Deutsche Tageszeitung - Mögliche Laschet-Nachfolger bringen sich in Stellung

Mögliche Laschet-Nachfolger bringen sich in Stellung


Mögliche Laschet-Nachfolger bringen sich in Stellung
Mögliche Laschet-Nachfolger bringen sich in Stellung / Foto: ©

Vor der Entscheidung über eine Mitgliederbefragung zum künftigen CDU-Chef haben sich mögliche Bewerber für die Nachfolge von Armin Laschet in Stellung gebracht. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen warnte vor einer zu konservativen Ausrichtung der Partei und forderte, der neue CDU-Chef müsse "in der Mitte stehen". Der Konservative Friedrich Merz widersprach einem Pressebericht, wonach er andere mögliche Bewerber in sein Team holen will, um Röttgen keine Chance zu lassen.

Textgröße ändern:

Präsidium und Bundesvorstand der CDU entscheiden am Dienstag, ob für die Bestimmung des künftigen Parteivorsitzenden erstmals die derzeit rund 400.000 Mitglieder befragt werden sollen. Dafür hatten sich am Wochenende die mehr als 300 Kreisvorsitzenden der Partei mit überwältigender Mehrheit ausgesprochen.

Bisher hat noch kein möglicher Bewerber für Laschets Nachfolge seine Kandidatur erklärt. Merz und Röttgen waren schon beim Parteitag im Januar angetreten, wo Laschet dann zum Parteivorsitzenden gewählt wurde, und gelten nun erneut als Bewerber. Der Wirtschaftsexperte Merz steht dabei für ein deutlich konservativeres Profil als Röttgen.

Es sei zwar richtig, dass es nach der verlorenen Bundestagswahl in der Partei teilweise den Wunsch nach einer konservativeren Ausrichtung gebe, sagte Röttgen im Deutschlandfunk. "Aber es ist weit davon entfernt, dass das die Mehrheit unserer Mitglieder ist."

Der neue Parteichef müsse deshalb die Mitte vertreten, sagte er. Der CDU-Außenpolitiker bezeichnete sich dabei als Vertreter "der modernen Mitte" in der Partei. Es sei sein Anspruch, die CDU "voranzutreiben (...) an dieser Stelle", sagte er.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, Merz versuche den gleichfalls als Kandidaten gehandelten Gesundheitsminister Jens Spahn von einer Kampfkandidatur abzubringen. Bei einem Treffen am Montag wolle er versuchen, Spahn in sein Team zu holen, hieß es.

An dem Gespräch sollte dem Bericht zufolge auch der stellvertretende Unionsfraktionschef Carsten Linnemann teilnehmen, der gleichfalls als möglicher Kandidat gehandelt wird. Laut "Bild" will Merz mit der Team-Lösung das liberal-konservative Lager gegen eine Kandidatur von Röttgen vereinen. Von dessen Kandidatur gehe das Umfeld von Merz fest aus.

"Nicht mein Absender, nicht meine Handschrift", schrieb Merz zu dem "Bild"-Bericht auf Twitter. Konkreter äußerte er sich aber nicht.

Der Hamburger CDU-Chef Christoph Ploß sagte bei Bild TV, er gehe davon aus, dass bis zum Wochenende alle Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz offiziell ihre Bewerbung erklärt haben. Aus seiner Sicht müsse Merz künftig "eine sehr, sehr wichtige Rolle spielen".

Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, forderte "Zurückhaltung der noch amtierenden Führungskräfte" im Kampf um den Parteivorsitz. "Im Mittelpunkt darf nicht das Ziel stehen, einen möglichen Kandidaten Friedrich Merz unbedingt zu verhindern", schrieb der langjährige EU-Kommissar in einem Gastbeitrag bei "Bild".

Die Union hatte bei der Bundestagswahl ihr bisher schlechtestes Ergebnis eingefahren. Ihr gescheiterter Kanzlerkandidat Laschet hatte daraufhin angekündigt, den CDU-Parteivorsitz abzugeben. Dazu soll bis spätestens Januar 2022 ein Sonderparteitag abgehalten werden. Dieser soll auch die komplette Führungsriege aus Präsidium und Bundesvorstand neu wählen.

(V.Korablyov--DTZ)

Empfohlen

US-Bundesstaat Michigan: Demokraten liefern sich Richtungs-Vorwahl um Senatsposten

Rückt die Demokratische Partei in den USA weiter nach links? Einen Teil der Antwort könnte die Vorwahl im nördlichen US-Bundesstaat Michigan liefern, die am Dienstag begonnen hat. Dort tritt der Arzt und Vertreter des linken Parteiflügels, Abdul El-Sayed, gegen die erfahrene Kongressabgeordnete Haley Stevens aus Detroit an, die vom Partei-Establishment unterstützt wird.

Nach Massenandrang auf Ceuta: EU demonstriert bei Krisensitzung Einigkeit

Nach dem Massenandrang von Migranten auf die spanische Exklave Ceuta haben die EU-Länder in einer Krisensitzung Einigkeit demonstriert. "Es gab in der Runde volle Solidarität mit Spanien", sagte EU-Innenkommissar Magnus Brunner nach einer Videokonferenz der EU-Innenminister am Dienstag. Die Vorfälle hatten einen Streit zwischen Spanien auf der einen Seite und EU-Ländern mit einer harten Linie gegen Migranten auf der anderen Seite ausgelöst.

US-Finanzminister hält Hormus-Abkommen mit Iran bis Mittwoch für möglich

US-Finanzminister Scott Bessent hält eine Einigung mit dem Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus noch bis Mittwoch für möglich. "Wir sind in Gesprächen mit den Iranern, und ich denke, es besteht die Chance, dass wir heute oder morgen eine Vereinbarung haben", sagte Bessent am Dienstag dem Sender CNBC. Der Vermittlerstaat Katar sprach von "laufenden Bemühungen", erklärte aber, direkte US-iranische Gespräche gebe es derzeit nicht.

Bundesregierung bereitet neuen Zivildienst vor - bei Rückkehr der Wehrpflicht

Die Bundesregierung bereitet die Grundlagen für einen neuen Zivildienst vor. Falls die Wehrpflicht wieder eingesetzt würde, "müsste es ja auch einen entsprechenden Ersatzdienst geben", sagte Unionsfraktionschef Thorsten Frei (CDU) am Dienstag den Sendern RTL und ntv. Im zuständigen Bundesfamilienministerium liefen deshalb bereits Vorbereitungen auf "unterschiedliche Situationen und Szenarien". Das Ministerium führte dazu nach Angaben einer Sprecherin bereits Gespräche mit großen Verbänden, die Plätze für Zivildienstleistende anbieten könnten.

Textgröße ändern: