Deutsche Tageszeitung - Prüfung von verkürzter Corona-Quarantäne wegen Omikron

Prüfung von verkürzter Corona-Quarantäne wegen Omikron


Prüfung von verkürzter Corona-Quarantäne wegen Omikron
Prüfung von verkürzter Corona-Quarantäne wegen Omikron / Foto: ©

Wegen der hoch ansteckenden Omikron-Variante prüft die Bundesregierung eine Verkürzung der Corona-Quarantäne, um Personalengpässe in Verwaltung, Gesundheitssystem und Wirtschaft zu verhindern. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bestätigte am Mittwochabend Überlegungen zur Quarantänedauer. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hielt sogar eine Befreiung von dreifach Geimpften von der Quarantäne für möglich.

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"Wenn sich viele Menschen anstecken und in Quarantäne müssen, besteht die Gefahr, dass wir Probleme bei der Aufrechterhaltung der kritischen Infrastruktur bekommen", erklärte Holetschek am Mittwoch gegenüber dem Nachrichtenportal Watson. Denkbar wäre deshalb "eine Befreiung von der Quarantäne für geboosterte Kontaktpersonen".

Befürchtet werden durch einen starken Anstieg der Infektionszahlen durch Omikron Personalengpässe etwa im Gesundheitswesen, bei Polizei und Feuerwehr oder in Teilen der Wirtschaft. Denn in Deutschland empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) derzeit bei einer Ansteckung mit der Omikron-Variante noch, dass sich Infizierte und ihre Kontaktpersonen für 14 Tage isolieren beziehungsweise in Quarantäne begeben sollen. Das schließt auch Geimpfte und Genesene ein.

Bundesgesundheitsminister Lauterbach sagte am Mittwochabend in den ARD-"Tagesthemen", aus der Ausbreitung der Omikron-Variante müssten Schlüsse gezogen werden. Die Frage sei, "was bedeutet das zum Beispiel für die Quarantänedauer, was bedeutet das für Kontaktreduzierungen".

Er wolle dies nun aber "sauber vorbereiten", sagte Lauterbach. "Da ist ein Schnellschuss falsch." Der Minister verwies darauf, dass sich der Expertenrat der Bundesregierung mit der Situation befasse, ebenso das RKI. "Wir werden in der nächsten Woche sicherlich gute Vorschläge unterbreiten können, spätestens." Für den 7. Januar ist bereits ein erneutes Bund-Länder-Treffen zur Lage angesetzt.

Einige Länder haben bereits die Quarantäne-Zeiten wegen der Omikron-Variante reduziert. In den USA wurde sie für symptomfrei Infizierte von zehn auf fünf Tage verringert. Spanien und Argentinien kündigten am Mittwoch eine Verkürzung von zehn auf sieben Tage an.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigte Verständnis für die Schritte. Die Reduzierung der Quarantäne-Dauer sei ein "Kompromiss" zwischen der Kontrolle des Infektionsgeschehens und wirtschaftlichen Überlegungen, sagte der WHO-Notfall-Beauftragte Michael Ryan am Mittwoch in Genf. Werde die Quarantänezeit verkürzt, werde es voraussichtlich nur "eine relativ kleine Zahl" von Fällen einer Virusübertragung durch die Betroffenen geben.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte die deutsche Quarantäne-Debatte auf Grundlage ungenauer Zahlen. "Ohne Wissen über die tatsächliche Coronalage überschlagen sich die politischen Vorschläge", erklärte er. "Die reichen von Verkürzung bis Aufhebung der Quarantäne für Dreimalgeimpfte. Doch Fakten über das Infektionsgeschehen fehlen. Denn es ist bekannt, dass Deutschlands Labore, Ärzte und Gesundheitsämter über die Feiertage in den Winterschlaf gehen."

Lauterbach hatte am Mittwoch eingeräumt, dass die mutmaßliche Infektionsrate derzeit zwei bis dreimal höher liegen könnte als angegeben. Wegen der Feiertage gibt es demnach eine "deutliche Untererfassung" der Ansteckungsfälle.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg am Donnerstag leicht auf 207,4 pro 100.000 Einwohner. Die Zahl der Fälle, die mit Omikron in Verbindung gebracht werden, stieg binnen eines Tages um 28 Prozent auf insgesamt bisher 16.748. Erfasst werden dabei auch Nachmeldungen aus den vergangenen Wochen.

(U.Stolizkaya--DTZ)

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