Städte Dessie und Kombolcha stoppen", erklärte das US-Außenministerium am Samstag.

Äthiopische Regierungstruppen hatten im November 2020 die in Tigray regierende TPLF angegriffen, nach Regierungsangaben als Reaktion auf Attacken der Volksbefreiungsfront auf Armeestellungen. Die teils heftigen Kämpfe dauern seitdem an und haben sich mittlerweile auch auf benachbarte Regionen wie Amhara ausgedehnt.

Die Regierung in Addis Abeba setzt mittlerweile verstärkt auf Luftangriffe und bombardierte zuletzt regelmäßig Ziele in Tigray. Nach Angaben der Regierung handelt es sich dabei um militärische Einrichtungen. Berichte über zivile Opfer brachten der Regierung jedoch scharfe internationale Kritik ein.

Durch die Kämpfe wurden bislang fast zwei Millionen Menschen vertrieben. Es gibt zahlreiche Berichte über Gräueltaten, darunter Massaker und Massenvergewaltigungen. Die Region Tigray ist weitgehend vom Rest der Welt abgeschnitten. Die Versorgungslage gilt als katastrophal.

(U.Beriyev--DTZ)

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