Deutsche Tageszeitung - Neuer Rückschlag für britischen Premier: Brexit-Minister tritt aus Protest zurück

Neuer Rückschlag für britischen Premier: Brexit-Minister tritt aus Protest zurück


Neuer Rückschlag für britischen Premier: Brexit-Minister tritt aus Protest zurück
Neuer Rückschlag für britischen Premier: Brexit-Minister tritt aus Protest zurück / Foto: ©

Der britische Premierminister Boris Johnson muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Wegen politischer Meinungsverschiedenheiten erklärte der britische Brexit-Minister David Frost seinen Rücktritt. Frost erklärte, er habe Johnson gegenüber seine "Bedenken über die derzeitige Richtung" etwa bei den Corona-Restriktionen deutlich gemacht. Johnsons Regierung steht derzeit wegen einer Parteispenden-Affäre und mutmaßlicher Verstöße gegen die selbst verordneten Corona-Regeln unter Druck.

Textgröße ändern:

Johnsons Büro veröffentlichte am Samstagabend Frosts Schreiben, in dem dieser erklärte, er werde mit sofortiger Wirkung zurücktreten, da "der Brexit jetzt sicher" sei. Frost schrieb weiter, er habe Johnson gegenüber seine "Bedenken über die derzeitige Richtung der Reise" deutlich gemacht. Er nannte dabei die neuen Corona-Beschränkungen der Regierung, deren Steuererhöhungen sowie das Ziel der CO2-Neutralität bis 2050. Berichten zufolge überredete Johnson Frost, seinen Posten noch bis Jahresende auszuüben.

In seinem Rücktrittsschreiben erklärte Frost, er hoffe, dass "wir so schnell wie möglich dorthin gelangen, wo wir hinmüssen": zu einer "wenig regulierten, niedrig besteuerten, unternehmerischen Wirtschaft".

Mit Blick auf die jüngsten Corona-Beschränkungen schrieb der 56-Jährige: "Wir müssen auch lernen, mit Covid zu leben". Johnsons Entscheidung vom Juli, alle Corona-Maßnahmen abzuschaffen, bezeichnete er als "mutig" - "leider" habe sich diese Entscheidung "nicht als unumkehrbar erwiesen, wie ich es mir gewünscht habe".

Der Rücktritt Frosts, einem engen Verbündeten Johnsons, ist für den ohnehin politisch angeschlagenen Premier ein weiterer Rückschlag - und der Höhepunkt einer verheerenden Woche für Johnson. Der Premier und seine Regierung werden unter anderem wegen einer Parteispenden-Affäre und mutmaßlicher Verstöße gegen die selbst verordneten Corona-Regeln in der Öffentlichkeit und auch in den eigenen Reihen scharf kritisiert.

Am Freitag hatte Johnsons Büro mitgeteilt, dass Simon Case, der mit der internen Untersuchung möglicher Corona-Verstöße durch Johnsons engste Mitarbeiter beauftragt worden war, zurücktrete. Dies geschehe, "um das Vertrauen der Öffentlichkeit in die laufende Untersuchung zu bewahren", hieß es. Der Beamte hatte etwa eine mögliche Weihnachtsfeier von Johnsons Mitarbeitern mitten im Corona-Lockdown im vergangenen Dezember untersuchen sollen - in seiner Abteilung gab es Medienberichten zufolge aber ebenfalls verbotene Weihnachtsfeiern.

Am Dienstag hatten sich fast hundert Tory-Abgeordnete gegen Johnson gestellt, indem sie gegen die neuen Corona-Auflagen der Regierung stimmten. Mitte der Woche erlitt Johnsons konservative Tory-Partei zudem bei einer Nachwahl zum Unterhaus eine herbe Niederlage.

Die stellvertretende Oppositionsführerin der Labour-Partei, Angela Rayner, schrieb auf Twitter, die Regierung befinde sich "im totalen Chaos". Johnson sei "der Aufgabe nicht gewachsen".

Der konservative Abgeordnete Andrew Bridgen sagte im Times Radio, dies sei für Johnson ein "entscheidender Moment". "Er muss sich ändern oder gehen." Auf Twitter betonte der entschiedene Brexit-Befürworter, dass dem Regierungschef "die Zeit und die Freunde ausgegangen sind, um die Versprechen und die Disziplin einer echten konservativen Regierung zu halten".

Das bei den Konservativen beliebte Internetportal "Conservative Home" schrieb, dass es sich um einen "Versuch" handle, Johnson zu "stürzen".

Gesundheitsminister Sajid Javid sagte dem Sender Sky News, er könne die Gründe für Frosts Rücktritt nachvollziehen. Dieser sei "ein prinzipientreuer Mann und prinzipientreue Leute treten zurück".

Nordirlands Ex-Regierungschefin Arlene Foster twitterte, Frosts Rücktritt sei von "enormer" Bedeutung - auch "für diejenigen von uns, die geglaubt haben, dass er seine Versprechen für Nordirland einhalten würde".

David Frost gilt als Hardliner gegenüber der Europäischen Union. Er leitete ab Juli 2019 für London die Verhandlungen mit Brüssel über das Brexit-Abkommen und die Umsetzung des umstrittenen Nordirland-Protokolls. Das Protokoll sieht vor, dass Nordirland de facto im europäischen Binnenmarkt und der Zollunion verbleibt, wodurch britische Einfuhren in diesen Landesteil vom Zoll kontrolliert werden müssen.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Bolsonaro knapp vor Lula - Stichwahl Ende Oktober

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro knapp vor dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gelegen. Der 45-Jährige kam am Sonntag nach Angaben des Wahlgerichts nach Auszählung der Stimmen von rund 99 Prozent der Wahlbüros auf rund 47 Prozent. Er lag damit knapp vor dem 80-jährigen Lula, der knapp 45 Prozent erreichte. Beide Kandidaten treten nun am 25. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an, da keiner von ihnen mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erzielte.

Präsidentenwahl in Brasilien: Bolsonaro liegt laut ersten Teilergebnissen vor Lula

Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro laut ersten Teilergebnissen vorerst an dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva vorbeigezogen. Nach der Auszählung von etwa 65 Prozent der elektronischen Wahlurnen des Landes lag Bolsonaro bei 49,8 Prozent der Stimmen, Lula lag demnach bei 42,2 Prozent der Stimmen. Die übrigen Kandidaten lagen jeweils im einstelligen Bereich.

Bosnisch-serbischer Hardliner Dodik erklärt sich zum Wahlsieger und dankt Trump und Putin

Bei den Wahlen in Bosnien-Herzegowina hat der abgesetzte bosnische Serbenführer Milorad Dodik nach eigenen Angaben seine Macht in der serbischen Teilrepublik gesichert. "Ich erkläre, dass wir gewonnen haben", sagte Dodik am Sonntag vor Unterstützern in Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska. Seine Partei habe sowohl in der Teilrepublik gewonnen als auch den serbischen Sitz des dreiköpfigen Staatspräsidiums des Zentralstaats.

NOOSHA AUBEL UND DAS BESCHÄMENDE VERSAGEN DER STRUKTUREN IM RATHAUS POTSDAM

Noosha Aubel ist 50 Jahre alt, parteilos und seit dem 24. Oktober 2025 Oberbürgermeisterin der Landeshauptstadt Potsdam. Von 2017 bis 2023 gehörte sie bereits als Beigeordnete für Bildung, Kultur, Jugend und Sport zur Verwaltungsspitze. Damit ist sie keine politische Anfängerin, die sich erst in Potsdamer Strukturen einarbeiten müsste. Sie kennt dieses Rathaus, seine Zuständigkeiten und seine Schwachstellen seit Jahren. Genau deshalb wiegen die Vorgänge um die mehrfach schwerstbehinderten Schwestern Heddå und Heidrūn politisch besonders schwer und werden Fragen an fehlendem Anstand und Moral auf.

Textgröße ändern: