Deutsche Tageszeitung - Mindestens 31 Tote bei Unglück mit Flüchtlingsboot im Ärmelkanal

Mindestens 31 Tote bei Unglück mit Flüchtlingsboot im Ärmelkanal


Mindestens 31 Tote bei Unglück mit Flüchtlingsboot im Ärmelkanal
Mindestens 31 Tote bei Unglück mit Flüchtlingsboot im Ärmelkanal / Foto: ©

Im Ärmelkanal sind nach dem Kentern eines Flüchtlingsbootes mindestens 31 Menschen gestorben. Das Unglück ereignete sich nach Angaben der französischen Polizei am Mittwoch vor der Küste von Calais. Der britische Premierminister Boris Johnson, in dessen Land die Flüchtlinge wollten, berief eine Krisensitzung ein. Frankreichs Premierminister Jean Castex sprach von einer "Tragödie". Vier mutmaßliche Schleuser wurden festgenommen.

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Die Besatzung eines Bootes der französischen Marine sah am Nachmittag vor der Küste von Calais Menschen im Wasser treiben. Mehrere Schiffbrüchige seien teils bewusstlos von der Marine an Bord genommen worden, teilte das Innenministerium mit.

Drei Hubschrauber und drei Boote waren an der Rettungsaktion beteiligt. Die Leichen wurden in einen Hangar im Hafen von Calais gebracht. Laut der Verwaltung für Meeresangelegenheiten wurde die Suche nach dem gekenterten Schiff vorerst eingestellt.

Die Staatsanwaltschaft in Dünkirchen nahm Ermittlungen wegen "besonders schweren Totschlags" auf. Innenminister Gérald Darmanin gab am Abend die Festnahme von vier mutmaßlichen Schleusern bekannt. Er reiste zudem nach Calais.

"Der Ärmelkanal wird allmählich zu einem Friedhof, so wie das Mittelmeer", sagte Pierre Roques von der Hilfsorganisation L’Auberge des Migrants. Ähnlich äußerte sich auch Staatschef Emmanuel Macron. "Frankreich wird nicht zulassen, dass der Ärmelkanal zu einem Friedhof wird", sagte er und forderte "eine Dringlichkeitssitzung der von der Migrationsherausforderung betroffenen europäischen Minister".

Mehrere Politiker erklärten, dass mehr getan werden müsse, um die Schlepper zu bekämpfen. "Wir brauchen mehr Mittel, um das Netz der Schlepper zu zerstören, die das Elend ausnutzen", schrieb der konservative Präsidentschaftskandidat Xavier Bertrand auf Twitter.

Er sei "schockiert, empört und zutiefst betrübt" über das Unglück, sagte der britische Premier Johnson nach einem Krisentreffen seiner Regierung in London. Er wolle gemeinsam mit Frankreich "mehr" gegen illegale Überfahrten tun, wies jedoch auf Meinungsverschiedenheiten mit Paris hin. "Wir hatten Schwierigkeiten, einige unserer Partner, insbesondere die Franzosen, davon zu überzeugen, der Situation angemessen zu handeln", sagte er dem Sender Sky News.

Vor einigen Tagen war bekannt geworden, dass die französische Polizei 15 mutmaßliche Schlepper aus dem Irak, Rumänien, Pakistan und Vietnam in Gewahrsam genommen hat. Sie sollen monatlich etwa 250 Migranten in Booten nach Großbritannien gebracht haben. Für die Überfahrt hätten sie 6000 Euro pro Person erhalten und insgesamt drei Millionen Euro Gewinn gemacht.

Nach Angaben der zuständigen Präfektur gab es seit Jahresbeginn 31.500 Versuche von Flüchtlingen, über den Ärmelkanal von Frankreich nach Großbritannien zu kommen. Etwa 7800 Menschen wurden aus Seenot gerettet. Insgesamt sind 2021 bislang mindestens 34 Menschen gestorben oder gelten als vermisst. Nach britischen Angaben sind seit Jahresbeginn etwa 22.000 Migranten über den Ärmelkanal nach Großbritannien gekommen.

In der Gegend von Calais halten sich zahlreiche Migranten auf. Hilfsorganisationen kritisieren, dass Sicherheitskräfte regelmäßig deren Lager räumen und dabei Zelte und Schlafsäcke zerstören. Den Migranten werden Notunterkünfte in anderen Landesteilen angeboten. Viele von ihnen versuchen jedoch weiter, nach Großbritannien zu gelangen.

Die Überfahrten von Migranten nach Großbritannien tragen erheblich zu den Spannungen zwischen Paris und London bei. Viele Migranten wollen nach Großbritannien, weil sie die Sprache sprechen und dort bereits Bekannte oder Verwandte haben.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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