Deutsche Tageszeitung - Baerbock und Wissing halten sich Frage nach allgemeiner Impfpflicht offen

Baerbock und Wissing halten sich Frage nach allgemeiner Impfpflicht offen


Baerbock und Wissing halten sich Frage nach allgemeiner Impfpflicht offen
Baerbock und Wissing halten sich Frage nach allgemeiner Impfpflicht offen / Foto: ©

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und FDP-Generalsekretär Volker Wissing halten sich die Frage offen, ob es in Deutschland eine allgemeine Corona-Impfpflicht geben wird. Ihre Partei schließe diese nicht aus, sagte Baerbock dem "Spiegel" laut Vorabmeldung vom Freitag. "Aber akut hilft sie nicht, die vierte Welle zu verlangsamen", gab die designierte Bundesaußenministerin zu bedenken.

Textgröße ändern:

Ein Teil der Verunsicherung in der Bevölkerung rühre daher, dass zu oft Dinge angekündigt worden seien, die dann nicht erfolgt seien, sagte Baerbock. "Bevor man also eine allgemeine Impfpflicht beschließen könnte, muss geklärt werden, was die Rechtsgrundlage ist und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Es braucht Impfdosen, die dann unverzüglich und ausreichend zur Verfügung stehen, die Impfmöglichkeiten müssen dafür überall gesichert sein."

Wissing sagte am Freitag in der Sendung "Frühstart" von RTL und ntv zur Corona-Bekämpfung: "Wir müssen diesen Kampf gewinnen und wir müssen ohne Denkverbote alle Möglichkeiten ausschöpfen, die unser Grundgesetz bietet, um Corona zurückzudrängen."

"Wir müssen offensichtlich weiter gehen als bisher und müssen deswegen genau gemeinsam ausloten, was verfassungsrechtlich geht", sagte der designierte Verkehrsminister zur Frage nach der Impfpflicht. Eine solche Vorgabe sei allerdings nicht "trivial" und flächendeckend nicht leicht durchzusetzen.

"Gleichwohl müssen wir auch dieses Instrument prüfen", betonte Wissing. "Wir können uns nicht erlauben, dass die Möglichkeiten, die das Grundgesetz bietet, um das Virus zu bekämpfen, nicht ausgeschöpft werden."

Für die allgemeine Impfpflicht ist der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Wir werden die Impfpflicht benötigen, denn wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Delta-Variante die schlimmste, die ansteckendste Variante bleibt", sagte er "Bild live". Es könne jederzeit eine noch ansteckende Variante kommen. "Ohne eine Impfpflicht kommen wir somit aus der Situation nicht heraus."

Auch Ethikratsmitglied Wolfram Henn spricht sich für die allgemeine Impfpflicht aus. "Wir müssen dieses Mittel jetzt entschlossen ergreifen, denn alle auf Einsicht setzenden Mittel sind ausgereizt", sagte der Humangenetiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Es sei der "vielleicht größte Fehler der Politik" gewesen, zu Beginn der Pandemie eine Impfpflicht auszuschließen.

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Nach langem Streit: Kabinett befasst sich mit Pflegereform

Nach langem Streit: Das Bundeskabinett befasst sich in seiner Sitzung am Mittwoch mit der Pflegereform. Auf der von der Bundesregierung bereitgestellten Liste mit den Kabinettsthemen tauchte das Thema nun auf, nachdem eine Befassung mit dem Entwurf für ein Pflegeneuordnungsgesetz aus dem Gesundheitsministerium lange unsicher war. Bis zuletzt hatte es intensive Gespräche zwischen Union und SPD über die Ausgestaltung der Reform gegeben.

Mutmaßlicher ehemaliger IS-Kämpfer in Hessen festgenommen

In Hessen ist ein mutmaßlicher IS-Anhänger festgenommen worden. Der in Kuwait geborene Nuri A. soll sich der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) spätestens Anfang 2016 im Irak angeschlossen haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch mitteilte. Er habe bis zum Frühling 2017 für den IS gekämpft.

Berufungsurteil in Ungarn: Haftstrafe für Maja T. auf sieben Jahre verringert

Ein Berufungsgericht in Budapest hat die Haftstrafe für die deutsche Person Maja T. von acht auf sieben Jahre verringert. Wie der Vorsitzende Richter am Mittwoch bei der Urteilsverkündung sagte, wurde T. nicht mehr als Mittäterin bei Angriffen auf Rechtsextreme in der ungarischen Hauptstadt verurteilt, sondern als Komplizin. Das Urteil ist endgültig und kann nicht mehr angefochten werden.

USA beenden offiziell Militäreinsatz im Irak

Nach mehr als einem Jahrzehnt haben die USA offiziell ihren Militäreinsatz zur Bekämpfung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak beendet. Die USA und ihre Koalitionspartner hätten den Einsatz "Inherent Resolve" im Irak abgeschlossen, erklärte das Pentagon am Mittwoch. Die von den USA angeführte Militärkoalition war 2014 ins Leben gerufen worden, nachdem der IS weite Teile des Irak und Syriens eingenommen hatte.

Textgröße ändern: