Deutsche Tageszeitung - Corona-Inzidenz erstmals über 400 - Neues Infektionsschutzgesetz in Kraft getreten

Corona-Inzidenz erstmals über 400 - Neues Infektionsschutzgesetz in Kraft getreten


Corona-Inzidenz erstmals über 400 - Neues Infektionsschutzgesetz in Kraft getreten
Corona-Inzidenz erstmals über 400 - Neues Infektionsschutzgesetz in Kraft getreten / Foto: ©

Angesichts des ungebremsten Anstiegs der Corona-Infektionszahlen rückt eine Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeheimen und Kliniken offenbar näher. Das Bundesgesundheitsministerium erarbeitete im Auftrag der Ampel-Parteien die Formulierungshilfe für ein solches Gesetz, wie der "Spiegel" berichtete. Am Mittwoch trat unterdessen das neue Infektionsschutzgesetz in Kraft, somit gelten nun 3G-Regeln am Arbeitsplatz und im öffentlichen Verkehr. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg derweil erstmals über den Wert von 400 stieg.

Textgröße ändern:

Die Impfpflicht in Pflegeheimen und Kliniken könnte dem "Spiegel" zufolge zum Jahreswechsel mit einer Übergangsfrist starten. Wer zu Jahresbeginn noch keinen Impfnachweis vorlegen kann, soll dies bis zum 31. März nachholen können, wie es in dem Bericht hieß. Arbeitgeber sollten damit den Impf- oder Genesenenstatus ihrer Beschäftigten prüfen können. Eine Missachtung soll demnach als Ordnungswidrigkeit behandelt werden, die mit Bußgeldern geahndet wird.

Der Entwurf kam nach AFP-Informationen auf Bitten der Ampel-Parteien zustande. Die Formulierungshilfe des Ministeriums dient als Vorlage für die Beratungen der angehenden Ampel-Koalition, wie der "Spiegel" schrieb. Möglicherweise werde der Entwurf noch überarbeitet.

Bereits am Mittwoch trat die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes in Kraft. Bundestag und Bundesrat hatten die von dem Ampel-Parteien auf den Weg gebrachte Neuregelung in der vergangenen Woche gebilligt. Am Montag wurde das Gesetz von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterzeichnet und am Dienstag im Bundesgesetzblatt verkündet.

Damit greift nun die 3G-Regel am Arbeitsplatz sowie im öffentlichen Nah- und Fernverkehr, zudem gelten einheitliche Testpflichten in Pflege- und Altenheimen. Das Gesetz ermöglicht es zudem, Corona-Eindämmungsmaßnahmen wie die Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen auch nach Auslaufen der epidemischen Lage von nationaler Tragweite am Donnerstag beizubehalten.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erreichte derweil den 17. Tag in Folge einen neuen Höchststand. Der Wert liegt jetzt bei 404,5, wie das Robert Koch-Institut (RKI) unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte. Die Zahl der Todesopfer der Pandemie in Deutschland stieg auf 99.768. Die Marke von 100.000 Toten könnte somit am Donnerstag überschritten werden.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Überlegungen für eine Impfpflicht in Pflegeheimen. Eine solche Regelung werde die "vierte Welle nicht brechen", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der "Rheinischen Post". Tägliche Tests in den Einrichtungen seien "das einzig effiziente Mittel".

Angesichts der verschärften Corona-Lage reißt auch die Debatte über eine allgemeine Impfpflicht nicht ab. "Wir können aus meiner Sicht langfristig auf eine Impfpflicht nicht verzichten", sagte der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach im ARD-"Morgenmagazin".

CDU-Vorsitzkandidat Friedrich Merz äußerte sich skeptisch über eine allgemeine Impfpflicht, hält eine solche Verpflichtung im öffentlichen Dienst aber für denkbar. "Ich finde, es ist eine staatsbürgerliche Verpflichtung derjenigen, die diesem Staat dienen und dafür auch Privilegien besitzen, eine Impfung zu akzeptieren", sagte Merz der "Zeit".

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hält hingegen auch eine generelle Impfpflicht im Notfall für angebracht, wie KBV-Vize Stephan Hofmeister in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv sagte.

Auch die stellvertretende Vorsitzende des Ethikrats, Susanne Schreiber, hält eine allgemeine Impfpflicht nicht mehr für ausgeschlossen. Je nach Dramatik der Lage könne sie "aus ethischer Sicht nicht mehr grundsätzlich abgelehnt werden, um das Pandemiegeschehen langfristig in den Griff zu bekommen", sagte Schreiber der "Rheinischen Post".

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Merz nimmt an Jahrestreffen von Wirtschaftsinitiative "Made for Germany" teil

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) besucht am Mittwoch (ab 17.30 Uhr) das Jahrestreffen der Wirtschaftsinitiative "Made for Germany" in Berlin. Merz wird dort einen Impulsvortrag halten und anschließend mit Mitgliedern der Initiative sprechen. Später ist ein gemeinsames Pressestatement von Merz und Siemens-Chef Roland Busch sowie Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing geplant. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hält bereits um 16.00 Uhr eine Rede.

Abgeordneter: Zwei nordkoreanische Kriegsgefangene kürzlich aus Ukraine in Südkorea eingetroffen

Zwei Tage nach der Einbestellung des ukrainischen Gesandten in Seoul wegen des mutmaßlichen Verstoßes der Ukraine gegen eine vertrauliche Vereinbarung zur Übergabe von zwei nordkoreanischen Kriegsgefangenen hat ein südkoreanischer Parlamentarier die Ankunft der beiden Männer in Südkorea bestätigt. "Auch wenn ich das genaue Datum ihrer Ankunft in Südkorea nicht nennen kann, so kann ich doch bestätigen, dass die beiden Mitte September eintrafen", erklärte der Abgeordnete Youn Kun Young am Mittwoch. Er war demnach zuvor vom südkoreanischen Geheimdienst informiert worden.

Mehr als 100 israelische Siedler attackieren Dorf im Westjordanland

Mehr als 100 israelische Siedler haben am Dienstag ein Dorf im besetzten Westjordanland attackiert. Bei dem Angriff auf das Dorf Dschalud im Norden des Palästinensergebiets wurden nach Angaben der israelischen Armee zwei Häuser in Brand gesetzt und drei israelische Polizisten verletzt. Die Polizei teilte mit, sie habe einen Verdächtigen festgenommen und zwei Minderjährige zum Verhör mitgenommen.

Kasachstans Präsident preist bei Besuch in Berlin "exzellente" Beziehungen zu Putin

Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat bei einem Besuch in Berlin seine "exzellenten Beziehungen" zu Kreml-Chef Wladimir Putin gepriesen. "Was auch immer in der Ukraine passiert, wir werden niemals vergessen, dass Russland und die Ukraine unsere Freunde sind", sagte Tokajew am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Textgröße ändern: