Deutsche Tageszeitung - UN-Bericht warnt vor beispiellosem Einbruch von Afghanistans Wirtschaftsleistung

UN-Bericht warnt vor beispiellosem Einbruch von Afghanistans Wirtschaftsleistung


UN-Bericht warnt vor beispiellosem Einbruch von Afghanistans Wirtschaftsleistung
UN-Bericht warnt vor beispiellosem Einbruch von Afghanistans Wirtschaftsleistung / Foto: ©

Der Entzug der internationalen Finanzhilfen nach der Machtübernahme der Taliban hat Afghanistans Wirtschaft einem UN-Bericht zufolge einen "beispiellosen Schock" versetzt. Ohne die Hilfen könnte sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) binnen eines Jahres um 20 Prozent schrumpfen, warnte das UN-Entwicklungsprogramm (UNDP) in seinem am Mittwoch veröffentlichten "Sozioökonomischen Ausblick für Afghanistan 2021-2022". Um bis zu fünf Prozent würde das BIP demnach zurückgehen, wenn Frauen nicht mehr arbeiten dürfen.

Textgröße ändern:

Vor der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban Mitte August machten die internationalen Hilfen rund 40 Prozent des afghanischen BIP aus. Ausländische Arbeitgeber, allen voran die USA, kamen bis dahin für rund 80 Prozent der öffentlichen Ausgaben auf. Laut den UNDP-Prognosen könnte der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in den folgenden Jahren sogar 30 Prozent erreichen, wenn nicht rasch gegengesteuert werde.

"Es dauerte mehr als fünf Jahre Krieg, bis die syrische Wirtschaft einen vergleichbaren Rückgang erlebte. In Afghanistan dauerte es fünf Monate", sagte die UNDP-Direktorin für Asien, Kanni Wignaraja, der Nachrichtenagentur AFP. Aber selbst die Wiederaufnahme der Hilfe könnte die Not nur lindern, sagte sie weiter. Was die Menschen bräuchten, seien "Arbeitsplätze, die Möglichkeit zu lernen, Geld zu verdienen und in Würde und Sicherheit zu leben".

Sollten Frauen keinen Zugang mehr zu bezahlter Arbeit haben, könnten dem Land pro Jahr 600 Millionen bis eine Milliarde Dollar (529 Millionen bis 881 Millionen Euro) verloren gehen, heißt es in dem UNDP-Bericht weiter. Dies entspreche einem Rückgang des BIP um rund fünf Prozent. Weitere 500 Millionen Dollar gingen dem Land verloren, wenn Frauen weniger Geld ausgeben können, weil sie nichts mehr verdienen.

Vor ihrem Sturz im November 2001 hatten die Taliban allen Frauen verboten zu arbeiten. Diesmal dürfen Lehrerinnen oder weibliche Angestellte im Gesundheitswesen weiter arbeiten, die Aussichten der anderen erwerbstätigen Frauen sind aber bisher unklar.

Afghanistan könne es sich schlichtweg nicht leisten, auf Frauen im Berufsleben zu verzichten, sagte Wignaraja AFP. "Frauen machen 20 Prozent der formellen Beschäftigung aus, und ihre Arbeitsplätze sind entscheidend, um die wirtschaftliche Katastrophe in Afghanistan abzumildern", sagte Wignaraja weiter.

Zudem forderte sie den Zugang für Frauen zu weiterführenden Ausbildungen. Nur wenn sie auch die Möglichkeit bekämen, "Ärztinnen, Krankenschwestern, Ingenieurinnen oder Beamtinnen zu werden oder ein eigenes Unternehmen zu führen", könnten Frauen beim Wiederaufbau des seit Jahrzehnten durch Krieg geschwächten Landes helfen.

(A.Nikiforov--DTZ)

Empfohlen

Trump sieht "gute Chance" für Gesprächslösung mit Iran

US-Präsident Donald Trump hat sich nach drei Nächten ohne gegenseitige Angriffe mit dem Iran optimistisch über eine mögliche Gesprächslösung gezeigt. Er sehe "eine gute Chance" für erfolgreiche Verhandlungen mit Teheran, sagte Trump am Montag an Bord des Präsidentenfliegers Air Force One.

Besuch in Großbritannien: Neuer Premier Burnham sagt Selenskyj Unterstützung zu

Der britische Premierminister Andy Burnham hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bei dessen Besuch in Großbritannien Unterstützung und neue Drohnentechnologie zugesagt. Burnham empfing Selenskyj am Montag an einem Marinestützpunkt im südenglischen Portsmouth, wo sie einen Flugzeugträger besuchten. Der ukrainische Präsident reist im Anschluss zu einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Washington weiter.

"Bild": Dobrindt will Maßnahmenpaket gegen Gefährder

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin vom Samstag in der "Bild"-Zeitung ein Drei-Punkte-Sicherheitspaket angekündigt. Der Zeitung zufolge fordert der Minister vor allem eine deutliche Verschärfung des Vorgehens gegen als Gefährder eingestufte Menschen.

Merz rechtfertigt Personalwechsel - Hoppermann wird CDU-Generalsekretärin

Kanzler in Erklärungsnot: Nach den Pannen bei der Kabinettsumbildung hat Friedrich Merz (CDU) die umfassende personelle Neuaufstellung gerechtfertigt. Zugleich äußerte Merz am Montag in Berlin sein Bedauern über die Hängepartie bei der Besetzung des Verkehrsministeriums. Nach Sitzungen der CDU-Parteigremien gab er weitere Personalien bekannt. Die bisherige CDU-Schatzmeisterin Franziska Hoppermann soll die Partei als neue Generalsekretärin in die anstehenden Wahlkämpfe führen.

Textgröße ändern: