Deutsche Tageszeitung - Amtsinhaber Radew hofft bei Präsidentschaftswahl in Bulgarien auf Wiederwahl

Amtsinhaber Radew hofft bei Präsidentschaftswahl in Bulgarien auf Wiederwahl


Amtsinhaber Radew hofft bei Präsidentschaftswahl in Bulgarien auf Wiederwahl
Amtsinhaber Radew hofft bei Präsidentschaftswahl in Bulgarien auf Wiederwahl / Foto: ©

In Bulgarien haben die Menschen am Sonntag einen neuen Präsidenten gewählt. Als Favorit bei der Stichwahl galt Amtsinhaber Rumen Radew, der mit 49 Prozent der Stimmen als stärkster Kandidat aus der ersten Wahlrunde hervorgegangen war. Sein Herausforderer ist der 58-jährige Rektor der Universität von Sofia, Anastas Gerdschikow, der von der konservativen Gerb-Partei von Ex-Regierungschef Bojko Borissow unterstützt wird. Erste Prognosen werden kurz nach der Schließung der Wahllokale um 19.00 Uhr erwartet.

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Der ehemalige Kampfpilot Radew ist der beliebteste Politiker Bulgariens. Die politische Landschaft des südosteuropäischen Landes insgesamt ist aber von großer Fragmentierung geprägt.

Radew hatte den Kampf gegen die Korruption zum Mittelpunkt seiner ersten Amtszeit gemacht und damit das weitgehend repräsentative Präsidentenamt in Bulgarien in besonderer Weise geprägt. Im Wahlkampf war der früher von den Sozialisten unterstützte 58-Jährige als unabhängiger Kandidat angetreten. Seine Wiederwahl könnte aus Sicht von Beobachtern eine Phase der Stabilität in Bulgarien einleiten - insbesondere nach dem überraschenden Wahlsieg einer neu gegründeten Anti-Korruptionspartei bei der Parlamentswahl am vergangenen Wochenende.

Gerdschikow hatte in der ersten Wahlrunde zwar nur 23 Prozent der Stimmen geholt. In der Stichwahl könnte er Radew aber dennoch gefährlich werden: So weiß der Universitätsrektor die Unterstützung der konservativen Gerb-Partei hinter sich, aber auch jene weiter Teile der großen türkischen Minderheit im Land.

Auch eine niedrige Wahlbeteiligung könnte Gerdschikow nach Einschätzung von Experten nutzen. Bei der ersten Wahlrunde am vergangenen Sonntag hatten nur 40 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben.

"Diese Wahl ist ein Kampf zwischen zwei Visionen: Der weichen Toleranz der endemischen Korruption und die harte Opposition eines Regierungsmodells, das die öffentliche Macht zu privaten Zwecken nutzt", schrieb der Politikwissenschaftler Antonij Todorow von der Neuen Bulgarischen Universität in dieser Woche in einem Blog-Beitrag.

Während der Amtszeit des konservativen Regierungschefs Borissow galt Radew als dessen erbitterter Gegner. Im Sommer hatte der Präsident an Demonstrationen gegen die Regierung gestellt und dabei mit erhobener Faust "Mafia raus" gerufen. In einer TV-Debatte am Donnerstag sagte Radew, mit Blick auf seine erste Amtszeit bedauere er am meisten, dass es ihm nicht gelungen sei, "rascher zum Sturz des Borissow-Regimes beizutragen".

(S.A.Dudajev--DTZ)

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