Deutsche Tageszeitung - Diplomaten: UN-Sondergesandter für Libyen überraschend zurückgetreten

Diplomaten: UN-Sondergesandter für Libyen überraschend zurückgetreten


Diplomaten: UN-Sondergesandter für Libyen überraschend zurückgetreten
Diplomaten: UN-Sondergesandter für Libyen überraschend zurückgetreten / Foto: ©

Nur einen Monat vor der wichtigen Präsidentschaftswahl in Libyen hat der UN-Sondergesandte für das nordafrikanische Krisenland, Jan Kubis, sein Amt überraschend niedergelegt. "Kubis ist zurückgetreten", bestätigte ein Diplomat am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Eine offizielle Begründung für den Schritt lag zunächst nicht vor. Aus Diplomatenkreisen hieß es, der Slowake habe möglicherweise den Eindruck gehabt, "dass er nicht genug Unterstützung hat".

Textgröße ändern:

Der 69-jährige Kubis hatte das Amt des UN-Sondergesandten für Libyen erst im Januar übernommen. Sein Rücktritt folgt auf eine vor wenigen Wochen im UN-Sicherheitsrat ausgetragene Debatte über eine Umgestaltung der politischen Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Libyen. Mehrere Ratsmitglieder forderten dabei die Verlegung des Postens des Sondergesandten von Genf nach Tripolis. Nach Angaben aus Diplomatenkreisen stand Kubis diesen Forderungen skeptisch gegenüber.

Der Rücktritt des erfahrenen UN-Diplomaten kommt zu einem heiklen Zeitpunkt im innerlibyschen Friedensprozess. Am 24. Dezember soll in Libyen die Präsidentschaftswahl stattfinden. Aus Sicht der internationalen Gemeinschaft ist die Abstimmung ein entscheidender Schritt in den Bemühungen um die dauerhafte Befriedung des Landes.

Am Montag hatte die Frist zur Einreichung von Präsidentschaftskandidaturen geendet. Nach Angaben der libyschen Wahlkommission gab es 98 Bewerbungen, darunter nur zwei von Frauen. Zu den prominentesten Bewerbern gehören Seif al-Islam Gaddafi, der Sohn des 2011 gestürzten Langzeit-Machthabers Muammar al-Gaddafi, sowie der im Osten und Süden Libyens äußerst mächtige General Chalifa Haftar. Auch der frühere Innenminister Fathi Baschagha und der Chef der Übergangsregierung in Tripolis, Abdulhamid Dbeibah, haben ihre Kandidatur eingereicht.

Libyen ist seit dem Sturz Muammar al-Gaddafis 2011 von gewaltsamen Konflikten und Machtkämpfen geprägt. Auch ausländische Truppen und Söldnergruppen etwa aus Russland und der Türkei sind vor Ort in Kämpfe verwickelt. Eine seit gut einem Jahr geltende Waffenruhe in dem Land gilt als brüchig. Die geplanten Wahlen sind Teil eines unter UN-Aufsicht stehenden Demokratisierungsprozesses des Landes.

Ursprünglich waren für den 24. Dezember sowohl die Präsidentschafts- als auch die Parlamentswahl geplant gewesen. Die Parlamentswahl wurde jedoch vor dem Hintergrund von Machtkämpfen zwischen den einflussreichen politischen Gruppen des Landes um einen Monat verschoben.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Frühere Miliz: Mindestens 20 Tote bei Angriffen der USA und Saudi-Arabiens im Irak

Bei den gemeinsamen Luftangriffen der USA und Saudi-Arabiens auf Ziele im Irak sind einer früheren pro-iranischen Miliz zufolge mindestens 20 ihrer Mitglieder getötet worden. Weitere 32 Kämpfer seien bei den Angriffen verletzt worden, teilte der Hasched al-Schaabi (Volksmobilisierungskräfte) am Mittwoch mit. Dabei handele es sich um eine vorläufige Bilanz.

SPD-Fraktionschef Miersch zu Kabinettsumbildung: Jetzt sollte wieder Ruhe einkehren

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch hat die Erwartung geäußert, dass nach den Debatten um die Kabinettsumbildung durch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sich die Lage nun wieder beruhigt. "Der Kanzler selbst hat ja gesagt, dass er sich das anders gewünscht hätte", sagte Miersch am Mittwoch in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv. "Insofern gehe ich jetzt aber davon aus, dass mit dem heutigen Tage dann auch wirklich wieder Ruhe einkehrt."

CDU-Politikerin dos Santos-Wintz rechnet mit gutem Ergebnis für Frei

Die CDU-Politikerin Catarina dos Santos-Wintz rechnet mit einem "guten" Ergebnis für Thorsten Frei (CDU) bei seiner Wahl zum Chef der Unionsfraktion. "Thorsten Frei ist ein exzellenter Kandidat als Fraktionsvorsitzender", sagte dos Santos-Wintz am Mittwoch im ARD-"Morgenmagazin". Frei kenne aus seiner Zeit als erster parlamentarischer Geschäftsführer in der letzten Wahlperiode "die Fraktion in- und auswendig". Er wisse also genau, was die Rolle einer Fraktion sei.

Ex-Miliz: Mindestens zehn Tote bei Angriffen der USA und Saudi-Arabiens im Irak

Bei den gemeinsamen Luftangriffen der USA und Saudi-Arabiens auf Ziele im Irak sind Kreisen einer inzwischen in die irakische Armee eingegliederten früheren pro-iranischen Miliz zufolge mindestens zehn ihrer Mitglieder getötet worden. Aus Kreisen der Hasched al-Schaabi erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, mehrere Miliz-Standorte in verschiedenen Regionen des Landes seien attackiert worden. Der schwerste Angriff sei in der Provinz Nineweh erfolgt, wo "mindestens zehn Mitglieder getötet wurden".

Textgröße ändern: