Deutsche Tageszeitung - Verfassungsbeschwerde zu Zwangsbehandlung scheitert in Karlsruhe

Verfassungsbeschwerde zu Zwangsbehandlung scheitert in Karlsruhe


Verfassungsbeschwerde zu Zwangsbehandlung scheitert in Karlsruhe
Verfassungsbeschwerde zu Zwangsbehandlung scheitert in Karlsruhe / Foto: ©

Das Bundesverfassungsgericht hat eine Verfassungsbeschwerde zur Zwangsbehandlung von Patienten außerhalb von Kliniken nicht zur Entscheidung angenommen. Der Beschwerdeführer, ein inzwischen verstorbener demenzkranker Mann, hätte sich an die Fachgerichte wenden müssen, erklärte das Gericht am Dienstag in Karlsruhe. Die Fachgerichte hätten noch nicht alle Fragen geklärt. Zudem stehe eine Evaluierung der Vorschrift an. (Az. 1 BvR 1575/18)

Textgröße ändern:

Das entsprechende Gesetz war 2017 neu geregelt worden. Es sieht vor, dass ärztliche Zwangsmaßnahmen ausschließlich stationär in einem Krankenhaus zulässig sind. Der Mann lebte in einem Pflegeheim und litt wegen seiner Demenz immer wieder unter wahnhaften Störungen. In diesen Zeiten nahm er seine Medikamente nicht. Sein Arzt wies ihn darum regelmäßig in eine Klinik ein, wo ihm die Medizin verabreicht wurde, war aber der Meinung, dass es besser für den Mann wäre, wenn er die Mittel im Pflegeheim bekäme, beispielsweise im Essen untergemischt.

Ein solches Vorgehen hielt das Betreuungsgericht aber für eine Zwangsmedikation. Eine Zwangsbehandlung könne beantragt werden, diese dürfe aber nur stationär in einem Krankenhaus erfolgen. Dagegen richtete sich die Verfassungsbeschwerde, die der Patient - vertreten durch seine Betreuerin - in Karlsruhe einreichte. Er sah mehrere Grundrechte verletzt. Eine Eilentscheidung lehnte das Gericht bereits 2018 ab, nun hatte auch die Verfassungsbeschwerde selbst keinen Erfolg.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

SPD-Generalsekretär fordert höhere Erbschaftsteuer und Vermögensteuer

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat Forderungen nach einer höheren Besteuerung großer Erbschaften sowie einer Wiedererhebung der Vermögensteuer für Superreiche bekräftigt. Man könne nicht sagen: "Wir sparen jetzt bei Gesundheit, wir haben eine Pflegereform vor uns, wir müssen bei der Rente etwas tun" und gleichzeitig denjenigen mit den allerhöchsten Vermögen und Erbschaften nicht zusätzlich etwas abverlangen, sagte Klüssendorf der "Bild am Sonntag".

Trump: USA und Israel setzen neue Angriffe auf den Iran aus

Die USA und Israel verzichten nach Angaben von US-Präsident Donald Trump vorübergehend auf weitere Angriffe auf den Iran. Die USA seien vom Iran und von weiteren Ländern in der Region darum gebeten worden, weil sich eine neue Vereinbarung abzeichne, schrieb Trump am Samstagabend (Ortszeit) auf seiner Onlineplattform Truth Social. Ein solcher Deal müsse aber "schnell" erzielt werden.

Streit um Migrationskrise in Ceuta: Sondersitzung der EU-Innenminister am Dienstag

Die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat zu schwerem Streit in der EU geführt. Die EU-Innenminister werden sich am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit den "Entwicklungen in Ceuta" befassen, wie die irische EU-Ratspräsidentschaft im Onlinedienst X ankündigte. Während mehrere EU-Mitgliedstaaten die spanische Regierung kritisierten, warf Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez einigen EU-Ländern eine "egoistische" und "rechtswidrige" Reaktion vor.

Wadephul: EU-Kommission muss Schutz der Außengrenzen "absolute Priorität" einräumen

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat die EU-Kommission nach der Ankunft zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta dazu aufgerufen, dem Schutz der Außengrenzen absolute Priorität einzuräumen. "Die Lage in Ceuta in den vergangenen Tagen war ein absoluter Stresstest, den wir bestanden haben", sagte Wadephul der "Bild am Sonntag". "Die Situation hat gerade auch die Anfälligkeit Europas gezeigt."

Textgröße ändern: