Deutsche Tageszeitung - Äthiopische Rebellen melden Einnahme von zwei strategisch wichtigen Städten

Äthiopische Rebellen melden Einnahme von zwei strategisch wichtigen Städten


Äthiopische Rebellen melden Einnahme von zwei strategisch wichtigen Städten
Äthiopische Rebellen melden Einnahme von zwei strategisch wichtigen Städten / Foto: ©

Im Konflikt mit der Armee hat die äthiopische Rebellengruppe TPLF am Wochenende zwei wichtige militärische Siege verkündet. TPLF-Kämpfer hätten die Stadt Kombolcha im Norden Äthiopiens unter ihre Kontrolle gebracht, schrieb der TPLF-Sprecher Getachew Reda am Sonntag auf Twitter. Am Samstag hatte die TPLF bereits die Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Dessie gemeldet, die nördlich von Kombolcha liegt. Die äthiopische Regierung dementierte die Angaben.

Textgröße ändern:

Kombolcha und Dessie liegen in der nordäthiopischen Region Amhara, die an die Unruhe-Region Tigray angrenzt. Kombolcha befinde sich "fest im Griff" der TPLF, twitterte Reda. Sollte sich der Fall Kombolchas an die Rebellen bestätigen, wäre dies ein schwerer Schlag für die Regierung von Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed. In Dessie, dessen Einnahme die TPLF am Samstag gemeldet hatte, gab es nach Angaben von Bewohnern am Sonntag neue Kämpfe.

Die Regierung erklärte am Sonntag, in beiden Städte werde noch gekämpft. "Es gibt derzeit erbitterte Kämpfe an den Fronten in Dessie und Kombolcha", sagte der Regierungssprecher Legesse Tulu vor Journalisten.

Der Großteil Nordäthiopiens ist für Journalisten nicht zugänglich. Informationen aus der Region sind von unabhängiger Seite daher kaum zu überprüfen.

Anwohner hatten in den vergangenen Tagen bereits von einem massiven Truppenaufmarsch in der Region berichtet. Dessie liegt rund 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Addis Abeba. In der Stadt leben tausende Binnenflüchtlinge aus Tigray. Kombolcha liegt etwas weiter südlich.

Der Konflikt zwischen Abiys Regierung und der TPLF dauert seit fast einem Jahr an. Äthiopische Regierungstruppen hatten im November 2020 die in Tigray regierende TPLF angegriffen, nach Regierungsangaben als Reaktion auf Attacken der Volksbefreiungsfront auf Armeestellungen. Die teils heftigen Kämpfe dauern seitdem an und haben sich mittlerweile auch auf benachbarte Regionen wie Amhara ausgedehnt.

Die US-Regierung forderte die Rebellen am Samstag zum Rückzug aus den Regionen Amhara und Afar auf, wo sich die Kämpfe zuletzt verstärkt hatten. Die TPLF müsse "ihre Vorstöße in und um die Städte Dessie und Kombolcha stoppen", erklärte das US-Außenministerium.

Die Regierung in Addis Abeba setzt mittlerweile verstärkt auf Luftangriffe und bombardierte zuletzt regelmäßig Ziele in Tigray. Nach Angaben der Regierung handelt es sich dabei um militärische Einrichtungen. Berichte über zivile Opfer brachten der Regierung jedoch scharfe internationale Kritik ein.

Durch die Kämpfe wurden bislang fast zwei Millionen Menschen vertrieben. Es gibt zahlreiche Berichte über Gräueltaten, darunter Massaker und Massenvergewaltigungen. Die Region Tigray ist weitgehend vom Rest der Welt abgeschnitten. Die Versorgungslage gilt als katastrophal.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Wadephul warnt in Rede bei Vereinten Nationen vor Risiken durch KI

In einer Rede vor der UN-Vollversammlung hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) vor den Risiken durch die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) gewarnt. Es handle sich um eine Technologie, die die Wirtschaft von Staaten zu Fall bringen und Lebensgrundlagen bedrohen könne, wenn sie in falsche Hände gerate, sagte Wadephul am Samstag in seiner Ansprache bei der UN-Generaldebatte in New York.

Berlin: SPD-Landesvorstand stimmt für Sondierungsgespräche mit der Linken

Knapp eine Woche nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin hat der SPD-Landesvorstand für Sondierungsgespräche mit der Linken gestimmt. Der Vorstand beschloss am Samstag einstimmig, die Einladung der Linkspartei zu Sondierungen anzunehmen, wie ein Sprecher mitteilte. Die Linke hatte die Wahl am vergangenen Sonntag deutlich vor der bislang gemeinsam mit der SPD regierenden CDU gewonnen.

Lawrow: Russland wird Ziele in der Ukraine "egal wie" erreichen

Russland ist nach den Worten des russischen Außenministers Sergej Lawrow entschlossen, seine militärischen Ziele in der Ukraine "egal wie" zu erreichen. "Die Ziele der speziellen Militäroperation werden erreicht, die Bedrohung der russischen Sicherheit wird beseitigt und das friedliche Leben wird zurückkehren", sagte Lawrow am Samstag vor der UN-Vollversammlung in New York. Dies werde "egal unter welchen Umständen passieren".

Trump lehnt iranischen Plan für Hormus-Wiedereröffnung ab

US-Präsident Donald Trump hat einen iranischen Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus binnen sieben Tagen abgelehnt. "Ich weise ihren Vorschlag zurück", sagte er am Samstag vor Journalisten mit Blick auf die iranische Führung. Diese wolle ein Abkommen schließen, "weil sie so schlecht dasteht", fügte der US-Präsident hinzu. Der iranische Präsident Massud Peseschkian erklärte derweil, auch der Oberste Führer Modschtaba Chamenei unterstütze den jüngsten Vorschlag.

Textgröße ändern: