Deutsche Tageszeitung - Biden und Putin betonen vor Telefonat zu Ukraine-Konflikt Dialogbereitschaft

Biden und Putin betonen vor Telefonat zu Ukraine-Konflikt Dialogbereitschaft


Biden und Putin betonen vor Telefonat zu Ukraine-Konflikt Dialogbereitschaft
Biden und Putin betonen vor Telefonat zu Ukraine-Konflikt Dialogbereitschaft / Foto: ©

Wenige Stunden vor einem geplanten Telefonat zum Ukraine-Konflikt haben die Präsidenten Russlands und der USA ihre Dialogbereitschaft betont. Der russische Präsident Wladimir Putin zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich über die Möglichkeit eines "wirkungsvollen Dialogs", wie der Kreml mitteilte. Zuvor hatte ein US-Regierungsvertreter angekündigt, US-Präsident Joe Biden wolle Putin einen "diplomatischen Weg nach vorne" anbieten.

Textgröße ändern:

Das zweite Telefonat der beiden Staatschefs binnen eines Monats war für 21.30 Uhr MEZ geplant. Es erfolgt vor dem Hintergrund der Spannungen um den massiven russischen Truppenaufmarsch an der Grenze zur Ukraine.

Er sei "überzeugt, dass wir vorankommen und einen wirkungsvollen russisch-amerikanischen Dialog schmieden können", erklärte Putin nach Angaben des Kreml in einem Neujahrs-Telegramm an Biden. Der Dialog müsse auf "gegenseitigem Respekt und im Bewusstsein der nationalen Interessen des anderen" erfolgen. Putins Sprecher Dmitri Peskow sagte anschließend vor Journalisten: "Wir glauben, dass es nur durch Gespräche möglich ist, all die dringenden Probleme zu lösen, die im Übermaß zwischen uns stehen." Moskau sei "in der Stimmung für ein Gespräch".

Washington ist nach Angaben des US-Regierungsvertreters weiterhin "zutiefst besorgt" angesichts von zehntausenden russischen Soldaten an der Grenze zur Ukraine. Die US-Regierung würde es demnach "gern sehen", wenn die Truppen "in ihre üblichen Übungsgebiete zurückkehren würden". Sie sei aber "auch bereit zu antworten, wenn Russland mit einer weiteren Invasion der Ukraine voranschreitet".

Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Emily Horne, erklärte, bei dem Telefonat mit Putin werde es um eine "Reihe von Themen" einschließlich der für Januar geplanten diplomatischen Gespräche mit Russland gehen.

Der Westen befürchtet wegen des Truppenaufmarsches seit geraumer Zeit, Russland könnte das Nachbarland angreifen. Die Regierung in Moskau dementiert jegliche Angriffspläne, weist Kritik an den Truppenbewegungen zurück und wirft seinerseits Kiew und der Nato "Provokationen" vor.

Biden und Putin hatten sich im Juni in Genf getroffen und zuletzt am 7. Dezember ein Videotelefonat geführt. Vertreter der USA und Russlands wollen am 10. Januar in Genf zu Beratungen über den Ukraine-Konflikt zusammenkommen. Zwei Tage später sind Gespräche zwischen Russland und der Nato geplant, am 13. Januar sollen Beratungen zwischen Russland und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) folgen.

Russland verlangt Sicherheitsgarantien des Westens und hat Entwürfe für zwei Abkommen mit den USA und der Nato vorgelegt, mit denen eine Osterweiterung des Militärbündnisses sowie die Errichtung von US-Militärstützpunkten in Staaten der ehemaligen sowjetischen Einflusssphäre untersagt werden sollen. Die weitreichenden Forderungen wurden von mehreren Nato-Mitgliedern zurückgewiesen.

Unterdessen telefonierte US-Außenminister Antony Blinken am Mittwoch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Er bekräftigte dabei nach Angaben seines Ministeriums den "unerschütterlichen Beistand" der USA für die "Unabhängigkeit, Souveränität und territoriale Integrität" der Ukraine angesichts des russischen Truppenaufmarsches. Selenskyj schrieb danach auf Twitter, dass er die "volle amerikanische Unterstützung" habe, um "einem russischen Angriff entgegenzuwirken".

Außerdem telefonierte Blinken mit Amtskollegen aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Dabei ging es um die "Koordinierung zur Abschreckung weiterer russischer Aggressionen gegen die Ukraine", wie der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, sagte. Es gebe einen "Konsens unter den Verbündeten und Partnern, Russland für solche Aktionen massive Konsequenzen und schwere Kosten aufzuerlegen".

In einem Telefongespräch Anfang Dezember hatte Biden seinem russischen Amtskollegen für den Fall eines Angriffs auf die Ukraine mit Sanktionen gedroht, "wie er sie noch nie gesehen hat".

(M.Dylatov--DTZ)

Empfohlen

Merz empfängt litauischen Ministerpräsidenten Sinkevicius im Kanzleramt

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empfängt am Montag (16.00 Uhr) den litauischen Ministerpräsidenten Mindaugas Sinkevicius mit militärischen Ehren im Bundeskanzleramt. Das Treffen findet im Rahmen eines zweitägigen Arbeitsbesuchs des litauischen Regierungschefs in Berlin statt. Im Zentrum der Gespräche stehen Fragen der Sicherheit, insbesondere mit Blick auf hybride Bedrohungen, die Stärkung der Nato-Ostflanke sowie der Aufbau der deutschen Brigade in Litauen.

Bundespräsident Steinmeier verleiht Schlagerlegende Nana Mouskouri Verdienstorden

Die aus Griechenland stammende Schlagerlegende Nana Mouskouri wird am Montag (11.00 Uhr) zum Tag der deutschen Einheit mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht der 91-Jährigen den Preis zur Anerkennung ihres Einsatzes für Frieden und Freiheit. Dass sie als Sängerin nach Kriegsende einen Prozess der Aussöhnung eingeleitet habe, präge bis heute das Griechenlandbild der Deutschen.

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Bolsonaro knapp vor Lula - Stichwahl Ende Oktober

Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien hat der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro knapp vor dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva gelegen. Der 45-Jährige kam am Sonntag nach Angaben des Wahlgerichts nach Auszählung der Stimmen von rund 99 Prozent der Wahlbüros auf rund 47 Prozent. Er lag damit knapp vor dem 80-jährigen Lula, der knapp 45 Prozent erreichte. Beide Kandidaten treten nun am 25. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an, da keiner von ihnen mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erzielte.

Präsidentenwahl in Brasilien: Bolsonaro liegt laut ersten Teilergebnissen vor Lula

Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien ist der rechtsgerichtete Senator Flávio Bolsonaro laut ersten Teilergebnissen vorerst an dem linksgerichteten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva vorbeigezogen. Nach der Auszählung von etwa 65 Prozent der elektronischen Wahlurnen des Landes lag Bolsonaro bei 49,8 Prozent der Stimmen, Lula lag demnach bei 42,2 Prozent der Stimmen. Die übrigen Kandidaten lagen jeweils im einstelligen Bereich.

Textgröße ändern: