Deutsche Tageszeitung - Jury beginnt nach tödlichen Schüssen eines 17-Jährigen in Kenosha mit Beratungen

Jury beginnt nach tödlichen Schüssen eines 17-Jährigen in Kenosha mit Beratungen


Jury beginnt nach tödlichen Schüssen eines 17-Jährigen in Kenosha mit Beratungen
Jury beginnt nach tödlichen Schüssen eines 17-Jährigen in Kenosha mit Beratungen / Foto: ©

Im Prozess gegen den 18-jährigen US-Bürger Kyle Rittenhouse, der im vergangenen Jahr bei Anti-Rassismus-Protesten zwei Demonstranten erschossen hatte, nimmt eine Geschworenen-Jury am Dienstag ihre Beratungen auf. Die Anklage lautet unter anderem auf Mord. Das Verfahren ist politisch aufgeladen und sorgt landesweit für Aufsehen, da es im Zusammenhang mit den Black-Lives-Matter-Protesten vom vergangenen Jahr steht.

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Richter Bruce Schroeder forderte die Jury auf, sich nicht "von Sympathien, Leidenschaft, Vorurteilen oder politischen Einstellungen" leiten zu lassen. Auch die Meinung "des Präsidenten der Vereinigten Staaten oder die seines Vorgängers" dürfe keine Rolle spielen, sagte Schroeder mit Blick auf Joe Bidens Amtsvorgänger Donald Trump.

Wisconsins Gouverneur Tony Evers hat 500 Mitglieder der Nationalgarde des Bundesstaats in Bereitschaft versetzt, sollte es nach einem Urteil in dem Fall zu Unruhen kommen.

Rittenhouse’ Anwälte argumentieren, der damals 17-Jährige habe in Notwehr gehandelt. Die Anklage hatte dies am Montag zurückgewiesen und argumentiert, es sei Rittenhouse gewesen, der den Vorfall am 25. August 2020 "provoziert" habe. Er sei "in allen Punkten für schuldig zu befinden". Rittenhouse selbst hatte vergangene Woche vor Gericht gesagt, er "habe nichts falsch gemacht", sondern sich "selbst verteidigt".

Der mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffnete Teenager war im August 2020 nach Kenosha gereist und hatte sich dort bewaffneten Männern angeschlossen, die nach eigenen Angaben Geschäfte vor Plünderern schützten wollten. In der Stadt war es zu teils gewalttätigen Protesten gekommen, nachdem ein Polizist den Afroamerikaner Jacob Blake mit mehreren Schüssen in den Rücken schwer verletzt hatte.

Bei Auseinandersetzungen erschoss Rittenhouse zwei Männer und verletzte einen dritten schwer. Rittenhouse ist weiß, ebenso wie seine Opfer. Seine Anwälte argumentieren, er sei von Randalierern angegriffen worden und habe sich verteidigen müssen.

Nach seiner Festnahme wurde Rittenhouse zu einer Art Galionsfigur des rechten Lagers: Die Kaution von zwei Millionen Dollar kam durch Spenden schnell zusammen, zu seinen Unterstützern gehörte der Schauspieler und frühere Kinder-Star Ricky Schroder ("Der kleine Lord").

Auch der damalige Präsident Trump stellte sich hinter Rittenhouse: Dieser habe "in großen Schwierigkeiten" gesteckt, weil Demonstranten ihn "gewaltsam angegriffen" hätten, sagte der Rechtspopulist damals. "Er wäre vermutlich getötet worden."

In den USA hatte es im vergangenen Jahr nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz und weiteren Fällen von Polizeigewalt gegen Schwarze landesweite Anti-Rassismus-Proteste gegeben. Trump machte für Ausschreitungen am Rande der Proteste der Bewegung Black Lives Matter immer wieder linke Gruppen wie die Antifa verantwortlich.

(V.Korablyov--DTZ)

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