Deutsche Tageszeitung - COP26-Präsident: "Moment der Wahrheit" in Glasgow gekommen

COP26-Präsident: "Moment der Wahrheit" in Glasgow gekommen


COP26-Präsident: "Moment der Wahrheit"  in Glasgow gekommen
COP26-Präsident: "Moment der Wahrheit" in Glasgow gekommen / Foto: ©

Nach fast zweiwöchigen Verhandlungen nähert sich die UN-Klimakonferenz in Gasgow ihrem Ende: Der britische COP26-Präsident Alok Sharma rief die Delegationen aus fast 200 Staaten am Samstag eindringlich auf, Kompromissbereitschaft zu zeigen und die vorliegenden Verhandlungstexte noch am Nachmittag abzusegnen. Dies sei "der Moment der Wahrheit", sagte Sharma in einer informellen Plenumssitzung. Die Schwellen- und Entwicklungsländer äußerten sich "tief enttäuscht" über die getroffenen Regelungen zu Klimahilfen, signalisierten aber dennoch ihre Bereitschaft zur Zustimmung.

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Nun sei der "Moment der Wahrheit für unseren Planeten, für unsere Kinder und unsere Enkel" gekommen, mahnte Sharma. "Wenn auch nicht jeder Aspekt von jedem begrüßt werden wird, ist das insgesamt ein Paket, das die Dinge wirklich voranbringt", sagte der COP-Präsident über die vorgelegten Entscheidungstexte.

EU-Kommissionsvize Frans Timmermans warnte vor dem "Risiko, in diesem Marathon ein paar Meter vor der Ziellinie ins Straucheln zu geraten". "Töten Sie nicht diesen Moment" mit Forderungen nach einem erneuten Aufschnüren des Verhandlungspakets, appellierte Timmermans.

Die Weltklimakonferenz hatte am 31. Oktober begonnen und sollte eigentlich bereits am Freitagabend enden. Wegen Differenzen unter anderem über die Klimahilfen für ärmere Staaten war die Konferenz aber wie in den Vorjahren in die Verlängerung gegangen.

Der Vorsitzende der G77, Ahmadou Sebory Touré, äußerte im Plenum "extreme Enttäuschung" seines Zusammenschlusses aus zahlreichen Entwicklungs- und Schwellenländern, darüber dass in Glasgow keine konkreten Zusagen für die Unterstützung ärmerer Länder bei der Bewältigung bereits eingetretener Klimaschäden erreicht worden seien. Im "Geiste des Kompromisses" seien die G77-Länder aber dennoch zur Zustimmung bereit. Auch die Vertreter vieler anderer Staaten sagten trotz Kritikpunkten ihre Zustimmung zu.

Der Umgang mit Klimaschäden war bis zuletzt einer der wichtigsten Streitpunkte. Anders als die Hilfen für ärmere Länder beim Klimaschutz und bei Maßnahmen zur Anpassung an die Erderwärmung gibt es für bereits entstandene Schäden weiterhin keinen internationalen Mechanismus für Hilfszahlungen.

Länder wie Gabun und die Schweiz äußerten sich besorgt über die in Glasgow ausgearbeiteten Regeln für die Nutzung von Marktmechanismen im Klimaschutz. Dabei finanzieren Staaten oder Unternehmen Klimaschutzmaßnahmen in ärmeren Ländern und schreiben sich die dadurch entstehenden Emissionseinsparungen gut.

Die EU und andere Staaten setzten sich für strikte Regeln ein, um Schlupflöcher zu verhindern, die das Pariser Abkommen von 2015 untergraben könnten. Länder wie Brasilien stemmten sich dagegen. Letztlich mussten auch hier Kompromisse gemacht werden.

Indien nutzte das Plenum, um angesichts der historischen Verantwortung der Industriestaaten für den Klimawandel das "Recht" der Entwicklungsländer auf eine "verantwortungsvolle Nutzung" von fossilen Energieträgern zu unterstreichen. Anders als viele andere Staaten will Indien Klimaneutralität nicht 2050, sondern erst 2070 erreichen.

Im vorliegenden Text für die COP26-Rahmenentscheidung ist erstmals ausdrücklich eine Abkehr von Kohle und anderen fossilen Energieträgern enthalten. Die Staaten werden aufgerufen, "ihre Bemühungen in Richtung eines Ausstiegs" aus der Kohlenutzung zu beschleunigen und "ineffiziente Subventionen" für fossile Energieträger einzustellen. Auch wenn die Formulierungen seit dem ersten Entscheidungsentwurf zwei Mal abgeschwächt wurden, stufen es auch Umweltorganisationen als wichtiges Signal ein. Schließlich würde damit erstmals in einem COP-Beschluss explizit Stellung gegen die klimaschädlichen Energieträger genommen.

In den Verhandlungstexten wird außerdem das Maximalziel des Pariser Klimaabkommens gestärkt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Außerdem sollen Staaten ihre nationalen Klimaschutzziele, die derzeit bei Weitem nicht zur Erreichung dieses Ziels ausreichen, bereits bis Ende kommenden Jahres auf den Prüfstand stellen, drei Jahre früher als bislang geplant.

Derzeit steuert die Erde nach UN-Angaben auf eine Erwärmung von 2,7 Grad zu. NGOs und Aktivisten hatten von den Verhandlern in Glasgow daher entschiedene Beschlüsse zur Eindämmung der Klimakrise gefordert.

(U.Beriyev--DTZ)

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