Deutsche Tageszeitung - Trauerfeier für Südafrikas Anti-Apartheid-Ikone Desmond Tutu

Trauerfeier für Südafrikas Anti-Apartheid-Ikone Desmond Tutu


Trauerfeier für Südafrikas Anti-Apartheid-Ikone Desmond Tutu
Trauerfeier für Südafrikas Anti-Apartheid-Ikone Desmond Tutu / Foto: ©

Mit einer schlichten Trauerfeier für Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat Südafrika Abschied von seinem letzten großen Helden des Anti-Apartheid-Kampfes genommen. Freunde, Familie und Geistliche versammelten sich am Samstag in der anglikanischen St. George’s-Kathedrale in Kapstadt, um den Verstorbenen ein letztes Mal zu würdigen.

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Der für seine Bescheidenheit bekannte frühere Erzbischof hatte die Zeremonie vor seinem Tod bis ins Detail geplant. Entsprechend seinem Wunsch nach einer einfachen Beisetzung wurde Tutu in einem schlichten Kiefernsarg mit einfachen Griffen aus Seil statt Gold begraben. Auf dem Sarg lag lediglich ein Strauß weißer Nelken.

Nach der Nationalhymne hielt Präsident Cyril Ramaphosa die Trauerrede: "Wenn Erzbischof Desmond Tutu noch leben würde, würde er sagen: ’Warum seht ihr so traurig, so unglücklich aus?’" Ramaphosa würdigte den Verstorbenen als "geistigen Vater" des neuen Südafrika. "Er hat die Welt zu einem besseren Ort gemacht. Wir werden uns mit einem Lächeln an ihn erinnern", sagte der Staatschef, bevor er Tutus Witwe Leah die südafrikanische Nationalflagge überreichte.

Die Übergabe der nach dem Ende des Apartheid-Regimes neu gestalteten Nationalflagge sollte an Tutus Beschreibung des Landes als "Regenbogennation" erinnern. Es war der einzige militärische Ritus während des Trauergottesdienstes. Tutu hatte sich gewünscht, das militärische Protokoll auf ein Minimum zu reduzieren.

Tutu war vor einer Woche im Alter von 90 Jahren gestorben. Sein Leichnam war zwei Tage in Kapstadt aufgebahrt worden, damit seine Anhänger Abschied nehmen konnten.

Der Geistliche war der erste Schwarze an der Spitze der Anglikanischen Kirche im südlichen Afrika. Während Anti-Apartheid-Kämpfer wie Nelson Mandela von der herrschenden weißen Minderheit jahrzehntelang inhaftiert wurden, wurde der Erzbischof in den 1970er Jahren zum Symbol des Kampfes gegen die Rassentrennung. Unermüdlich unterstützte er auf Auslandsreisen den Anti-Apartheid-Kampf und forderte internationale Sanktionen gegen die Apartheid-Regierung ein.

Von der Kanzel in Kapstadt verurteilte er Polizeigewalt gegen die schwarze Bevölkerung. Nur seine Robe schützte ihn vor dem Gefängnis. In seinem violetten Gewand stellte er sich auch vor viele Demonstranten, um sie vor der Brutalität der Polizei zu schützen. Für seine Opposition gegen das Apartheid-Regime wurde Tutu 1984 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Nach seiner Emeritierung als Erzbischof wurde Tutu Vorsitzender der zur Aufarbeitung der Apartheidverbrechen gegründeten Wahrheits- und Versöhnungskommission. Später verurteilte er mit scharfen Worten die Regierungspartei African National Congress (ANC) wegen Korruption und mangelnder Führungskompetenz.

Tutus moralische Beständigkeit und Leidenschaft gingen Hand in Hand mit Selbstironie und seinem berühmten gackerndem Lachen. In den vergangenen Jahren zog sich der an Prostatakrebs erkrankte Nobelpreisträger weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück.

(U.Beriyev--DTZ)

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