Deutsche Tageszeitung - EU-Außenbeauftragter fordert von Minsk Beendigung der Flüchtlingskrise an Grenze

EU-Außenbeauftragter fordert von Minsk Beendigung der Flüchtlingskrise an Grenze


EU-Außenbeauftragter fordert von Minsk Beendigung der Flüchtlingskrise an Grenze
EU-Außenbeauftragter fordert von Minsk Beendigung der Flüchtlingskrise an Grenze / Foto: ©

Einen Tag vor der erwarteten Ausweitung der Sanktionen gegen Minsk haben der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und der belarussische Außenminister Wladimir Makei erstmals telefonisch über die Flüchtlingskrise an den EU-Grenzen zu Belarus gesprochen. Die derzeitige Situation sei "inakzeptabel" und müsse beendet werden, erklärte Borrell. Makei nannte neue Sanktionen gegen Belarus "kontraproduktiv". Unterdessen meldeten polnische Grenzbeamte die Festnahme von rund 50 Migranten, die die Grenze durchbrochen hätten.

Textgröße ändern:

Borrell schrieb am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter, er habe mit Makei die "prekäre humanitäre Situation an der Grenze zur EU" besprochen. "Das Leben der Menschen muss geschützt werden, und humanitären Organisationen muss Zugang gewährt werden." Er betonte: "Menschen sollten nicht als Waffen benutzt werden."

Makei habe Borrell über "die von Belarus ergriffenen Maßnahmen zur Verringerung des Zustroms von Migranten aus Asien, Afrika und dem Nahen Osten" informiert, hieß es in einer in Minsk veröffentlichten Erklärung. Die beiden sprachen laut Makei auch über die Zusammenarbeit mit UN-Organisationen, um den tausenden Migranten Hilfe zukommen zu lassen, die bei eisigen Temperaturen an der Grenze festsitzen.

Am Montag wollen die EU-Außenminister zusammenkommen, um die Sanktionen gegen Belarus auszuweiten. Sie waren nach der umstrittenen Wiederwahl Lukaschenkos und dessen brutalem Vorgehen gegen Proteste im eigenen Land verhängt worden.

Polen und andere EU-Länder beschuldigen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, als Vergeltung für diese Sanktionen Flüchtlinge gezielt an die Grenzen von Lettland, Litauen und Polen zu schleusen. Moskau unterstütze seinen Verbündeten Minsk dabei. "Ich möchte, dass es alle wissen. Wir haben nichts damit zu tun", entgegnete Russlands Präsident Wladimir Putin in einem Interview.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) drohte unterdessen Fluggesellschaften, die sich weiter am Transport von Flüchtlingen über Belarus beteiligen, mit dem Entzug von Überflugrechten und Landegenehmigungen in der EU. "Alle Fluglinien sollten dem Beispiel von Turkish Airlines und anderen folgen und sich Lukaschenkos Schleusergeschäft konsequent verweigern", erklärte Maas bei Twitter.

Die private syrische Fluggesellschaft Cham Wings hatte ihre Flüge nach Minsk am Samstag eingestellt, da sie "nicht zwischen Reisenden und Migranten unterscheiden" könne. Bereits am Freitag hatte Ankara für Menschen aus Syrien, Irak und dem Jemen die Weiterreise nach Belarus verboten.

Die polnische Polizei meldete unterdessen, es sei 50 Menschen gelungen, den Grenzzaun in der Nähe der Ortschaft Starzyna "gewaltsam" zu überwinden. Alle Beteiligten seien festgenommen worden.

Nach Angaben von Organisationen und örtlichen Medien kamen bislang mindestens zehn Migranten im Grenzgebiet ums Leben. Außerdem starb nach polnischen Angaben ein polnischer Soldat durch einen "unglücklichen Unfall".

Die Regierung in Warschau warnte vor weiteren geplanten Versuchen von Migranten, die Grenze zu stürmen. Unter den Flüchtlingen werde das Gerücht verbreitet, sie dürften die Grenze am Montag passieren und würden mit Bussen nach Deutschland gebracht, erklärte Polens Innenminister Mariusz Kaminski.

Polen schickte laut Kaminski eine Textnachricht an alle ausländischen Mobiltelefone entlang der Grenze, die den Aussagen über eine Grenzöffnung am Montag widerspreche. Auch die Bundesregierung wies die Gerüchte bei Twitter zurück. Wer immer diese verbreite, bringe damit Menschen "in große Gefahr", twitterte das Auswärtige Amt in mehreren Sprachen.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl forderte die EU auf, den Migranten die Einreise zu gestatten. "Darunter sind Menschen, die vor Krieg, Terror und Verfolgung fliehen. Sie haben ein Recht auf Schutz und Asyl in der EU", erklärte Geschäftsführer Günter Burkhardt.

(U.Stolizkaya--DTZ)

Empfohlen

Trump droht Iran mit neuen heftigen Angriffen - Teheran warnt US-Verbündete

Im Iran-Krieg stehen die Zeichen auf eine nochmalige Eskalation: US-Präsident Donald Trump hat Teheran mit neuen heftigen Angriffen gedroht. "Wir werden ihn ganz hart angehen", sagte Trump bei einer Kabinettssitzung in Camp David über den Iran. Das iranische Militär warnte am Samstag die Verbündeten Washingtons vor den "Flammen des Krieges". US-Vertretungen in mehreren Hauptstädten riefen US-Bürger auf, eine Ausreise aus der Region zu erwägen.

Ceuta-Krise lässt Gräben in der EU bei Migrationspolitik deutlich werden

Während sich die Lage in Ceuta nach der Ankunft zehntausender Migranten normalisiert, lassen die dramatischen Geschehnisse in der spanischen Exklave zunehmend Gräben in der EU bei der Migrationspolititik zutage treten. Die große Mehrheit der Mitgliedstaaten forderte am Samstag eine Dringlichkeitssitzung der Innenminister per Video, um "massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte" künftig zu verhindern. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez warf seinerseits einigen EU-Ländern eine "egoistische" und "rechtswidrige" Reaktion vor.

Infantino kippt Investoren-Plan nach Protest - Uefa entzieht Fifa-Chef dennoch Vertrauen

Fifa-Chef Gianni Infantino hat nach den heftigen Protesten seinen Plan für den Verkauf von WM-Anteilen an Investoren zurückgezogen - dennoch bleibt die Uefa auf Konfrontationskurs zu Infantino. Der europäische Fußballverband entzog dem 56-jährigen Schweizer am Samstag in einer Mitteilung das Vertrauen, kündigte eine umfassende Untersuchung an und erklärte: "Keine Option sollte ausgeschlossen werden." Infantino muss offenbar zunehmend um seine Wiederwahl an die Spitze des Weltfußballverbands fürchten.

Mindestens zehn Tote bei neuen russischen Raketenangriffen auf Kiew

Die russische Armee hat Kiew erneut massiv aus der Luft angegriffen - dabei wurden nach ukrainischen Angaben in der Nacht zum Samstag mindestens zehn Menschen in der Hauptstadtregion getötet und mehr als 30 weitere verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Luftabwehr habe nur eine der 27 auf Kiew abgefeuerten ballistischen Raketen abfangen können. US-Präsident Donald Trump hatte sich zuvor zurückhaltend zur möglichen Herstellung von Patriot-Abfangraketen in der Ukraine geäußert.

Textgröße ändern: