Deutsche Tageszeitung - Modi schafft umstrittene Agrarreform nach Massenprotesten in Indien wieder ab

Modi schafft umstrittene Agrarreform nach Massenprotesten in Indien wieder ab


Modi schafft umstrittene Agrarreform nach Massenprotesten in Indien wieder ab
Modi schafft umstrittene Agrarreform nach Massenprotesten in Indien wieder ab / Foto: ©

Die indische Regierung will nach fast einem Jahr andauernder Massenproteste von Landwirten ihre umstrittene Agrarreform wieder abschaffen. In einer Ansprache an die Nation kündigte Regierungschef Narendra Modi am Freitag an, dass die drei fraglichen Gesetze vom Parlament in der nächsten Sitzungsperiode, die Ende November beginnt, wieder aufgehoben werden sollen. Seit November letzten Jahres hatten tausende Bauern vor den Toren der Hauptstadt kampiert.

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"Ich appelliere an alle Landwirte, die sich an den Protesten beteiligt haben, nach Hause zurückzukehren, zu ihren Lieben, zu ihren Höfen und zu ihren Familien", sagte der 71-jährige Chef der hindu-nationalistischen Regierung. "Lasst uns einen Neuanfang machen und vorwärts gehen". Er entschuldigte sich dafür, dass die Regierung beim Vermitteln der Vorteile der Reform "versagt" habe.

Die im September 2020 verabschiedeten Reformen zielten auf die Deregulierung der Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse ab. Dort setzen staatliche Stellen seit Jahrzehnten garantierte Mindestpreise für die Ernte fest und sollen den häufig verarmten Landwirten das Überleben sichern. Rund zwei Drittel der 1,3 Milliarden Einwohner des Landes sind von der Landwirtschaft abhängig.

Die Regierung hatte angegeben, durch die Reformen die Agrarwirtschaft effizienter machen zu wollen, da viele Produkte verrotten, bevor sie auf de Markt kommen. Die Demonstranten sagten hingegen, die Änderungen, die wegen der Proteste nie umgesetzt wurden, würden es Großkonzernen erlauben, den kleinbäuerlich geprägten Agrarsektor komplett zu übernehmen.

Bei den Protesten starben mehrere Demonstranten, hunderte Polizisten wurden verletzt. Modis Kehrtwende erfolgte im Vorfeld wichtiger Wahlen in Bundesstaaten wie Punjab - wo viele der Bauern herkommen - und Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat Indiens mit 220 Millionen Einwohnern.

(W.Novokshonov--DTZ)

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