Deutsche Tageszeitung - Britische Abgeordnete wegen Mitnahme ihres Babys ins Parlament abgemahnt

Britische Abgeordnete wegen Mitnahme ihres Babys ins Parlament abgemahnt


Britische Abgeordnete wegen Mitnahme ihres Babys ins Parlament abgemahnt
Britische Abgeordnete wegen Mitnahme ihres Babys ins Parlament abgemahnt / Foto: ©

Weil sie ihr drei Monate altes Baby zu einer Debatte im Parlament mitgebracht hat, ist die britische Abgeordnete Stella Creasy abgemahnt worden. Die Politikerin veröffentlichte bei Twitter ein Foto von einem offiziellen Schreiben, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass Abgeordnete nicht "in Begleitung eines Kindes" im Unterhaus erscheinen dürften. Der Vorfall löste am Mittwoch parteiübergreifend Empörung aus. Die Unterhaus-Regeln sollen laut dem Parlamentspräsidenten nun auf den Prüfstand.

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"Anscheinend kann ich nicht mit meinem gut erzogenen und schlafenden drei Monate alten Baby kommen, wenn ich vor der Kammer spreche", schrieb Creasy, die der oppositionellen Labour-Partei angehört, bei Twitter. Sie fügte hinzu, dass es im Gegensatz keine Vorschriften gebe, "die das Tragen einer Maske betreffen". "Es scheint, als sollten Mütter in der Mutter aller Parlamente weder gesehen noch gehört werden."

Creasy, die sich für die Rechte von Politikerinnen mit Kindern einsetzt, war bereits zuvor mit ihrer Tochter und später mit ihrem neugeborenen Sohn im Parlament erschienen. Ende September brachte sie ihren Neugeborenen zu einer Sitzung im Unterhaus und forderte den Vorsitzenden Jacob Rees-Mogg auf, Mütter bei ihrer Rückkehr ins Parlament zu unterstützen und nicht "abzustrafen", da ihnen kein richtiger Mutterschutz zustehe.

Die britische Regierung hatte im Februar einen sechsmonatigen bezahlten Mutterschutz für hochrangige Ministerinnen angekündigt, Abgeordnete haben darauf jedoch keinen Anspruch.

Die Parlamentsregeln zur Mitnahme von Kindern wurden in der Vergangenheit offenbar nicht immer einheitlich ausgelegt: Die Labour-Abgeordnete Alex Davies-Jones erklärte bei Twitter, dass Parlamentspräsident Lindsay Hoyle ihr 2019 versichert habe, dass sie ihr Baby in der Westminster Hall - einem historischen Gebäude, das für einige Sitzungen der Abgeordneten genutzt wird - stillen dürfe.

Hoyle erklärte am Mittwoch, er habe von Creasys Abmahnung nichts gewusst. Ein Ausschuss soll laut dem Parlamentspräsidenten nun eine Reform der Unterhaus-Regeln prüfen. "Es ist äußerst wichtig, dass Eltern von Babys und Kleinkindern in der Lage sind, in vollem Umfang an der Arbeit dieses Hauses teilzunehmen", sagte er.

Premierminister Boris Johnson würde eine Reform der Regeln laut seinem Sprecher unterstützen, da Arbeitsplätze generell "modern und flexibel sein und ins 21. Jahrhundert passen sollten". Die Entscheidung darüber liege jedoch beim Parlament, erklärte der Sprecher.

Auch Justizminister Dominic Raab erklärte, er habe sehr viel Verständnis für Creasy. "Wir müssen uns daran anpassen, dass wir im 21. Jahrhundert leben", sagte er dem Sender Sky News.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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