Deutsche Tageszeitung - Human Rights Watch ruft weitere Länder zu diplomatischem Olympia-Boykott auf

Human Rights Watch ruft weitere Länder zu diplomatischem Olympia-Boykott auf


Human Rights Watch ruft weitere Länder zu diplomatischem Olympia-Boykott auf
Human Rights Watch ruft weitere Länder zu diplomatischem Olympia-Boykott auf / Foto: ©

Der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW), Kenneth Roth, hat weitere Länder zu einem diplomatischen Boykott der Olympischen Spiele in Peking aufgerufen. China nutze die Sportveranstaltung, um seine "schreckliche" Menschenrechtsbilanz zu verschleiern, warnte der HRW-Chef in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP.

Textgröße ändern:

"Die chinesische Regierung nutzt die Spiele in Peking eindeutig, um ihre schreckliche Unterdrückung reinzuwaschen oder hinter sportlichen Leistungen zu verbergen", sagte Roth mit Blick auf den am Donnerstag veröffentlichten HRW-Jahresbericht über Menschenrechtsverletzungen weltweit. Die teilnehmenden Länder könnten "nicht einfach behaupten, dass alles normal ist".

Roth kritisierte auch UN-Generalsekretär António Guterres, der bei den Spielen in Peking erwartet wird. Der HRW-Chef warf dem UN-Vertreter vor, "völlig still zu sein und sich zu weigern, die chinesische Regierung zu kritisieren". Roth forderte auch die Sponsoren der Veranstaltung auf, sich klar zu positionieren: "Anstatt Chinas Verschleierungs-Taktik zu unterstützen, sollten sie darauf hinweisen, was in Xinjiang vor sich geht."

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind in Xinjiang mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime in Haftlagern eingesperrt. Sie werden dort nach Angaben der Aktivisten zur Aufgabe ihrer Religion, Kultur und Sprache gezwungen und teilweise auch misshandelt. Peking spricht bei den mutmaßlichen Haftlagern von "Bildungszentren", die dem Kampf gegen islamistische Radikalisierung dienten.

Derweil begrüßte Roth das kürzlich beschlossene Importverbot der USA für Waren aus Xinjiang. Das im Dezember unterzeichnete Gesetz sieht ein Verbot von Produkten vor, die ganz oder teilweise in dieser Provinz hergestellt wurden - es sei denn, die Unternehmen können nachweisen, dass die Produkte nicht mit Zwangsarbeit hergestellt wurden, was als schwierig gilt.

China steht unter anderem wegen seines Umgangs mit der muslimischen Minderheit der Uiguren in Xinjiang international in der Kritik. Auch Pekings Vorgehen in der Sonderverwaltungszone Hongkong, die Drohungen der Volksrepublik gegenüber Taiwan und seine Handelspolitik sorgen für Spannungen. Die USA und einige ihrer Verbündeten haben daher einen diplomatischen Boykott der Spiele angekündigt.

(V.Sørensen--DTZ)

Empfohlen

Schülerproteste in Frankreich: Weiterer Aktionstag erwartet

In Frankreich steht am Dienstag ein neuer Protesttag der Schülerinnen und Schüler an, der von zahlreichen Gewerkschaften unterstützt wird. Auch die linkspopulistische Partei La France Insoumise und die sozialistische Partei haben zur Solidarität mit den Protestierenden aufgerufen. Angesichts zahlreicher Gewalttaten ist die Sorge groß, dass es erneut zu Ausschreitungen kommt.

Sachsen-Anhalt: Neuer Landtag wählt in erster Sitzung Präsidenten

Mehr als vier Wochen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt das neugewählte Parlament am Dienstag in Magdeburg (11.00 Uhr) zu seiner ersten Sitzung zusammen. In der konstituierenden Sitzung wird ein neuer Landtagspräsident gewählt. Als stärkste Fraktion hat die AfD dafür das Vorschlagsrecht. Sie nominierte für das Amt ihren derzeitigen parlamentarischen Geschäftsführer Tobias Rausch. Das BSW erklärte, einen AfD-Bewerber zu unterstützen.

Trump begrüßt "großen" Sieg von Bolsonaro-Sohn bei erster Wahlrunde in Brasilien

US-Präsident Donald Trump hat den "großen" Sieg des rechtsgerichteten Senators Flávio Bolsonaro in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien begrüßt. "Es ist ein großer Sieg. Knapp, aber ein sehr, sehr großer Sieg", sagte Trump am Montag vor Journalisten im Weißen Haus. "Unglaublich", fügte er hinzu.

Bericht: Zahl der Kriegsdienstverweigerer stark angestiegen

Die Zahl der Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ist in diesem Jahr stark angestiegen. Von Januar bis August seien insgesamt 12.102 entsprechende Gesuche eingegangen, sagte eine Sprecherin des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND, Dienstagsausgaben). Im gesamten Jahr 2025 gab es demnach lediglich 3879 Anträge, 2024 waren es 2249.

Textgröße ändern: