Deutsche Tageszeitung - Spahn nach Entscheidung zur Deckelung von Biontech-Lieferungen unter Druck

Spahn nach Entscheidung zur Deckelung von Biontech-Lieferungen unter Druck


Spahn nach Entscheidung zur Deckelung von Biontech-Lieferungen unter Druck
Spahn nach Entscheidung zur Deckelung von Biontech-Lieferungen unter Druck / Foto: ©

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stößt mit seiner Entscheidung auf Kritik, die Ausgabe von Biontech-Impfstoff an Arztpraxen zu deckeln. Mecklenburg-Vorpommerns Ressortministerin Stefanie Drese (SPD) befürchtete Verzögerungen in der Impfkampagne und kündigte Beratungen der Länder-Gesundheitsminister über das Thema an. Vertreter der Kassenärzte warnten vor Chaos in den Praxen. Das Bundesgesundheitsministerium betonte, es gebe genug Impfstoff für alle und warb weiter auch für den Alternativimpfstoff Moderna.

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"Beide Impfstoffe sind sicher, wirksam und gleich gut für Auffrischimpfungen geeignet", erklärte das Ministerium am Samstag. Bis Jahresende stünden 50 Millionen Dosen der neuartigen mRNA-Impfstoffe zur Verfügung. Davon entfielen 24,3 Millionen auf Biontech und gut 26 Millionen Dosen auf Moderna. "Weitere Impfstoff-Lieferungen durch die Hersteller folgen direkt im Januar und Februar."

Das Ministerium hatte am Freitag angekündigt, dass die Höchstabgabemenge von Biontech-Impfstoff auf 30 Impfdosen pro Woche pro niedergelassenem Arzt oder niedergelassener Ärztin beschränkt werde. Hintergrund ist demnach, dass die Medizinerinnen und Mediziner derzeit zu mehr als 90 Prozent Biontech nachfragen. Das Ministerium warb dabei dafür, vermehrt den Moderna-Impfstoff einzusetzen, da andernfalls ab Anfang kommenden Jahres der Verfall bereits eingelagerter Dosen drohe.

"Dieser geplante kurzfristige Wechsel der Impfstoffe ist eine Vollbremsung auf gerader Strecke für unsere gerade angelaufene Impfoffensive in Mecklenburg-Vorpommern", sagte die dortige SPD-Gesundheitsministerin Drese laut ihrem Ministerium beim Hausärztetag in Rostock. "Die Impfkampagne ist auf Biontech ausgerichtet, eine Umstellung auf Moderna kostet Praxen und Impfzentren neue Kraft und braucht Zeit, die wir nicht haben."

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach von einem "schwierigen Beschluss". Er finde ihn nicht richtig, "weil viele Menschen in Deutschland vertrauen dem Biontech-Impfstoff besonders", sagte er im Deutschlandfunk. "Man kann den Moderna-Impfstoff zusätzlich anbieten, aber das liefe ja jetzt darauf hinaus, dass es dann in dieser Zeit kein Biontech gäbe. Das können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht leisten."

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayern (KVB) forderte Spahn auf, die Biontech-Begrenzung zurückzunehmen. Dass die Ärzte ab kommender Woche nur noch Moderna in unbegrenzter Menge bestellen könnten, werde in den Praxen "ein heilloses Durcheinander" erzeugen, erklärte der KVB-Vorstand am Samstag. Denn die meisten Impftermine seien für den Biontech-Impfstoff vereinbart.

In den Praxen in Bayern wurde demnach bisher bei 85 Prozent aller Impfungen Biontech genutzt. Nur 0,2 Prozent seien mit Moderna erfolgt. Der Erklärungsbedarf gegenüber den Patienten bei einer Umstellung auf Moderna wäre "gewaltig" und von den Ärzten in "keiner Form zu leisten", warnte die Vereinigung.

Drese zufolge soll das Thema nun bei der Konferenz der Gesundheitsminister der Länder (GMK) kommende Woche besprochen werden. Dies habe sie bereits mit dem bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) vereinbart, der den GMK-Vorsitz innehat. An den Beratungen nimmt üblicherweise auch Spahn teil.

(M.Dylatov--DTZ)

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