Deutsche Tageszeitung - Ex-Fahrer aus Ruanda wegen Beihilfe zum Völkermord in Paris vor Gericht

Ex-Fahrer aus Ruanda wegen Beihilfe zum Völkermord in Paris vor Gericht


Ex-Fahrer aus Ruanda wegen Beihilfe zum Völkermord in Paris vor Gericht
Ex-Fahrer aus Ruanda wegen Beihilfe zum Völkermord in Paris vor Gericht / Foto: ©

Ein 60 Jahre alter ehemaliger Fahrer aus Ruanda muss sich seit Montag in Paris wegen Beihilfe zum Völkermord vor Gericht verantworten. Die Anklage wirft ihm vor, mehrfach Opfer zu Hinrichtungsorten gefahren zu haben. Claude Muhayimana beantwortete zum Auftakt des Prozesses zunächst mit fester Stimme die Fragen des Richters zu seiner Identität.

Textgröße ändern:

1994 waren in Ruanda etwa 800.000 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen aus der Volksgruppe der Tutsi. Es ist der dritte Prozess in Frankreich gegen mutmaßliche Mitverantwortliche für den Völkermord.

Im Unterschied zu den früheren Prozessen gegen ehemalige Bürgermeister und einen Militär-Vertreter sitzt nun erstmals - mit den Worten seines Anwalts - ein "ganz normaler Bürger" auf der Anklagebank.

Muhayimana, der als Fahrer eines Hotels in der Region Kivu arbeitete, soll nach Zeugenaussagen Menschen zu den Orten gefahren haben, an denen Zehntausende grausam getötet wurden. Es gibt jedoch auch Zeugen, die ihm bescheinigen, Tutsi gerettet zu haben.

Muhayimana war 2014 im französischen Rouen festgenommen worden, ein Jahr nachdem eine Organisation, die nach Frankreich geflohene mutmaßliche Völkermörder aufspürt, Ermittlungen angestoßen hatte. Muhayimana hat inzwischen die französische Nationalität erhalten.

Der Prozess soll rund einen Monate dauern. Unter den etwa 50 geladenen Zeugen sind 15 dafür aus Ruanda angereist. Dem Angeklagten droht lebenslängliche Haft. "Die mutmaßlichen Völkermörder und ihre Komplizen sollen wissen, dass jede Stufe in der Vernichtungsmaschinerie zählt, und dass sie in Frankreich und anderswo verfolgt werden", betonte die Opfer-Organisation Ibuka.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Guterres-Nachfolge bei der UNO: Costaricanerin nach erster Abstimmung vorn

An der Spitze der UNO könnte ab Januar womöglich erstmals eine Frau aus Lateinamerika stehen. Nach einer ersten Abstimmung über die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres in New York lag Diplomaten zufolge am Donnerstag die Costa Ricanerin Rebeca Grynspan vorne. Auf Platz zwei kam eine Kandidatin aus dem Karibikstaat Guayana.

Nach Angriff auf Hafen von Damietta: Ägyptens Präsident warnt vor Eskalation

Nach dem Einschlag einer Drohne im ägyptischen Mittelmeerhafen Damietta hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi vor einer Eskalation des Konflikts in der Region gewarnt. In einem Telefonat mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez habe al-Sisi die Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit betont, um "diese Eskalation zu stoppen", sagte sein Sprecher am Donnerstag.

Mehr als 1500 Migranten erreichen spanische Exklave Ceuta - Madrid entsendet Soldaten

"Humanitärer und sozialer Notstand" in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika: Nach der Ankunft von mehr als 1500 Migranten binnen weniger Tage sind die Aufnahmeeinrichtungen in dem an Marokko grenzenden Gebiet überfüllt, wie Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärte. Hunderte weitere Menschen gelangten am Donnerstag nach Ceuta, mindestens neun Menschen ertranken bei dem Versuch, bis zu der spanischen Exklave zu schwimmen. Die Regierung in Madrid kündigte die Entsendung von Soldaten an.

Zwei Republikaner blockieren Nominierung von Trumps Justizminister Blanche

US-Präsident Donald Trump ist erneut mit Widerstand im eigenen Lager konfrontiert: Zwei scheidende Senatoren der Republikaner blockieren die Bestätigung von Trumps früherem Anwalt Todd Blanche als Justizminister. Trump erklärte deshalb am Donnerstag, er könne Blanches Nominierung "zeitweise zurückziehen", bis die beiden Parteirebellen aus dem Kongress ausgeschieden seien.

Textgröße ändern: