Deutsche Tageszeitung - UNO befürchtet ein "Zerbrechen" Äthiopiens

UNO befürchtet ein "Zerbrechen" Äthiopiens


UNO befürchtet ein "Zerbrechen" Äthiopiens
UNO befürchtet ein "Zerbrechen" Äthiopiens / Foto: ©

Angesichts des Konflikts in Äthiopien befürchten die Vereinten Nationen ein "Zerbrechen" des afrikanischen Vielvölkerstaates. Der UN-Nothilfekoodinator Martin Griffiths sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Stabilität Äthiopiens, in dem 115 Millionen Menschen aus 80 ethnischen Gruppen leben, sei gefährdet. Ein Kampf um die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba wäre "das schlimmste", was dem Land bevorstehen könnte.

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Sollte es in Addis Abeba oder Umgebung Kämpfe geben, so werde das zunehmende Gewalt zwischen verschiedenen Volksgruppen im Land nach sich ziehen, sagte Griffiths. Damit könnte ein Fall eintreten, über den seit "vielen, vielen Jahren" nicht nachgedacht worden sei - das "Zerbrechen Äthiopiens".

In Äthiopien gibt es seit einem Jahr Kämpfe zwischen der in der nordäthiopischen Region Tigray herrschenden Rebellengruppe TPLF und der Regierung in Addis Abeba. Der Konflikt hatte mit einer Offensive der Regierungstruppen gegen die TPLF begonnen. Seither wurden tausende Menschen getötet und mehr als zwei Millionen weitere vertrieben. Die Vereinten Nationen werfen allen Konfliktparteien schwere Menschenrechtsverletzungen vor.

Die TPLF holte zuletzt zum Gegenangriff aus, eroberte die größten Teile Tigrays zurück und weitete ihr Einflussgebiet nach Amhara und Afar aus. Inzwischen gab die Regierung an, sie habe die Kontrolle über mehrere Städte zurückgewonnen, darunter die Weltkulturerbestätte Lalibela.

Griffiths forderte, Angriffe auf den Flughafen von Addis Abeba und die Stadt selbst, in der fünf Millionen Menschen leben, müssten auf jeden Fall unterbleiben. Er wies darauf hin, dass sich unter Diplomaten und anderen ausländischen Vertretern die Angst breit mache, in Addis Abeba könnten sich Szenen Abspielen wie bei der Machtübernahme der Taliban in Kabul.

Angesichts der katastrophalen Lage fielen auch die Hilfsanforderungen für das kommende Jahr höher aus als in vorangegangenen Jahren, sagte der UN-Nothilfekoordinator. Die UNO geht von benötigten Hilfen in Höhe von umgerechnet gut 2,6 Milliarden Euro aus. Das Welternährungsprogramm hatte in der vergangenen Woche erklärt, im Norden Äthiopiens seien mehr als neun Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfen angewiesen.

(V.Sørensen--DTZ)

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