Deutsche Tageszeitung - Klingbeil: "Politik des Abwartens" nach Wahl von Scholz zum Kanzler vorbei

Klingbeil: "Politik des Abwartens" nach Wahl von Scholz zum Kanzler vorbei


Klingbeil: "Politik des Abwartens" nach Wahl von Scholz zum Kanzler vorbei
Klingbeil: "Politik des Abwartens" nach Wahl von Scholz zum Kanzler vorbei / Foto: ©

Die Wahl von Olaf Scholz (SPD) zum Bundeskanzler markiert nach Ansicht von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil ein Ende des von Angela Merkel (CDU) praktizierten Politikstils. "Eine Politik des Abwartens wird es mit einem Kanzler Scholz nicht geben", sagte Klingbeil am Mittwoch im Sender ntv. Die Pläne der Ampel-Koalition und die Corona-Pandemie erforderten eine "ganz andere Dynamik".

Textgröße ändern:

Von Scholz’ Wahl zum Kanzler am Mittwochvormittag zeigte sich Klingbeil "emotional sehr gerührt". Zu Beginn des Wahlkampfes habe "niemand" der SPD zugetraut, "dass wir überhaupt in eine Regierung kommen". Im Bundestag habe die Partei nun die Antwort gegeben: "Wir haben nach 16 Jahren wieder einen Sozialdemokraten zum Kanzler gewählt und sind hier mit Abstand die stärkste Fraktion".

Dass bei der Wahl von Scholz im Bundestag weniger Stimmen auf Scholz entfielen als SPD, Grüne und FDP zusammen Sitze haben, führte Klingbeil teilweise auf Krankheitsfälle in den Fraktionen zurück. Darüber hinaus habe es vielleicht "noch welche gegeben, die noch nicht ganz so überzeugt davon sind, dass die Koalition gut ist, dass der Koalitionsvertrag stimmt", sagte Klingbeil.

Andere seien möglicherweise enttäuscht, "weil sie in den letzten Tagen nicht die Verantwortung bekommen" hätten, die sie sich gewünscht hatten, fügte Klingbeil hinzu. Aber klar sei auch: "Das Votum ist deutlich. Olaf Scholz ist der nächste Kanzler. Das zählt."

Scholz war am Vormittag im Bundestag mit 395 Stimmen zum Kanzler gewählt worden. Die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP verfügen zusammen über 416 Stimmen, also 21 mehr als Stimmen für Scholz abgegeben wurden.

Zu seinen eigenen politischen Ambitionen sagte Klingbeil, er freue sich darauf, am Samstag für den SPD-Vorsitz zu kandidieren. Auf die Frage, ob ein Ministeramt nicht die einfachere Rolle gewesen wäre als der Parteivorsitz, sagte Klingbeil: "Ich habe noch sehr viel vor mit der SPD, in der SPD. Ich bin 43, ein bisschen Politik machen darf ich noch."

(S.A.Dudajev--DTZ)

Empfohlen

Nach Scheitern von Wohnungspaket: Zehntausende protestieren in Spanien

Nach dem Scheitern eines Regulierungspakets gegen die Wohnungsnot im Parlament sind in Spanien erneut zehntausende Menschen für bezahlbaren Wohnraum auf die Straße gegangen. Allein in der Hauptstadt Madrid beteiligten sich am Samstag nach Behördenangaben 70.000 Menschen an den Demonstrationen, die Organisatoren sprachen von 500.000. Auch in mehreren anderen Städten gab es Proteste.

Zweites Treffen: Rot-Grün-Rot in Berlin verständigt sich auf "gemeinsamen Weg"

Die Berliner Landesverbände von Linken, Grünen und SPD haben sich bei einem zweiten Treffen nach der Wahl "auf einen weiteren gemeinsamen Weg verständigt". Dies geht aus einer gleichlautenden Erklärung hervor, welche die drei Parteien am Samstag verbreiteten. "In der kommenden Woche werden wir die aktuellen Gespräche zu einem Ergebnis führen", hieß es darin weiter.

Bilanz mit pessimistischen Untertönen: Steinmeier warnt vor Gefahr für Demokratie

Besorgte Mahnungen zum Ende einer langen Amtszeit: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat wenige Monate vor seinem Ausscheiden aus dem Amt vor einer ernsthaften Gefährdung für Demokratie und Zusammenhalt in Deutschland gewarnt. In seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit beklagte Steinmeier am Samstag in Bremen eine "unerträgliche politische Demagogie extremistischer Kräfte", die an den Grundfesten des Staates rüttle. Er rief die Bundesregierung auf, trotz allen Widerstands ihren Reformkurs fortzusetzen.

Lettland wählt neues Parlament unter dem Eindruck russischer Bedrohung

In Lettland haben die Bürger am Samstag unter dem Eindruck der russischen Bedrohung und wachsender wirtschaftlicher Sorgen ein neues Parlament gewählt. Sicherheit und Verteidigung prägten den Wahlkampf in dem baltischen Staat ebenso wie steigende Lebenshaltungskosten, niedrige Löhne und Probleme im Gesundheitssystem. Die ersten Teilergebnisse wurden für Samstagabend erwartet, das vorläufige amtliche Ergebnis für Sonntag.

Textgröße ändern: