Deutsche Tageszeitung - Ermittler lassen offenbar riesige Mengen Kinderpornographie im Netz stehen

Ermittler lassen offenbar riesige Mengen Kinderpornographie im Netz stehen


Ermittler lassen offenbar riesige Mengen Kinderpornographie im Netz stehen
Ermittler lassen offenbar riesige Mengen Kinderpornographie im Netz stehen / Foto: ©

Deutsche Ermittlungsbehörden lassen riesige Mengen illegaler Kinderpornographie oftmals nicht aus dem Internet entfernen, selbst wenn die Drahtzieher hinter entsprechenden Websites bereits gefasst sind. Sogar Inhalte beschlagnahmter Server seien bis heute online, berichteten am Donnerstag das ARD-Politikmagazin "Panorama", der "Spiegel und das Rechercheformat "STRG_F". Technisch wäre eine Löschung der Fotos und Videos demnach aber einfach möglich.

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Dem Bericht zufolge blieben etwa nach einem großen Ermittlungserfolg des Bundeskriminalamts gegen die Darknet-Plattform "Boystown" im Frühjahr dieses Jahres die über diese Seite verbreiteten Bilder und Videos noch online. Zwar hätten die Ermittler vier Drahtzieher hinter dem Pädokriminellen-Netzwerk festgenommen und auch die Darknet-Plattform abgeschaltet, die Fotos und Videos der Plattform jedoch nicht bei den entsprechenden Speicherdiensten im gewöhnlichen Internet entfernen lassen.

Hintergrund ist dem Bericht zufolge die besondere Online-Architektur von Pädokriminellen-Netzwerken: Zum Betreiben ihrer Plattformen nutzten diese zwar das anonyme Darknet. Zum Speichern ihrer riesigen Datenmengen seien sie aber auf Speicherdienste im gewöhnlichen Internet angewiesen. Auf ihren Plattformen im Darknet teilten die Kriminellen dann lediglich passwortgeschützte Download-Links, mit denen auf die Speicherdienste im Internet zugegriffen werden könne.

Die über "Boystown" verbreiteten Download-Links liegen den Strafverfolgern laut den Medien vor. Weil sie aber den Speicherdiensten offenbar bis heute nicht gemeldet worden seien, könnten sie dort immer noch abgerufen werden. Die Fotos und Videos, die darüber heruntergeladen werden können, zeigen demnach schwere Verbrechen an Kindern, darunter Gruppenvergewaltigungen.

Der Leiter der Gruppe "Gewalt- und Sexualdelikte" im BKA, Hans-Joachim Leon, sagte dem Rechercheverbund, es sei zwar ein "essenzieller Auftrag auch an die Strafverfolgungsbehörden", Missbrauchsdateien aus dem Netz entfernen zu lassen. Allerdings seien die Ermittlungen des BKA "täterorientiert". "Wir versuchen, die User zu bekommen. Wir sammeln keine Links ein", sagte Leon unter Verweis auf fehlende personelle Ressourcen.

Die an den Recherchen beteiligten Reporter argumentieren dagegen, dass riesige Datenmengen schon mit überschaubarem Aufwand aus dem Netz entfernt werden könnten. Sie legten nach eigenen Angaben sechs von Pädokriminellen besonders intensiv genutzten Speicherdiensten rund 80.000 Download-Links aus dem Darknet vor. Demnach löschten die Unternehmen löschten daraufhin mehr als 13 Terabyte Videos und Fotos aus dem Netz.

Der Schwarzmarkt für Kinderpornographie im Darknet ist den Rechercheuren zufolge riesig. Allein im aktuell größten Darknet-Forum seien 3,7 Millionen Nutzerkonten registriert. Ein Unterforum namens "Spielplatz" sei mehr als 1,1 Milliarden Mal angeklickt worden.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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