Deutsche Tageszeitung - Bund und Länder ringen nach Höchststand bei Corona-Zahlen um gemeinsame Linie

Bund und Länder ringen nach Höchststand bei Corona-Zahlen um gemeinsame Linie


Bund und Länder ringen nach Höchststand bei Corona-Zahlen um gemeinsame Linie
Bund und Länder ringen nach Höchststand bei Corona-Zahlen um gemeinsame Linie / Foto: ©

Ein höheres Tempo bei Auffrischungsimpfungen und mehr Einschränkungen für Ungeimpfte: Nach einem neuen Höchststand bei den Corona-Infektionen am Donnerstag ringen Bund und Länder um den Kurs in der Corona-Pandemie. Im bayerischen Lindau kommen am Nachmittag die Gesundheitsminister von Bund und Ländern zu einem zweitägigen Treffen zusammen.

Textgröße ändern:

Das Robert-Koch-Institut meldete am Morgen 33.949 neue Corona-Fälle. Das ist ein Höchstwert seit Beginn der Pandemie, auch wenn Nachmeldungen wegen des Feiertags in mehreren Bundesländern am Montag eine Rolle spielen könnten. Der bisherige Höchstwert war während der dritten Welle am 18. Dezember vergangenen Jahres mit 33.777 Fällen erreicht worden.

"Jetzt geht es um die Frage, wie vermeiden wir eine Überlastung des Gesundheitswesens", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Bayerischen Rundfunk. Er forderte, Pflegeheime müssten durch eine umfassende Testpflicht für Personal und Besucher geschützt werden. "Ich möchte nicht noch einmal das Sterben in den Pflegeheimen erleben müssen, wie letztes Jahr."

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, fordert in der "Bild"-Zeitung eine verpflichtende Corona-Impfung für alle Mitarbeiter im Pflegesektor. "Kein Ungeimpfter darf Kontakt zu einer derart vulnerablen Gruppe haben, weder beruflich noch als Besucher."

Mehrere Länder wollen offenbar wie vor einem Jahr in Krankenhäusern planbare Operationen verschieben, um Platz für Corona-Patienten zu machen. Das berichtete das Portal "Business Insider" unter Berufung auf einen Beschlussvorschlag für die Gesundheitsministerkonferenz. Gefordert wird demnach die Wiedereinführung von Ausgleichszahlungen des Bundes an Krankenhäuser, wenn Betten wegen der Corona-Lage freigehalten werden.

Spahn sprach sich unterdessen für Einschränkungen für Ungeimpfte nach den 2G-Regeln aus. "Nur noch Geimpfte und Genesene können dann beispielsweise an Veranstaltungen teilnehmen", sagte er. Er nannte dabei zum Beispiel den Kinobesuch. Die Einschränkungen sollen regional dort gelten, "wo es ein hohes Infektionsgeschehen gibt". Es gehe nicht darum, "die Ungeimpften zu ärgern oder zu mobben (...), sondern es geht darum, das Gesundheitswesen, die Pflegekräfte zu schützen."

Ähnlich wie Spahn kritisierte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach die Corona-Kontrollen vieler Gastronomen als zu "läppisch". Auch er sprach sich bei einer "Spiegel"-Veranstaltung für 2G-Regelungen in den Bundesländern aus. Dies sei "der Königsweg".

Grünen-Chef Robert Habeck forderte eine Wiedereinführung kostenloser Schnelltests. "Es war damals schon ein Fehler, sie auszusetzen", sagte Habeck in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv. Zu Äußerungen auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), wonach Ungeimpften stärkere Einschränkungen drohen dürften, sagte der Grünen-Vorsitzende: "Das wird so kommen, weil die Geimpften einen höheren Schutz haben".

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) forderte eine schnelleres Tempo bei den Auffrischungsimpfungen. Die Gesundheitsminister der Länder hätten die Booster-Impfungen für Hochbetagte in Pflegeeinrichtungen bereits im August beschlossen. "Das hätte längst passieren müssen." Die Verantwortung liege bei den Ländern, deshalb sei neben der Gesundheitsministerkonferenz auch ein Bund-Länder-Treffen zur Corona-Lage notwendig.

Spahn kritisierte, dass offenbar Menschen von Hausärzten abgewiesen würden, die eine Auffrischungsimpfung wollten, aber noch nicht entsprechend der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) über 70 Jahre alt seien. Er kündigte zu dem Thema noch für Donnerstagvormittag ein Gespräch mit Ärzteverbänden an.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Stichwahlen um kommunale Spitzenposten in Niedersachsen

Zwei Wochen nach der Kommunalwahl in Niedersachsen finden am Sonntag (08.00 Uhr) Stichwahlen um Oberbürgermeisterposten und andere Spitzenämter statt. In der Landeshauptstadt Hannover tritt Grünen-Amtsinhaber Belit Onay gegen SPD-Kandidat Axel von der Ohe an. In der Stichwahl zum Präsidenten der Region Hannover treffen SPD-Bewerberin Eva Bender und CDU-Kandidat Oliver Junk aufeinander. Onay und Bender siegten in der ersten Runde jeweils klar, verpassten aber absolute Mehrheiten.

Papst Leo XIV. besucht Pilgerort Lourdes - Treffen mit Missbrauchsopfern

Am dritten Tag seiner Frankreich-Reise besucht Papst Leo XIV. am Sonntag den Pilgerort Lourdes. Dort wird er auch mit sieben Menschen zusammentreffen, die in ihrer Kindheit Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester oder Lehrer an katholischen Schulen wurden (18.00 Uhr). Die katholische Kirche in Frankreich bemüht sich seit Jahren um die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, deren Zahl eine unabhängige Kommission seit 1950 auf 330.000 geschätzt hat.

Schweizer stimmen über Stärkung der Neutralität ab

Die Wähler in der Schweiz stimmen am Sonntag in einem Volksentscheid über den Vorschlag einer Initiative ab, die eine strengere Definition des Schweizer Neutralitätsgrundsatzes durchsetzen will. Zwar ist die Neutralität bereits in der Schweizer Verfassung verankert, die Initiative "Wahrung der Schweizer Neutralität" beklagt aber, dass Bern seinen Nichteinmischungsgrundsatz durch die Übernahme der EU-Sanktionen gegen Russland aufgeweicht habe.

Hessischer Ministerpräsident Rhein fordert Fortsetzung der "Stadtbild"-Debatte

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat nach den jüngsten Wahlerfolgen der AfD eine Fortsetzung der von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) angestoßenen "Stadtbild"-Debatte gefordert. "Da sind wir wieder bei einem Thema - und das ist das Stadtbild", sagte Rhein der "Bild am Sonntag". Die von Merz angestoßene Debatte sei "richtig" gewesen. "Doch, wir müssen es diskutieren und wir müssen dann am Ende auch Lehren daraus ziehen."

Textgröße ändern: